Sommerpause in der EU?
Ein dramatischer Weckruf für das europäische Wirtschaftsmodell Auto.
Text: Stephan Kaindl-Hönig, Fotos: Adobe Stock/KI

Was wir mittlerweile alle wissen: Das Hauptproblem ist, dass die Politik viel zu rigoros nur auf E Mobilität statt auf ein Mehrsäulenmodell gesetzt hat und deshalb viel zu viele Forschungsgelder nur in eine Richtung geflossen sind. Leider versteht scheinbar niemand, was anderenorts unter Tempo verstanden wird.
Deshalb können Leuchtturmprojekte wie etwa die in Chile befindliche E Fuels Pilotanlage Haru Oni, an der übrigens Porsche beteiligt ist (fortunebusinessinsights.com), bei weitem nicht so rasant entwickelt werden, dass sie derzeit mithalten können. Logistische Hürden und Verzögerungen bei Filteranlagen usw. haben das Ziel von 550 Mio. Litern für 2026 leider noch nicht ermöglicht.
Generell ist mit einer echten E Fuel Massenproduktion frühestens im Zeitraum von 2030 bis 2035 zu rechnen. Man glaubt es kaum, doch vor allem die EU forciert dies, indem sie ab dann verbindliche E Fuels Beimischungsquoten für den Luftverkehr und die Seeschifffahrt vorschreibt. Derzeit geht man noch davon aus, dass im Jahr 2030 die Herstellung pro Liter E Fuel bei etwa 2,80 Euro liegt.
Der Energiebedarf zur Herstellung ist immens, wenn man von den aktuellen Energieträgern Windkraft, Photovoltaik usw. ausgeht. Diese Probleme entstehen, wenn man sich einseitig ausrichtet und nicht langfristig und übergreifend denkt.
Hätte man beispielsweise in die Weiterentwicklung von Atom Flüssigsalzreaktoren der sogenannten Generation IV investiert, hätte man künftig Atomkraftwerke, die wirklich sicher sind. Die optische „Verschandelung“ durch einige andere erneuerbare Energieträger wäre ebenfalls Geschichte. Diese Kraftwerke könnten nicht nur 95 % des Urans nutzen (bisherige Atomkraftwerke nur 3–5 % – der Rest ist Abfall), sondern auch langfristig den alten Atommüll weiterverbrennen. Dies würde ermöglichen, dass dieser gefährliche Abfall statt 100.000 Jahre zum Abbau der Strahlung nur mehr 300 Jahre abgelagert werden müsste.
Unabhängig davon beträgt die durchschnittliche Lebensdauer von Windrädern und PV Anlagen 20 bis 25 Jahre, die von Atomkraftwerken der besagten Generation hingegen 60 bis 80 Jahre. Derzeit ist die bisherige grüne Energiegewinnung nach wie vor günstiger – allerdings nicht mehr, wenn die Massenproduktion von kleinen, standardisierten Reaktoren im Fließbandprinzip Realität wird, denn dann brechen die Baukosten für die Atomkraft massiv ein. Viele Experten und Länder wie Schweden, Frankreich und China sehen deshalb die Atomkraft als ökologisches Muss.

Die Diskrepanz zwischen der „reinen Physik auf dem Papier“ und der „wirtschaftlichen Realität an der Zapfsäule/Ladesäule“
Ehrlich gesagt würden derzeit solche Kraftwerke ein Verbrennerfahrzeug im Verbrauch nicht günstiger machen als ein E Fuel Fahrzeug – allerdings nur, wenn man das Laden zu Hause rechnet und nicht unterwegs an den wesentlich teureren öffentlichen Schnellladesäulen, denn dort kostet bereits jetzt die Kilowattstunde 50–80 Cent. Damit liegen die Kosten für ein Auto mit 20 kWh Verbrauch bei 10 bis 16 Euro auf 100 Kilometer – im Vergleich zu einem Hybrid Verbrenner mit rund 10 Euro.
Würde der E Fuel Preis im Atom Szenario auf heutiges Niveau sinken?
