Mobilität schlau finanzieren
Autofahren ist mehr als Fortbewegung – es ist Lifestyle, Statussymbol und manchmal schlicht notwendig. Doch wie finanziert man sein Auto am besten? Zwischen Kredit, Leasing und Auto-Abo gibt es viele Wege, die zum Traumauto führen.
Text: Dominic Schafflinger
Fotos: Adobe Stock, Thomas Meyer, vibe moves you, Mazda Kriechbaum
Die Schwierigkeit der Finanzierungsentscheidung liegt vor allem darin, sie so in den Entscheidungsprozess einzubinden, dass am Ende das gewünschte Ergebnis herauskommt und man sowohl mit dem neuen fahrbaren Untersatz zufrieden ist als auch mit der finanziellen Belastung umgehen kann. Dabei ist schon der Zugang hochindividuell: Wer genügend Bargeld auf dem Konto hat, kann damit beginnen, sich den perfekten PKW auszusuchen und dann in Ruhe Finanzierungsmöglichkeiten zu vergleichen. „Ist das Budget beschränkt, sollte man überlegen, ob eine Anzahlung möglich ist und wieviel man monatlich fürs Autofahren ausgeben will. Damit geht man dann erst mal zur Hausbank und lässt sich beraten, wie hoch die monatliche Gesamtbelastung von Finanzierung, Versicherung und laufenden Kosten sein kann“, weiß Hannes Bruncic, der für die Raiffeisen Leasing den gesamten Markt stets im Auge hat. „Wer einen Gebrauchten finanziert, für den kann eine Teilkasko ausreichend sein. Wichtig ist, den Zustand und die Schadenshistorie des Fahrzeugs zu berücksichtigen. Aber wer einen Neu-, Vorführ- oder Jahreswagen möchte, der sollte zur Vollkasko greifen, um bei einem Unfall nicht auf hohen Kosten sitzenzubleiben.“
Eine ganz neue Mobilitätslösung bietet das Autoabo, vor allem für all jene, die komplett durchkalkulierbare Kosten oder einfach nur flexiblen Zugang zur E-Mobilität möchten. „Bei uns abonniert man sich nicht nur ein E-Auto, sondern ein Rundum-Sorglos-Paket zu einem monatlichen Fixpreis“, erklärt Peter Löbl-Brand, der kaufmännische Geschäftsführer von vibe moves you, den österreichischen Elektro-Abo-Profis.
Die Entscheidungsfindung beginnt im Autohaus. Neben der Probefahrt gibt es auch gleich eine finanzielle Bedarfserhebung, so Christian Kriechbaum vom gleichnamigen Mazda Händler in der Moosstraße: „Da die Angebote der Importeursbanken durch die Autoimporteure gestützt sind, fährt man oft besser mit einem Leasing bei der Autobank als bei der Hausbank und für Barzahler gibt es immer wieder schöne Rabatte.“
Leasing: Die smarte Miete auf Zeit
„Die Idee hinter Leasing war ursprünglich, den Autohandel durch häufigere Modellwechsel anzukurbeln. Heute ist Leasing fest in den Köpfen drin, das ist wie die Wohnungsmiete“, so Hannes Bruncic von Raiffeisen-Leasing. Für Privatkunden sei es in vielen Fällen günstiger als ein Kredit, vor allem durch den kalkulierten Restwert: „Wir sind tendenziell immer bei Leasing, auch beim Privatkunden, weil da die Rate aufgrund des Restwertes günstiger ist. Auch wer genug Bargeld für einen Autokauf hat, sollte unbedingt ein Leasing mit hoher Anzahlung durchrechnen. Die gegenüber dem Barkauf gesparte Summe kann für die Leasinglaufzeit in Fonds oder ETFs veranlagt werden und wirft da wieder Zinsen ab. Da kann schon mal ein kleiner Urlaub am Ende der Laufzeit rauskommen“, verrät Bruncic und gibt noch einen weiteren Tipp: „Ich empfehle den Kunden, jedes Angebot beim Bankberater überprüfen zu lassen. Gerade bei höherpreisigen Autos ab 40.000 Euro ist die Hausbank oft günstiger als der Autohändler – selbst wenn dieser Boni verspricht.“ Besonders bei E-Autos sei ein kritischer Blick auf den Restwert Pflicht, denn momentan ist nur schwer abzusehen, wie sich der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos entwickelt, deshalb empfiehlt der Raiffeisen Experte, unbedingt eine Restwert- oder Rücknahmegarantie zu vereinbaren.

Der Vergleich zeigt: Über die volle Laufzeit wird Leasing in diesem Beispiel rund 3.953 € teurer als der Barkauf. Wer Zeit hat, auf die richtigen Rabatte zu warten und mehrere Modelle in der engeren Auswahl hat, kann sich einen kleinen Urlaub rausholen, wenn er schlau vergleicht.
Am Ende des Leasings wartet dann die Restwertzahlung. Hier hat man immer die Möglichkeit, das Leasing einfach weiterlaufen zu lassen, den Restwert in bar zu bezahlen oder ihn mit einem Kredit der Hausbank zu finanzieren. Der attraktivste Aspekt des Leasings ist sicher, dass man das Auto einfach beim Händler zurückgibt, um sich einen neuen Traumwagen zu gönnen. Aber Achtung, nur wer das Auto pfleglich behandelt hat und nicht mehr als die vereinbarten Kilometer gefahren ist, wird ohne zusätzliche Kosten wechseln können.
