Leben

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Frühlingshafter Ostertisch

Text: Susanne Rosenberger

Fotos: iStock – dschraudolf , lithiumphoto , Ekaterina Senyutina , New Africa , Africa Studio , Sandra Thiele ; Gräfe und Unzer / Studio Eising (Rezeptbild)

Wenn die ersten Frühblüher ihre Köpfchen aus der Erde stecken, ist Ostern nicht mehr weit. Ein kulinarischer, schön dekorierter Ostertisch mit Familie oder Freunden gehört zu diesem Fest wie Hase und Ei – egal ob Frühstück, Brunch oder Osterjause, der Tisch soll sich biegen unter der Fülle an traditionsreichen, frühlingsfrischen Speisen.

Beim großen Osterbrunch wird stundenlang geschlemmt und Zeit mit den Liebsten verbracht. Für alle Geschmäcker bietet die reich gedeckte Tafel eine große Auswahl an süßen und herzhaften Leckereien. Nach der Fastenzeit dürfen die Speisen zu Ostern wieder üppig und kalorienreich sein. Selbstgebackene Osterpinzen und süße Lämmchen gehören ebenso zum Osterfest wie Schinken und bunt gefärbte Eier.

Zu den Klassikern für den Osterbrunch gehören Eiergerichte soweit das Auge reicht: gefüllte Eier, Eggs Benedict, pochierte Eier aus der Muffinform, Omeletts oder Eiersalat. Wie gut, dass wir für die Osterdeko zuvor massenweise Eier ausgeblasen haben! Bärlauch, Spargel und Rohkost bringen ebenso die nötige Extraportion an Vitaminen auf den Tisch wie Smoothies und fruchtige Bowls. Als süße Varianten runden ein saftiger Karottenkuchen, Waffeln, Pancakes und Co. die Ostertafel kulinarisch ab!

Höchst unterschiedlich fallen die kulinarischen Traditionen innerhalb Österreichs aus: der Reindling darf in Kärnten nicht fehlen, der Schinken im Brotmantel wird hingegen eher in Wien serviert, während in Vorarlberg zu Ostern „Geselchtes“ mit Sauerkraut und Kren auf den Tisch kommt. Neuerdings halten auch immer mehr internationale Rezepte Einzug auf der Ostertafel: trendige Cake-Pops und Macarons in bunten Eierformen, Osternest-Cupcakes, die italienische „Torta Pasqualina“ (eine Pastete aus Eiern und Spinat) oder der britische „Simnel Cake“, ein Osterkuchen mit getrockneten und kandierten Früchten. Erlaubt ist zu Ostern, was schmeckt und die Familie an einen Tisch bringt!

Fest der Traditionen
Ostern wird am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert und gilt als hohes Fest der Christen. Aber auch heidnische Bräuche rund um den Frühlingsbeginn wirken auf das Osterfest ein. Demzufolge wird Ostern mit einer Vielzahl an alten Traditionen verbunden: Eierpecken, Osterfeuer, Speisenweihe, Ratschen, Osterkerze – die Liste der Osterbräuche ist lang und von Region zu Region unterschiedlich. Der Brauch des „Ratschens“ wird etwa zwischen Gründonnerstag und Karsamstag durchgeführt, wenn die Kirchenglocken laut Überlieferung nach Rom geflogen sind – 2015 wurde dieser Osterbrauch von der UNESCO sogar als Immaterielles Kulturerbe Österreichs anerkannt. Zu Ehren der Auferstehung von Jesus werden noch heute in der Nacht vor dem Ostersonntag im ganzen Land riesige Osterfeuer abgebrannt. In derselben Nacht bringen gläubige Christen ihre Osterspeisen in einem Korb zur Messe, um sie bei der Speisenweihe segnen zu lassen.

