
„Wir machen Musik, um Menschen glücklich zu machen“
Seit mehr als 40 Jahren steht die Band der Nockis auf der Bühne – und ihre Musik berührt Menschen über Generationen hinweg. Ihre Lieder lassen den Alltag vergessen, wecken Erinnerungen und bringen Menschen zum Lachen, Träumen und Tanzen. Hinter den bekannten Melodien steckt jedoch mehr als nur Unterhaltung: harte Arbeit, enge Freundschaften, unerschütterlicher Zusammenhalt und die Leidenschaft, mit jedem Song etwas Echtes zu schaffen. Kurz vor dem Auftritt der Nockis im Zentrum für Visionen erzählt Frontman Gottfried Würcher im Interview von Erfolgen und Rückschlägen, von der Entstehung ihrer Songs und davon, was es bedeutet, eine Band zu sein, die für viele längst wie eine Familie geworden ist.
Text: Doris Thallinger
Fotos: kaindl-hoenig.com, Die Nockis/Soul Space Studios
Viele eurer Songs berühren Menschen über Generationen hinweg. Was ist euer innerer Antrieb, Musik zu machen, die so tief geht?
Musik verbindet – das ist für uns immer das Wichtigste. Egal, welche Art von Menschen zu uns kommt, sie kommen, weil sie unsere Musik mögen, unsere Lieder kennen und einfach gemeinsam mit uns feiern wollen. Sie möchten vom Alltag abschalten, Sorgen und Schmerzen vergessen und die Musik genießen. Genau das ist unser Ziel und Ansporn. Und wenn wir dann draußen stehen, Autogramme geben oder Gespräche mit den Fans führen, und die Leute sagen: „Das war richtig schön, ich habe das total gefühlt“, dann ist das ein unglaubliches Kompliment. Es zeigt uns, dass wir mit unserer Musik Menschen erreichen – das treibt uns an und gibt uns Energie. Wir machen unsere Songs, um Menschen glücklich zu machen, gerade in Momenten, in denen sie vielleicht etwas Ablenkung vom Alltag brauchen.
Wie haben euch Erfolge, aber auch Rückschläge, im Laufe der Zeit als Menschen und Musiker geprägt?
Rückschläge prägen sicherlich, aber für uns war es immer wichtig, nach vorn zu schauen. Wir haben kontinuierlich an uns gearbeitet und versucht, den Menschen das zu geben, was wir selbst für uns erwarten. Dabei haben wir nicht nur unsere eigenen Ideen umgesetzt, sondern auch immer geschaut: Was wollen die Fans hören? Was erwarten sie von uns? Natürlich probiert man Neues aus, man muss sich weiterentwickeln, sonst bleibt man stehen. Aber wenn es gelingt, den eigenen Anspruch mit den Erwartungen der Fans zu verbinden, dann ist das ein tolles Gefühl. Nach 44 Jahren auf der Bühne kann man wirklich sagen, dass uns das bisher sehr gut gelungen ist – wir fühlen uns bestätigt, wenn ein Song aufgeht und die Menschen ihn lieben.
Wie entstehen eure Songs? Sind das Gemeinschaftsprojekte, oder gibt es einen festen Ablauf, bis ein Stück auf die Bühne kommt?
Das ist sehr individuell. Es werden Songs vorgeschlagen, und wenn wir das Gefühl haben, dass sie zu uns passen, nehmen wir sie auf. Ich entwickle zum Großteil die Melodien gemeinsam mit Textern, denen ich seit Jahrzehnten vertraue. Das gibt eine gewisse Sicherheit, weil wir den Stil und die Werte der Nockis kennen. Letztlich entscheidet dann nur eine kleine Gruppe von uns und unser Management. Zu viele Meinungen würden den Prozess verlangsamen und am Ende oft zu Kompromissen führen, die keiner wirklich will. Für uns ist es wichtig, klare Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.
Wenn man so lange zusammen spielt – auch wenn es Veränderungen in der Band gegeben hat – welche Rolle spielen Freundschaft und Zusammenhalt?
Für mich ist es entscheidend, dass die Menschen innerhalb der Band sich verstehen. Wenn jemand glaubt, dass der Weg, den wir gehen, nicht der richtige ist, ist es besser, sich zu trennen. Aber solange alle zusammenbleiben, ist das wie in einer Familie: Wir halten zusammen. Viele von uns kennen sich seit der Kindheit, sind zusammen zur Schule gegangen und haben gemeinsam im Chor gesungen. Wir sind nicht nur Kollegen, sondern enge Freunde, teilweise sogar wie Brüder. Vertrauen ist unglaublich wichtig, gerade wenn man mehrere Monate auf Tour ist. Das schweißt zusammen und schafft eine Bindung, die über die Musik hinausgeht.
Natürlich gibt es auch unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie sich die Musik entwickeln sollte. Aber wir haben gelernt, darüber vernünftig zu diskutieren. Es ist völlig normal, dass manche Mitglieder andere musikalische Wege einschlagen möchten – man muss sich nicht im Streit trennen, sondern kann das sachlich klären. So bleibt die Harmonie erhalten, und jeder kann seinen Platz finden.
Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Gibt es musikalische Träume, die Sie mit den Nockis noch verwirklichen möchten?
44 Jahre auf der Bühne zu stehen, ist eine sehr lange Zeit, und wir haben immer das gemacht, was uns Freude bereitet hat. Neue Programme, CDs oder Songs wurden immer gut überlegt, und die Ausführung war entscheidend. Die Trefferquote war dabei hoch – etwa 95 Prozent unserer Songs kamen bei den Fans gut an. Natürlich gab es auch Lieder, die anfangs nicht sofort angenommen wurden. Ich erinnere mich an Titel, bei denen die Leute zunächst skeptisch waren. Aber ich habe an die Songs geglaubt, sie gefördert, und nach einigen Auftritten waren sie ein voller Erfolg. Solche Erfahrungen bestätigen, dass es wichtig ist, Vertrauen in die eigene Arbeit zu haben.
Letztes Jahr habt ihr ein neues Album veröffentlicht…
Wir haben fast jedes Jahr ein neues Album herausgebracht – aktuell ist Nummer 52 auf dem Markt. Anfangs war ich persönlich nicht überzeugt, weil physische CDs kaum noch Gewinn abwerfen. Aber meine Kollegen haben mich überredet, und ein Album ist nicht nur Umsatz, sondern auch Werbung. Man muss mit der Zeit gehen – Streaming und digitale Plattformen sind heute alles. Trotzdem ist es schön, den Fans etwas Greifbares in die Hand zu geben. Es ist eine Möglichkeit, unsere Musik sichtbar zu machen, neue Fans zu erreichen und auch bei den bestehenden Fans präsent zu bleiben.
Wenn Sie die Nockis in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?
Frisch, Freude und Musik. Und natürlich die Lust, auf der Bühne zu stehen. Das beschreibt uns wohl am besten – wir lieben, was wir tun, und wollen die Menschen weiterhin mit unserer Musik begeistern.