Nutzungsdauer
Ein nicht zu unterschätzender Punkt beim Fahrzeugkauf ist die Nutzungsdauer, erklärt Christian Kriechbaum: „Sein Auto mehr als sieben Jahre zu behalten, ist heute unüblich und bei so langen Finanzierungszeiträumen ist aufgrund des Zinseszinses ein Barkauf oft die günstigste Variante.“ Wer in der Stadt grundsätzlich nur Rad und Öffis nutzt und nur fünf- bis sechsmal im Jahr ein Auto braucht, um ins verlängerte Wochenende oder auf Urlaub zu fahren, der ist mit einem klassischen Mietwagen an der richtigen Adresse. Für Zeiträume von drei bis fünf Jahren ist Leasing eine gute Möglichkeit, um dann verlässlich wieder auf einen Neuwagen umzusteigen und wer es kurzfristiger möchte, der sollte ein Abo-Modell in Betracht ziehen.
Abonnier doch mal ein Auto
Ab einer Nutzungsdauer von sechs Monaten ist das Auto-Abo die beste Wahl für alle, die volle Flexibilität und Planbarkeit wollen. „Schon nach sechs Monaten kannst du dein Auto jederzeit unkompliziert zurückgeben oder gegen ein anderes Modell tauschen – so bleibst du immer mobil und frei“, erklärt vibe-Geschäftsführer Peter Löbl-Brand. Versicherung, Service, Reifen und Mobilitätsgarantie sind transparent inkludiert – alles aus einer Hand, ohne zusätzliche Kosten. Wer sich für ein Gebrauchtwagen-Abo entscheidet, profitiert zusätzlich von spürbaren Preisvorteilen. Bereits 15 bis 20 Prozent der vibe Kunden nutzen dieses Angebot. „Ein Abo bei vibe ist flexibler als Kauf oder Leasing. Dank unserer Flotte von über 3.500 Fahrzeugen können wir Vorteile weitergeben, die Privatkunden allein nie hätten“, betont Löbl-Brand. vibe bietet im Gegensatz zu anderen Anbietern nur Elektroautos an, diese sind wegen steuerlicher Vorteile und geringerer Betriebskosten preislich am attraktivsten.
Unternehmen: Fix kalkulierbar statt Risiko
Gerade für EPUs und kleine KMUs sind Kalkulierbarkeit und steuerliche Vorteile des Leasings und der Abo-Modelle entscheidend. „Mit beiden habe ich eine fixe Kalkulation, von der ich weiß, ob ich mir das monatlich leisten kann“, so Bruncic. Noch flexibler wird es mit dem Abo: „Unsere größte Kundengruppe sind die KMUs und Einzelunternehmer“, sagt Löbl-Brand. „Gerade Handwerker oder Start-ups profitieren von der Flexibilität – heute ein günstiger Kompakt-SUV, morgen ein repräsentativer Firmenwagen.“ Für Selbstständige und Unternehmer ist das Abo auch aufgrund der sogenannten Gehaltsumwandlung spannend: Anstelle einer klassischen Gehaltserhöhung können Mitarbeiter ein Elektroauto erhalten, das steuerlich begünstigt ist. Auch sind Elektrofahrzeuge aufgrund des Wegfalls des Sachbezuges attraktiv, sie können komplett in der Firmenbuchhaltung abgeschrieben werden. Hier kann es sogar für Kleinstunternehmer, die nur nebenbei selbstständig sind, attraktiv sein, einen Stromer auf die Selbstständigkeit anzumelden. Bei Privatpersonen ist der Bankberater der erste Ansprechpartner für Fahrzeugfinanzierung, bei Unternehmern übernimmt diese Rolle der Steuerberater.
Kauf oder Kredit: Für die Besitzer-Typen
Wer sein Auto privat langfristig behalten möchte, fährt mit dem klassischen Kauf gut. Für Gebrauchte kommt Leasing sowieso nur beschränkt in Frage und Christian Kriechbaum warnt vor privaten Leasingübernahmen: „Wer ein Leasing übernimmt, zahlt die Rate auf den Neupreis weiter und in den ersten Jahren ist der Wertverlust am größten. Besser man greift zu Jahreswagen oder Tageszulassungen von Händlern, allerdings ist ein Neuwagen aufgrund großzügiger Rabatte oft günstiger.“ Weshalb sich immer der Blick auf die Importeursbanken lohnt. „Manchmal werden die ersten drei Raten verschenkt, es gibt ein paar 1000 Euro Leasing-Boni oder besonders niedrige Zinsen. Aber Vorsicht: 0%-Leasing bedeutet oft, dass man auf Rabatte beim Kauf verzichtet – da ist der Barkauf oft besser“, so Kriechbaum: „Außerdem kann man bei Barzahlung oft noch einen individuellen zusätzlichen Rabatt vom Händler vereinbaren, wenn man gut verhandelt.“



