Leben

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Kolumne: Andrea Hammerer

Text: Psychotherapeutin & Coach Andrea Hammerer

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Stimmungsschwankungen – Achterbahn der Gefühle

Die liebe Salzburgerin kennt das womöglich nicht nur vor ihrem weiblichen Zyklus, sondern gar von ihrem Mann, ihrem Kind? Natürlich kann auch ein Mann eine – wie wir Psychologen sagen – bipolare Störung haben. Bipolar, weil es zwei Pole gibt und unterschiedlich hohe oder schnelle Amplituden. Wir alle haben Schwankungen in der Befindlichkeit (vor allem in der Pubertät), krankheitswertig wird es, wenn wir diese nicht mehr unter Kontrolle haben, sie uns an der Teilnahme am normalen Leben hindern bzw. die Partnerschaft oder freundschaftliche Kontakte massiv einschränken. Der Betroffene schwankt von himmelhoch selbstüberzeugt, aktiv, gesprächig, sexy, gesellig, konsumfreudigst (manisch) bis zu abgrundtief traurig, verzweifelt, mit großem Schlafbedürfnis bis hin zu todessehnsüchtigen Plänen (depressiv). In solchen Phasen hat der Betroffene tatsächlich kein Selbstwertgefühl, steigert sich in Schuldgefühle, ist vollkommen unentschlossen, was seine Zukunft, seinen Beruf betrifft, traut sich nichts mehr zu, zweifelt an allem, vor allem an sich selbst, ist unruhig trotz gehemmtem Antrieb, schläft kaum durch oder den ganzen Tag lang, hat keinen oder dauernd Appetit, um sich zu beruhigen.
Anstatt ihn mit Vorwürfen für sein ‚Benehmen‘ zu überschütten, sollten Sie ihm dringend Hilfe anbieten, da er selber nichts mehr regeln kann. Es hat nichts mit nicht wollen zu tun. Eine Psychotherapie kann Wunder wirken, es könnte aber auch notwendig sein, medikamentös eine Phasenprophylaxe anzudenken. Der erste Schritt ist wie immer der wichtigste: sich selbst zu erkennen. Die Diagnose ist dann die Fahrkarte in Richtung lebenswerte Zukunft, mit beiden Händen am Lenkrad und bremsbereit, damit wir die Schwankungen gemeinsam erkennen und abfedern können. Der Betroffene lernt eine Früherkennung, wenn die Achterbahn losgeht und kann sich selber verstehen lernen und rechtzeitig re-agieren, anstatt das Zepter aus der Hand zu geben.

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