Salzburg als Filmstadt mit Zukunft
Salzburg ist viel mehr als Mozart- und Festspielstadt, viel mehr als wunderschönes Natur-, Sport- und Urlaubsland. Salzburg hat sich außerdem als bedeutender Standort für die Film- und Medienwirtschaft etabliert. Und zwar international!
Text: Doris Thallinger
Fotos: Monafilm/Victoria Herbig, Walter Wehner, Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer, ServusTV/Marco Riebler, Tobis/Luis Zeno Kuhn,
Moonlake Entertainment/Max Christ
Sage und schreibe mehr als 1.600 Filme wurden seit 1920 in Salzburg produziert – der mit Sicherheit bekannteste und erfolgreichste darunter: The Sound of Music. Ein Film, der dieses Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, und heute noch Jahr für Jahr rund 300.000 Besucher nach Salzburg lockt und damit den Umsatz in Stadt und Land Salzburg ordentlich ankurbelt.
Salzburgs Filmgeschichte: Von Hollywood bis heute
„Salzburg ist eine prosperierende Filmstadt, die weltberühmte Produktionen wie Where Eagles Dare – Agenten sterben einsam oder The Sound of Music hervorgebracht hat“, bestätigt Hannes M. Schalle, österreichischer Fernsehproduzent und Vorsitzender der Fachvertretung der Film- und Musikwirtschaft Salzburg: „Doch schon davor war Salzburg bereits Schauplatz einiger Filmproduktionen, auch wenn es unrühmlich ist: Tatsächlich wurden bereits während des NS-Regimes zahlreiche Heimatfilme gedreht, im heutigen Festspielhaus waren sogar Filmstudios untergebracht.“
In jüngerer Vergangenheit haben internationale Produktionen wie Knight and Day (2009) mit Tom Cruise und Cameron Diaz sowie die zweite Staffel der Miniserie Nine Perfect Strangers mit Nicole Kidman das Potenzial Salzburgs als Drehort erneut unter Beweis gestellt. „Knight and Day war eine der bekanntesten Produktionen, die je in Salzburg stattgefunden haben“, erklärt Edith Urban von der Filmlocation Salzburg. „Dank der Unterstützung von Stadt und Land konnten außergewöhnliche Dreharbeiten ermöglicht werden, die Salzburg über Jahre hinweg enorme Wertschöpfung beschert haben.“
Neben internationalen Blockbustern sind es jedoch auch deutschsprachige TV-Produktionen und Serien, die sich in Salzburg etabliert haben. Das Spektrum reicht von authentischen, nationalen Projekten bis hin zu großen, internationalen Produktionen.
Mittelpunkt der österreichischen Filmwirtschaft
In den letzten Jahren hat sich Salzburg zu einem bedeutenden Akteur in der österreichischen Film- und Fernsehproduktion entwickelt und prägt die österreichische Gesamtentwicklung im Bereich der Produktion von Kino- und Fernsehfilm, wozu auch Investitionen in den Standort durch progressive Unternehmen wie Red Bull Media House maßgeblich beigetragen haben.
Salzburgs Einfluss auf die Filmwirtschaft zeigt sich heute in beeindruckenden Zahlen, wie der Filmwirtschaftsbericht Österreich 2024 belegt: Obwohl nur 6 % der österreichischen Produktionsfirmen hier ansässig sind, werden 16 % der Beschäftigten und 26 % der unselbstständig Erwerbstätigen in der Branche in Salzburg gezählt.

Walter Haas, GF Innovation Salzburg und Edith Urban, die das Service „Filmlocation Salzburg“ der Innovation Salzburg leitet.
Bemerkenswert ist, dass Salzburg 34 % der nationalen Produktionswerte erzielt, 52 % der Erlöse und Erträge generiert und für 60 % der Waren- und Dienstleistungskäufe in der österreichischen Filmbranche verantwortlich ist. Ganze 67 % der Bruttoinvestitionen in der Branche stammen aus Salzburg. „Unser kleines Bundesland ist der bedeutendste Film- und Produktionsstandort in Österreich – selbst vor Wien“, zeigt sich Walter Haas, Geschäftsführer von Innovation Salzburg, sehr zufrieden.
Wertschöpfungs-Turbo
„Die Filmwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Salzburg“, betont Edith Urban, „denn sie umfasst weit mehr als nur die eigentliche Filmproduktion. Neben Produktionsfirmen und Filmteams sind zahlreiche weitere Branchen beteiligt: Postproduktionsunternehmen, Personalagenturen, Statisten, Catering-Services, Transportmittel, Ausstattung, Gastronomie und Hotellerie, um nur einige zu nennen. Diese Unternehmen sind essenziell für die Entstehung eines Films und profitieren von einem starken Film- und Medienstandort Salzburg.“
Der Salzburg Effekt
Ein entscheidender Standortvorteil ist zudem die internationale Sichtbarkeit: Drehorte werden weltweit bekannt und steigern das touristische Interesse an Salzburg erheblich. „Die Filme, die hier entstehen, transportieren die Atmosphäre und Schönheit von Stadt und Land Salzburg in die ganze Welt – das macht Salzburg zum Sehnsuchtsort und generiert einen enormen touristischen Mehrwert“, erklärt Hannes M. Schalle: „Die Filmindustrie ist so gesehen ein schlafender Riese und unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklung zu forcieren. Einer der ersten, der diesen Wirtschaftsfaktor erkannt und der Filmindustrie Förderungen zugestanden hat, war Wilfried Haslauer Senior.“
Investition in den Standort: Anreiz Filmförderung
Die Filmförderung spielt eine entscheidende Rolle und ist eine strategische Notwendigkeit, um Filmproduktionen nach Salzburg zu holen und damit die regionale Wertschöpfung zu sichern.
