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In Trance

Willenlos und ganz weit weg? Von wegen – in kaum einem Zustand ist der menschliche Geist fokussierter als in hypnotischer Trance. Oftmals belächelt, gerne gefürchtet, ist die Hypnose adäquates Mittel, um mit dem Unterbewussten in Kontakt zu treten.
Ein Artikel von Doris Thallinger

Am Rücken liegen, die bequeme Form der Unterlage spüren, die Augen schließen, tief durchatmen. Noch schießen die unterschiedlichsten Gedanken durch den Kopf: Funktioniert die Hypnose bei mir? Wie wird es sich anfühlen? Was, wenn ich das nicht kann, zu „verkopft“ bin? Alle anderen Zweifel sind bereits ausgeräumt, alle Fragen ausführlich beantwortet. Denn was einer Hypnose, sowohl in medizinischer oder therapeutischer Form als auch zur Veränderung alter Gewohnheiten und Glaubenssätze, immer vorangeht, ist ein ausführliches Gespräch.

Foto: KatarzynaBialasiewicz - istockphoto.com

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„Die meisten Leute haben eine ganz falsche Vorstellung von Hypnose. Show-Hypnosen erwecken den Eindruck, man sei dem Hypnotiseur willenlos ausgeliefert, vollkommen weggetreten und könne sich hinterher an nichts erinnern. Das ist natürlich Unsinn“, erklärt Hans Mayrhofer, der seit sieben Jahren als Hypnotiseur in Oberhofen am Irrsee selbstständig tätig ist. Ihn suchen Menschen auf, die etwas an ihrem Leben verbessern möchten, der größte Teil seiner Kunden hat den Wunsch, sich unterstützend durch Hypnose das Rauchen abzugewöhnen oder an ihrer Ernährung, an ihren Lebensgewohnheiten zu arbeiten, um abzunehmen. „Die Hypnose hilft, Ziele zu erreichen, die man anders nicht erreicht“, so Mayrhofer.

Bewusstseinszustand Trance

Fot: Feodora - stock.adobe.com

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Der Bewusstseinszustand, in dem man sich in Hypnose befindet, nennt sich Trance. Nur ein Teil des Bewusstseins ist ausgeblendet und rückt in den Hintergrund, ein anderer Teil ist dafür besonders wach und fokussiert. In diesem in höchstem Maße konzentrierten Bewusstseinszustand ist der Mensch fähig, sich besonders intensiv auf eine spezielle Thematik zu konzentrieren. Die im wachen Zustand weit gefächerte Aufmerksamkeit wird gebündelt. Dies kann man sich vorstellen wie einen dunklen Raum, in dem eine Ecke im Lichtkegel einer Taschenlampe ganz besonders intensiv wahrgenommen wird.
In Trance kann der Mensch bestimmte Situationen mit allen Sinnen wahrnehmen, also nicht nur daran denken, sondern sie auch fühlen und spüren. Der direkte Zugang zur Emotionalität und der inneren Gedankenwelt wird hergestellt.
Wesentlich ist, dass jeder, der sich hypnotisieren lässt, auch dahinter steht, es auch zulassen kann und will. Allerdings gibt er dabei nicht die Verantwortung oder Kontrolle ab. Im Gegenteil, er ist gefragt, intensiv mitzuarbeiten.
Neben Raucherentwöhnung und Gewichtsreduktion arbeitet Hans Mayrhofer mit seinen Kunden beispielsweise daran, deren Selbstvertrauen zu stärken, Schüchternheit abzulegen oder Motivationsarbeit zu leisten.
„Sobald es jedoch um Themen im medizinischen oder therapeutischen Bereich geht, wie Phobien, Angstzustände etc., verweise ich meine Kunden an einen Arzt oder Therapeuten“, setzt Hans Mayrhofer klar die Grenze seiner Hypnose.

Hypnose im klinischen Bereich

Foto: LightFieldStudios - istockphoto.com

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„Der professionelle Einsatz von Hypnose betrifft den klinischen Bereich, sowohl in der Medizin als auch in der Psychologie und Psychotherapie“, erklärt Matthias Mende, Psychotherapeut und Lehrtherapeut für Hypnosepsychotherapie. Seit mehr als 25 Jahren führt er gemeinsam mit seiner Frau das Psychotherapie-Zentrum für Hypnose, Verhaltenstherapie, Akut- und Notfallpsychologie in Salzburg-Taxham. Und auch wenn er für den psychotherapeutischen Bereich zuständig ist, kennt er ebenso die nachweisliche körperliche Wirkung einer Hypnose: „Man weiß seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, dass allein durch den Zustand einer hypnotischen Trance Abwehrkräfte gestärkt werden. Durch entsprechende Imagination, die Stärkung der Vorstellungskraft auf diesem Gebiet, kann man das Immunsystem anregen, um z.B. einfache grippale Infekte abzufangen. Es gibt eine großangelegte Studie, die besagt, dass Menschen, die sich selbsthypnotisch dem Immunsystem zuwenden und Imaginationen erschaffen, in denen das Immunsystem Eindringlinge verjagt, signifikant seltener an grippalen Infekten erkranken.“
Neben dem Einsatz bei Erkrankungen, die das Immunsystem und die Nerven betreffen, kann Hypnose im medizinischen Bereich zur Schmerzreduktion eingesetzt werden, zur Stillung von Blutungen, im prä-, intra- und postoperativen Bereich zur Wundheilung oder etwa im zahnärztlichen Bereich. Auch bei Chemotherapie-Patienten hat sich Hypnose als gute Methode erwiesen, um Nebenwirkungen zu lindern.

