Wenn der Salzburgring bebt

Drei Tage, mehr als 10.000 Zuschauer und GT3-Sportwagen am Limit: Beim Motorsportfestival am Salzburgring wurde am ersten September-Wochenende Rennsport zum Spektakel. Die eigentliche Hauptrolle dabei spielte die Strecke selbst – die 57 Jahre alte Naturrennstrecke, die mit langen Geraden, schnellen Kurven und ihrem ganz eigenen Charakter bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Text: Doris Thallinger | Fotos: Alexander Trienitz/IGMS, ADAC Motorsport & Gruppe C., Michael Jurtin

Es beginnt mit einem Geräusch. Erst ein fernes Grollen, dann wird daraus ein Crescendo, bis sich der Sound von Lamborghini, Porsche, BMW, Ford, Audi und Aston Martin über den Nesselgraben legt. Für einen Moment scheint der Salzburgring wieder ganz der Alte – und gleichzeitig so jung wie lange nicht.

Vom 4. bis 6. September gastierte das ADAC GT Masters erstmals auf der Traditionsstrecke vor den Toren Salzburgs. Zwei 80-Minuten-Rennen, packende Positionskämpfe und ein Wetter, das mit wechselnden Bedingungen zusätzlich für Spannung sorgte.

Ernst Penninger

Ein Ring mit Geschichte

Der Salzburgring wurde 1969 eröffnet. Und er hat Motorsportgeschichte geschrieben. Eine der prominentesten Geschichten führt direkt zu Jochen Rindt: Der Salzburgring war Schauplatz seines letzten Rennens. Ein historischer Ort also, an dem die Vergangenheit des Motorsports bis heute spürbar bleibt.

Auch die Motorrad-Weltmeisterschaft machte den Ring international bekannt. Von 1971 bis 1994 gastierte diese regelmäßig in Salzburg. Zu diesen Anlässen strömten bis zu 100.000 Zuschauer an die Strecke.

Heute ist die Atmosphäre naturgemäß eine andere. Aber gerade das macht den Salzburgring reizvoll: Er ist keine futuristische Rennsportkulisse, sondern eine gewachsene Strecke, eingebettet in Wald und Landschaft. Und seine Charakteristik ist bis heute unverwechselbar.

Schnell & enger als gedacht

4,255 Kilometer ist der Kurs lang. Zwölf Kurven – sechs links, sechs rechts – führen durch die hügelige Landschaft. Die Strecke steigt um bis zu 3,8 Prozent und fällt an manchen Stellen um 1,8 Prozent. Tatsächlich erklären diese Zahlen einiges von dem, was das Fahrerlebnis am Salzburgring ausmacht. Denn hier folgt auf Highspeed eine enge technische Passage – und genau dieser Wechsel macht die Strecke anspruchsvoll.

240 km/h – und dann auf die Bremse

Besonders spektakulär ist die Fahrerlagerkurve. Mit mehr als 240 km/h gehört sie zu den schnellsten Stellen des Rings. Wer hier vom Gas geht, verliert Zeit; wer zu viel riskiert, hat kaum Raum für einen Fehler. Die Ideallinie führt zunächst nach außen und anschließend wieder zurück – Präzision bei hohem Tempo ist gefragt.

Nur wenig später ändert sich das Bild: Die Nockstein-Kehre verlangt einen späten Bremspunkt und einen sauberen Kurvenausgang. Der Scheitelpunkt liegt relativ spät, weshalb die Fahrer zunächst Geschwindigkeit opfern müssen, um anschließend möglichst früh wieder ans Gas gehen zu können. Und dann kommt die lange Gegengerade. Hier wird der Salzburgring zur Windschattenstrecke. Wer aus der Nockstein-Kehre nicht mit ausreichend Abstand herauskommt, muss damit rechnen, am Ende der Geraden überholt zu werden. Zwei Wagenlängen können dabei bereits den Unterschied machen. Der vielleicht größte Reiz liegt genau in diesen Gegensätzen. Nach der schnellen Fahrerlagerkurve und der langen Gerade folgt mit der Schikane nach Start und Ziel der langsamste und engste Abschnitt der Strecke. Hier zählt nicht mehr Mut allein, sondern Timing. Wann wird gebremst? Wie spät kann man einlenken? Wie früh lässt sich wieder beschleunigen? Highspeed und Millimeterarbeit liegen am Salzburgring unmittelbar nebeneinander.

Fahrerlager-Kurve

Leo Pichler im razoon-Porsche

Ein Finale mit Gänsehaut

Das ADAC GT Masters hätte sich für seine Rückkehr am Salzburgring kaum eine bessere Dramaturgie wünschen können. Am Samstag siegten Leyton Fourie und Tim Zimmermann im BMW M4 GT3 Evo mit gerade einmal 0,493 Sekunden Vorsprung vor dem Ford Mustang GT3 von Fabian Dybionka und Emil Gjerdrum. Damit übernahm das BMW-Duo zugleich die Tabellenführung.