„Spanien hat es vorgemacht: Durch Förderungen von bis zu 50 % ist das Land mittlerweile der größte Filmproduktionsstandort Europas geworden“, erklärt Schalle, „in Österreich trägt die Filmwirtschaft rund eine Milliarde Euro jährlich zur Wirtschaftsleistung bei. Doch ohne gezielte Fördermaßnahmen wäre dieser Effekt nicht erreichbar.“
2002 wurde die Förderung für kommerzielle Filmproduktionen des Landes Salzburg ins Leben gerufen. „Seither wurden 191 Projekte mit insgesamt über 13 Millionen Euro gefördert. Der wirtschaftliche Effekt ist beachtlich, die dadurch realisierten Projekte brachten eine Wertschöpfung von mehr als 50 Millionen Euro, also mehr als das Vierfache!“, zieht Walter Haas Bilanz. Zudem erreichten diese Filme weltweit ein Publikum von knapp 640 Millionen Zuschauern, ein Mehrwert, der sich kaum beziffern lässt.
Das österreichische Filmstandortgesetz FISA+ hat seit 2023 neue Impulse gesetzt: 162 Projekte wurden bisher mit insgesamt 144 Millionen Euro gefördert, was einen wirtschaftlichen Effekt von rund 465 Millionen Euro in Österreich auslöste. Jeder Euro an Förderung durch FISA+ bringt rund drei Euro an direkten Produktionsausgaben in Österreich. 1,20 bis 1,50 Euro an zusätzlichen Einnahmen fließen in die öffentlichen Haushalte zurück. Derzeit wartet die Branche gespannt auf das Inkrafttreten der FISA+-Förderungen für 2025–2027, die durch die verzögerte Regierungsbildung noch auf Eis liegen. „Es besteht die konkrete Gefahr, dass internationale Investoren abwandern und stattdessen Standorte in Tschechien, Ungarn oder anderen Ländern mit konkurrenzfähigen Anreizmodellen bevorzugen. Ein solcher Rückschlag würde nicht nur der Branche massiv schaden, sondern auch den österreichischen Medienstandort nachhaltig schwächen“, warnt Schalle.
Salzburgs Zukunft als Filmstadt
Die Stadt und das Umland bieten eine beeindruckende Vielfalt an Locations: von der historischen Altstadt wie auch modernen Szenerien über malerische Seenlandschaften im Salzkammergut, Burgen und Schlösser bis hin zu imposanten Hochgebirgen. „Außer dem Zugang zum Meer kann Salzburg alles vorweisen“, fasst Edith Urban zusammen: „Ein weiterer unschätzbarer Vorteil für Filmproduktionen liegt darin, dass bei uns alles in greifbarer Nähe liegt, die Wege sind kurz, darüber hinaus ist Salzburg – als Stadt und als Bundesland – sehr offen für Dreharbeiten. Drehgenehmigungen werden effizient bearbeitet, und die enge Zusammenarbeit mit Bezirksbehörden, Gemeinden und Tourismusverbänden erleichtert organisatorische Abläufe – sei es für Straßensperren oder logistische Unterstützung.“ Darüber hinaus punktet Salzburg durchaus mit kreativem Potenzial: „Wenn wir von Filmwirtschaft sprechen, sprechen wir von den Menschen dahinter. In Salzburg gab und gibt es einige Pioniere, die viel aufgebaut haben und, dank der FH Salzburg, hervorragend ausgebildete Menschen. Mit den Studiengängen MultiMediaArt und MultiMediaTechnology bietet die FH Salzburg aus unserer Sicht eine der besten Ausbildungen im deutschsprachigen Raum“, so Walter Haas. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, junge Talente auch in Salzburg zu halten. Weitere Herausforderungen liegen in der hohen Fluktuation von (handwerklichen) Fachkräften sowie der teilweise fehlenden Infrastruktur für große Filmproduktionen: Licht-, Verleih- oder Kostümfirmen müssen aus Wien oder München kommen, zudem verfügt Salzburg bislang über keine eigenen Filmstudios.
Dass Salzburg enormes Potenzial beherbergt, ist unumstritten. Nun gilt es, die Branche weiterzuentwickeln, neue Wege zu gehen, mutig und dynamisch den Schritt in die Zukunft zu machen. Für Hannes M. Schalle ein absolutes Muss: „Wir müssen verstehen, was Gegenwart und vor allem Zukunft bedeutet, anstatt die Vergangenheit zu streicheln. Es geht darum, Zukunftsvisionen durchzusetzen und Innovationen voranzutreiben und – neben der Bühnenstadt Salzburg – auch die Filmstadt Salzburg sichtbarer machen – und das gelingt uns mit den derzeitigen Produktionen wie „Die Toten von Salzburg“ oder „Alpentod“ bestens, die ein Millionenpublikum erreichen.“
Auch für Walter Haas steht das moderne Salzburg (noch) zu wenig im Rampenlicht: „Salzburg ist ein dynamischer, pulsierender Standort, aber oft überlagern Kunst, Kultur und Tourismus die Wahrnehmung unserer modernen, kreativen Wirtschaft.“


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