Ei, ei, ei …
Das Ei gilt als Symbol für Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und neues Leben. Im Mittelalter wurde in der Fastenzeit vor allem auf Fleisch und Eier verzichtet. Die in dieser Zeit gelegten Eier wurden gesammelt und zur Haltbarmachung gekocht. Um die gekochten von den frischen Eiern zu unterscheiden, färbte man sie ein – anfangs ausschließlich mit roter Farbe, die das Blut Jesu symbolisierte. Erst später wurden die Ostereier bunt bemalt, man bediente sich hierfür derselben Mittel aus der Natur, auf die man auch heute wieder gerne zurückgreift. Um Eier ohne synthetische Färbemittel einzufärben, stehen uns Lebensmitteln wie Zwiebel, Rote Beete oder schwarzer Tee zur Verfügung. Mate-Tee etwa färbt Pastellgrün, Rooibos-Tee Hellorange, auch Gewürze wie Kurkuma (sattes Gelb) oder Kräuter wie Petersilie und Brennnessel (Grün) aus dem Garten eignen sich hervorragend zum Färben von weißen (Bio-)Eiern. Der Farbton wird zwar nicht so kräftig wie bei herkömmlichen Eierfarben aus dem Geschäft, dafür umso individueller und charmanter.

So geht’s: Eierfärben mit Farben aus der Natur:

• Eier vor dem Färben immer mit Essigwasser reinigen, damit sie die Farbe besser annehmen.

• Kaltfärbe-Technik: Die zimmertemperierten, weißen Eier 8 Minuten im heißen Wasser kochen, kalt abschrecken, auskühlen lassen und anschließend im abgekühlten Farbsud (muss zuvor 20 Min. kochen) färben.

• Pflanzendruck: Sammle Schlüsselblumen, Gänseblümchen, Kleeblätter etc.
Lege ein Blatt/eine Blüte vorsichtig auf das gekochte Ei, umschließe es straff mit einer alten Seidenstrumpfhose und verschließe es gut. Lege das Ei in den kalten Farbsud. Je nach gewünschter Farbintensität, die Eier kurz oder lange im Farbbad färben, vorsichtig mit einem Löffel herausnehmen und mit einem Tuch abtupfen.

• Reibt man die gefärbten Eier mit Olivenöl oder einer Speckschwarte ein, ergibt das einen Glanzeffekt.

Literatur-Tipp:
Christine Mittermayr, Das kleine Buch: Ostereier färben. Natürlich und kreativ. Servus

Zweige, Tulpen, Blütenpracht
Die Natur leistet im Frühling ganze Arbeit: die Obstbäume und Stauden lassen Knospen und Blüten sprießen, Frühjahrsblüher wie Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und Ranunkeln starten in die Blühsaison. Mit ein paar Tipps erfreuen Sie sich lange an den Frühlingsboten: Bei einem bunten Frühlingsstrauß sollten Sie Narzissen und Hyazinthen zunächst getrennt ins Wasser stellen, da die anderen Blumen den abgesonderten Schleim nicht gut vertragen. Von den Tulpen sollten zuvor die äußeren Blätter entfernt werden, bevor Sie das blühende Ensemble in eine dekorative Vase stellen.

Die Klassiker in der Ostervase sind hierzulande unbestritten die „Palmkätzchen“, dekoriert mit handverzierten Deko-Eiern. Die männlichen Weidenkätzchen haben gelbe Pollen, die weiblichen sind hellbeige. Vielen ist nicht bewusst, dass es verboten ist, Weidenkätzchen aus Wildbeständen abzuschneiden, da deren Blütenstände oftmals die erste Nahrung des Jahres für Bienen darstellen.