Ja, absolut. Heute liegen wir aufgrund des Entwicklungsrückstands bei rund 4,50 Euro in der Herstellung. Unter Einbeziehung der vorgenannten Punkte wäre jedoch etwa 2040 ein Literpreis von 1,50–2,00 Euro an der Tankstelle denkbar.
E Fuels sind als echte zusätzliche Säule im Mehrsäulenmodell also absolut konkurrenzfähig – es sei denn, der Regierung fiele wieder ein, die derzeitigen Einnahmen aus der steigenden CO₂ Steuer beizubehalten. Spannend wird auch, was dann in Österreich mit der NoVA geschieht – oder dürfen wir uns dann endlich wieder über eine Preisparität mit Deutschland freuen? Dies würde den Markt sicher erheblich beleben.
So könnten die Säulen aussehen:
Säule 1 (batterieelektrisch):
Für Hausbesitzer, Pendler und Flotten, die günstig zu Hause oder in der Firma laden können.
Säule 2 (Wasserstoff):
Für den Schwerverkehr und extreme Langstrecken.
Säule 3 (E Fuels):
Für Sportwagen/Supersportwagen, Oldtimer und die Bestandsflotte, bei denen das emotionale Fahrerlebnis (Sound, Getriebe, Motorcharakteristik, Gewicht usw.) im Vordergrund steht.
Dieses Mehrsäulenmodell würde die heimische Autoindustrie nachhaltig entlasten, nachdem zuvor politisch nicht zu Ende gedacht und fast diktatorisch alles auf eine Karte gesetzt wurde – mit derselben Überheblichkeit, mit der zuvor von der Industrie Tesla und China unterschätzt wurden. Die europäische Gesellschaft ist divers und will sich nicht alles vorschreiben lassen – und das ist auch gut so. Es ist klar, dass die Umwelt geschützt werden muss; dies ist keine Frage einer Mehrheitsentscheidung, sondern im Sinne unserer Kinder und Kindeskinder zu sehen. Wir sehen Fahrzeuge häufig als Statussymbol – wie eine hochwertige Uhr oder Schmuck – und die Besitzer sind stolz und wollen zeigen, was sie sich erarbeitet haben. Daran ist überhaupt nichts verwerflich.
Wir haben China die Türen weit aufgestoßen und uns technologisch mit E Mobilität auf einen direkten Wettbewerb eingelassen, der nur zu verlieren war. Es wurde und wird noch immer nicht verstanden, was der chinesische Staat unter nachhaltiger Förderung von Schlüsseltechnologien versteht – inklusive Einbeziehung von KI, Ressourcen zur Produktion von Batterien, Subventionierung usw.
Unseren Herstellern wurden Vorgaben gemacht, dass sie am chinesischen Markt nur mit zumindest 50:50 Joint Ventures arbeiten dürfen; die Europäer hingegen haben hierzu keinerlei Vorgaben gemacht und Neuankömmlinge wie auch Tesla großzügig unterstützt. Nun ist der chinesische Markt gesättigt, und die Überproduktionen werden uns in Bälde mit neuen 5.000 bis 6.000 Einheiten Schiffen überrollen. Was dann, denn sie werden ganz sicher kommen?
Der heimischen Autoindustrie wurde jegliche Planungssicherheit genommen. Durch die extremen drohenden Strafzahlungen wurde die völlige politische Fehlkompetenz in Sachen Wirtschaft und Diskurs sichtbar. Um Sanktionen zu vermeiden, wurden vielfach nur die Industrievertretungen vorgeschickt. Es wird bald wirklich zappenduster, wenn die geistige Sommerpause in der EU nicht endlich ein Ende hat.
Was nun dringend kommen muss: Drosselung der Geschwindigkeit, was die Zielvorgaben betrifft, weitere Energieträger, gestützte europäische Software Allianzen und KI Einsatz als zusätzliche Säule in der Entwicklung, unabhängiger Fachbeirat in Zusammenarbeit mit der Autoindustrie. Bitte nur nicht vergessen: Der Verbrenner wird dennoch nicht mehr gekauft werden, wenn ihm akustisch die Schlinge um den Hals immer weiter zugeschnürt wird.
Wir sind dennoch frohen Mutes und wünschen Ihnen in diesem Sinne eine schöne Urlaubszeit.