Am Sonntag setzte sich das Spektakel fort. Finn Zulauf und Felix Hirsiger mussten ihren Lamborghini nach einem Verstoß gegen die Parc-Fermé-Regeln von der Pole-Position auf Startplatz 13 zurückstellen lassen. Was folgte, war eine Aufholjagd quer durch das Feld. Am Ende siegte der Lamborghini mit 1,690 Sekunden Vorsprung vor dem Porsche von Lokalmatador Leo Pichler und Colin Bönighausen.

Rennsport zum Anfassen

Mehr als 10.000 Zuschauer erlebten das Motorsportfestival. Die Fahrerlagertribüne war voll, ebenso die ikonische Naturtribüne entlang der Fahrerlagerkurve. Gerade diese Nähe gehört zum Salzburgring. Auch abseits der Rennen wurde der Ring zum Erlebnisraum. Beim Pit Lane Walk konnten Besucher einen Blick in die Boxen werfen und die Fahrer hautnah erleben. In der Fanzone sorgten Rennsimulatoren, Souvenirstände und Angebote für Familien auch abseits der Strecke für Unterhaltung.

Vom Rennkurs zur Erlebnisarena

Unterhaltung ist Teil der Identität des Salzburgrings. Die Strecke ist nicht als abgeschottete Motorsportwelt konzipiert. Sie liegt mitten in der Landschaft und ist zugleich offen für unterschiedlichste Formen der Begegnung, die den Ring weit über den klassischen Rennsport hinausführen.

Heute ist der Salzburgring eine Multifunktionsarena, in der Geschwindigkeit auf Kultur, Sport und Unterhaltung trifft. Motorsport, Testfahrten, Trackdays und Fahrsicherheitstrainings gehören ebenso zum Programm

wie Kulturveranstaltungen, Radrennen, Firmen- und Charity-Events, Filmproduktionen und Produktpräsentationen. Beim Electric Love Festival wird die Rennstrecke zur Festivalarena, bei „Ring frei!“ gehört der Asphalt Radfahrern, Läufern, Skatern und Scootern.

Dass diese Vielfalt funktioniert, setzt eine entsprechende Infrastruktur voraus. Und hier hat sich am Salzburgring in den vergangenen Jahren viel getan.

Das technische Herz des Rings

Ein Meilenstein war 2024 die neue Race Control: Rund 40 Kameras erfassen heute das Geschehen auf dem Gelände und liefern die Bilder, die für die Überwachung, Organisation und Übertragung moderner Großveranstaltungen notwendig sind. Die Videoanlage bringt den Ring technisch auf ein Niveau, das internationalen Motorsportveranstaltungen gerecht wird und qualitativ selbst für Formel1-Rennen on top ist.

Zur Modernisierung gehört auch der Blick auf die Energieversorgung. Gemeinsam mit der Salzburg AG entstand eine der größten Photovoltaikanlagen Salzburgs, die Strecke und Umfeld mit erneuerbarer Energie versorgt. Dazu kommen sieben HPC-Ladestellen mit jeweils 150 kW, weitere AC-Ladestationen sowie E-Bike-Ladestellen.

Ein Kindheitstraum wird Zukunftsprojekt

Hinter dieser Entwicklung steht ein Mann, der den Salzburgring nicht nur verwaltet, sondern seit seiner Kindheit kennt: Ernst Penninger, Geschäftsführer des Internationalen Gemeinnützigen Motorsportvereins Salzburgring.

Penningers Geschichte am Salzburgring begann im Alter von drei Jahren. Sein Vater arbeitete als Techniker bei den Motorrad-Weltmeisterschaftsläufen und nahm seinen Sohn mit an die Strecke. Dort erlebte der gebürtige Halleiner die Stars der damaligen Rennsportszene aus nächster Nähe. Schon als Kind stand für ihn fest: Eines Tages werde er selbst am Salzburgring arbeiten.

2018 wurde dieser Kindheitstraum Realität. Seither treibt Ernst Penninger als Geschäftsführer die Weiterentwicklung der Anlage voran. Neue Veranstaltungsformate, moderne Technik und Investitionen in Sicherheit und Energieversorgung rüsten den Ring für die kommenden Jahrzehnte. Gleichzeitig bleibt die Rennstrecke die DNA des Konzepts.

Das nächste Kapitel

Das ADAC GT Masters hat am vergangenen Wochenende eindrucksvoll vorgeführt, was diese DNA ausmacht: spektakuläre Geschwindigkeiten, enge Zweikämpfe und Entscheidungen, die bis zur letzten Runde offenbleiben. Der Salzburgring bietet dafür die passende Bühne – und mit seiner modernen Infrastruktur beste Voraussetzungen für das, was noch kommt.

Nach der erfolgreichen Premiere des ADAC GT Masters hat der Salzburgring jedenfalls erneut gezeigt, dass er für hochkarätigen internationalen Motorsport bestens gerüstet ist.

57 Jahre nach seiner Eröffnung bleibt der Salzburgring ein Ort in Bewegung – mit der Geschichte im Rücken und dem Blick klar nach vorne.

Hier finden Sie alle Veranstaltungen auf einen Blick

https://salzburgring.com/calendar