Extraportion Frühling
Auf keinen Fall fehlen dürfen beim Osterfest die sonnig leuchtenden Narzissen, auch „Osterglocken“ genannt. Wir kennen sie als kleine Zwiebel-Narzissen, die vor Ostern in Töpfen, Schalen und Tassen verkauft werden, oder als Schnittblumen mit größeren Blütenköpfen in leuchtendem Gelb, Creme, Orange oder Weiß. Auch die gelb leuchtenden Forsythienzweige eignen sich hervorragend für Kränze und Tischdekoration, ebenso andere zart blühende Zweige wie Magnolien, Kirsch- oder Apfelblüten. Stilvolle Kränze für die Haustür, dekorierte Nester in Naturfarben für Garten oder Balkon, frisch bepflanzte Töpfe mit Primeln, Bellis oder Vergissmeinnicht für den Hauseingang – zu Ostern darf man der Kreativität gerne freien Lauf lassen. Neben Zweigen und Frühblühern sind es aber vor allem dekorative Eier, Hasen und Hühner, die zu Ostern die Hauptrolle spielen und das blumige Arrangement mit einigen Federn aus dem Bastelbedarf abrunden.

Leuchtende Augen
Nach dem kulinarischen Schlemmen werden für die kleinen Gäste Nester mit süßen Leckereien versteckt – bei stabilem Wetter gerne draußen im Garten, auf Balkon oder Terrasse. Andere kreative Versteck-Ideen gefällig? Wie wäre es zur Abwechslung mit Briefkasten, Jackentasche, Bücherregal, in den Schuhen oder im Rucksack? Auch auf einem ausgedehnten Spaziergang durch die erwachende Natur können für die Kinder immer wieder heimlich Schokoeier und -hasen hinter Bäumen und Büschen versteckt werden.

Rezept

O S T E R N E S T- C U P C A K E S

FÜR DEN RÜHRTEIG:
200 g Weizenmehl (Type 405), 1⁄2 Pck. Backpulver, 100 g weiche Butter, 100 g Zucker, 1 Pck. Bourbon-Vanillezucker, Salz, 2 Eier (Größe M), 100 ml Eierlikör (oder fertige Vanillesauce), 100 ml Milch

60 g dunkler Schokoladen-Brotaufstrich

FÜR DAS TOPPING:
100 g weiße Kuvertüre
185 g kalter Doppelrahmfrischkäse
60 g Butter | 30 ml Eierlikör (oder fertige Vanillesauce)
ca. 150 g Zucker- oder Schokoladeneier

AUSSERDEM:
12 Papierförmchen
Spritzbeutel mit Lochtülle (14 mm Ø)

FÜR 1 MUFFINBLECH MIT 12 MULDEN
CA. 35 MIN. ZUBEREITUNG, CA. 20 MIN. BACKEN

  1. Den Backofen auf 175 °C vorheizen. Das Muffinblech mit Papierförmchen auslegen.
    Für den Teig das Mehl mit dem Backpulver mischen. Butter, Zucker, Vanillezucker und
    1 Prise Salz in einer Schüssel mit den Quirlen des Handrührgeräts cremig rühren.
    Die Eier nacheinander unterrühren. Die Mehlmischung abwechselnd mit dem Eierlikör und der Milch kurz unterrühren. Den Teig ca. 10 Sek. auf höchster Stufe rühren.
  2. Die Hälfte des Teigs gleichmäßig in die Förmchen verteilen. Dann jeweils 1⁄2–1 TL Schoko-Brotaufstrich daraufgeben und mit dem restlichen Teig bedecken. Cakes im Ofen (Mitte) ca. 20 Min. backen. Herausnehmen und kurz im Blech abkühlen lassen, dann die Cakes aus dem Blech lösen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.
  3. Für das Topping die Kuvertüre hacken und in einer Metallschüssel über einem heißen Wasserbad schmelzen. Den Frischkäse glatt rühren und die Kuvertüre in zwei Portionen unterrühren. Die Butter und den Likör unterrühren. Das Topping mit dem Spritzbeutel mit Lochtülle in Nestform auf die Cupcakes spritzen. Die Zucker- oder Schokoladeneier auf die »Nester« verteilen.

Literatur-Tipp:
Die GU-Backbibel: Göttliche Rezepte von klassisch bis modern (GU Grundkochbücher)