Anerkanntes Psychotherapieverfahren
„Grundsätzlich eignet sich die Hypnosepsychotherapie für alle Störungen, die in der Psychotherapie behandelbar sind, insbesondere zur Auflösung von Angsterkrankungen wie Panikstörungen und Phobien sowie zur Behandlung von psychosomatischen und somatoformen Störungen wie dem Reizdarmsyndrom oder hypochondrischen Störungen, die durch seelische Konflikte oder Traumata bedingt sind“, erläutert Mende das breite Spektrum an Indikationen, bei denen Hypnosepsychotherapie helfen kann. „Auch alle Arten von posttraumatischen Belastungsstörungen lassen sich in den meisten Fällen mit dieser Therapiemethode auflösen.“

hypnose-spruchTraumata erzeugen chronischen Stress, dadurch ist der Organismus nicht fähig zu lernen. In Trance ist es möglich, das Aktivierungsniveau und damit das Stress-level zu regulieren und ausreichend niedrig zu halten, um bei der Konfrontation mit belastendem Material die Lernfähigkeit zu behalten, die es erlaubt, ein Ereignis neu zu verarbeiten.
„Ich bin dabei in ständigem Dialog mit dem Patienten. Dieser kann sich danach selbstverständlich auch an alles erinnern. Es wäre doch widersinnig, wenn man in Trance eine wichtige Erfahrung macht und sich danach nicht mehr daran erinnert. In Trance ist man weder im Schlafzustand noch willenlos. Zu mir kommen Menschen nicht, um Kontrolle zu verlieren, sondern um Kontrolle zu gewinnen – eben durch das Mitwirken des Unbewussten“, räumt Mende mit Vorurteilen auf.

Die Sicht des inneren Kindes
hypnose-kreisDie Salzburger Psychotherapeutin Andrea Hammerer sieht in der Hypnosetherapie eine von mehreren Einzelmethoden, die in der Verhaltenstherapie ihre Berechtigung haben. Insbesondere in der Paartherapie setzt sie in bestimmten Situationen Trancetechniken ein, um Situationen oder Konflikte aus der Perspektive des „Kindheits-Ichs“ zu betrachten.
„In Liebesbeziehungen kommunizieren wir auf der Kind-Ebene, das ist die Ebene des Verliebtseins, der Sexualität, aber auch der Kämpfe, die wir in Beziehungen austragen“, erklärt sie. „Wenn ich einen Patienten, der sich im Trancezustand befindet, frage, was er an seinem Partner geliebt hat, als er ihn kennengelernt hat, wird er es nicht nur beschreiben können, sondern tatsächlich fühlen. Ähnlich ist es bei Konflikten, die unter Umständen bereits in der Kindheit wurzeln: In der Imagination können wir Bilder unseres autobiographischen Gedächtnisses abrufen, ohne Zensur“, so Hammerer.
„Die Imagination ist eine gute Technik, um sich Situationen genauer anzuschauen – aber sie ist auch eine sehr sensibel einzusetzende Methode, bei der man sehr vorsichtig agieren muss. Den Konflikt an sich behandelt man erst in weiteren Therapiesitzungen. Sich in Hypnose versetzen zu lassen, löst für sich noch keine Probleme!“

Expertentipps:

Foto: Matthias Mende

Foto: Matthias Mende

Hypnosepsychotherapie ist eine Art der Therapie, bei der der Patient sehr aktiv ist – vor allem in seinen unbewussten Anteilen. Abgestimmt auf die jeweilige Störung und die seelische Verfassung des Patienten gibt es verschiedene therapeutische Zugänge: auf der Handlungsebene ähnlich wie in der Verhaltenstherapie, lösungsorientiert durch die Ressourcen-Aktivierung oder psychodynamisch mit der Entstehungsgeschichte der Symptomatik, um die zugrundeliegenden Konflikte zu erkennen und aufzulösen.
Matthias Mende, Psychotherapie-Zentrum Dr. Mende, Salzburg

Foto: Hans Mayrhofer

Foto: Hans Mayrhofer

Hypnose ist Lebenshilfe, die die Kraft des Unterbewusstseins nutzt, die ein jeder Mensch hat, die jedoch meist völlig unbeachtet bleibt. Dabei kann man gerade durch diese Kraft immens viel erreichen, wie auch Beispiele bekannter Skisportler zeigen: Genau wie durch Mentaltraining wird mithilfe der Hypnose vieles möglich, das einem vielleicht anfangs unmöglich erschienen ist.
Hans Mayrhofer, LebensEnergieWerkstatt Hypnose am See, Oberhofen am Irrsee

Foto: www.kaindl-hönig.com

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Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass ein Hypnosetherapeut die Probleme löst wie ein Voodoo-Zauberer und man selbst nichts beitragen muss. Es gibt einen Widerstand von jedem Patienten, Kontakt zu seinem Unbewussten aufzunehmen. Dieser Widerstand hilft, uns zu schützen: Was ich nicht verkrafte, stecke ich ins Unbewusste. Aber um in der Therapie weiter zu kommen, brauche ich Zugang zu meinem Unbewussten. Da helfen Imaginationstechniken, um zum Kern der Problematik zu gelangen.
Andrea Hammerer, Klinische Psychologin & Psychotherapeutin, Salzburg

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