Einsatz im Elektro-Porsche

Es kommt gar nicht so selten vor, dass man einen Porsche auf der Autobahn vorüberbrausen sieht. Doch dieses silberne Elektro-Modell sorgte für ganz besonderes Aufsehen, war es doch mit Polizei Beklebung, Blaulicht und Folgehorn ausgestattet.
Text: Dominic Schafflinger
Fotos: BMI/Gerd Pachauer, Porsche, kaindl-hoenig.com
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Im vergangenen Jahr rollte ein Streifenwagen der besonderen Art über Salzburgs Autobahnen und auch seine Mission war nicht alltäglich. Der hochmoderne Porsche Taycan Cross Turismo 4S wurde von der Landespolizeidirektion Salzburg im Rahmen einer Studie des Innenministeriums getestet. Herausfinden wollte man, ob und wie sich Elektrofahrzeuge für den Streifendienst eignen. Porsche Austria stellte neben zahlreichen ID-Modellen auch einen Porsche Taycan zur Verfügung und der kam bei den Beamten wie auch bei den Bürgern ausgezeichnet an. Obwohl dem einen oder anderen die Überraschung über das schnittige neue Gefährt der Autobahnpolizei ins Gesicht geschrieben stand.

„Nicht alle konnten glauben, was sie da sahen“, erinnert sich ein Beamter der Autobahnpolizei Anif: „Wir entdeckten auf unserer Streifenfahrt einen großen SUV, der mit einem platten Reifen unterwegs war und hielten diesen natürlich an, um auf den Defekt aufmerksam zu machen. Die Dame am Steuer lächelte nur und fragte nach der versteckten Kamera. Wir antworteten bestimmt, dass dies ein regulärer Einsatz sei und kein Scherz. Die Dame erwiderte nur: ‚Genau, genau, fast wäre ich darauf reingefallen. Polizisten im Porsche, das können Sie jemand anderem erzählen…‘. So ging das Spiel noch einige Minuten weiter, bis die Dame feststellte, dass sie wirklich einen Platten hatte. Nun lächelten wir, weil ihr ihre eigene Ungläubigkeit etwas peinlich war.“ Solche Episoden gehörten aber eher der Seltenheit an, im Normalfall erlebten die Beamten einen durchgehend positiven Zuspruch. Kein Wunder, ist der Taycan Cross Turismo doch ein Traumauto, wie es im Buche steht.

Mit seinen bis zu 571 PS beschleunigt er in 4,1 Sekunden von 0 auf 100. Porsche verbaute dafür als erster Hersteller ein Zweigang-Getriebe in einem Elektroauto. Damit kann der Porsche höhere Geschwindigkeiten bei niedrigerem Verbrauch erzielen. Diese Maßnahme ist allerdings teuer und bringt höchstens bei absoluten Performance-Modellen einen Vorteil. Viel praktischer im flexiblen Polizeieinsatz ist die Porsche 4D-Chassis Control. Diese adaptive Luftfederung mit Dreikammer-Technologie inklusive elektronischer Dämpferregelung PASM (Porsche Active Suspension Management) ermöglicht eine Smart-Lift-Funktion. Damit kann der Fahrer das Fahrzeugniveau heben und senken. So kann die Polizei den Porsche auch im unwegsamen Gelände, zum Beispiel auf Feldwegen, einsetzen. An zusätzlichen Einbauten kamen nur noch die Blaulichtanlage, das Signalhorn und der obligatorische Polizeifunk hinzu. „Der Taycan wurde eingesetzt, um möglichst schnell an Unfallorte zu gelangen und die Erstsicherung durchzuführen, da entscheidet oft jede Sekunde“, so Postenkommandant Michael Moser: „Alles andere übernahmen dann die nachfolgenden Einsatzkräfte.“

Geschwindigkeit zählt bei der Polizei auch beim Laden des 90 Kilowattstunden Akkus, schließlich kann sie bei einem Einsatz nicht einfach auf einen vollen Akku warten. Der Taycan setzt auf moderne 800 Volt Technologie, damit lässt er sich in 23 Minuten auf 80 Prozent laden. Reicht das für den Polizeieinsatz? „Der Porsche war Teil einer Studie, die vom Austrian Institute of Technology durchgeführt wird, um festzustellen, ob ein normaler Einsatzbetrieb überhaupt machbar ist, wir haben von sehr vielen Beamten sehr viele Eindrücke erhalten und die Daten werden am Ende der Studie für ganz Österreich ausgewertet“, so Christian Sommerlat, der als Bundesfahrtechniktrainer für die Ausbildung aller auto- und motorradfahrenden Polizeibeamten zuständig ist, und die Kollegen am Elektro-Taycan einschulte. „Danach werden wir sehen, ob der Porsche ein Standardeinsatzwagen für die Autobahnpolizei werden könnte, aber wir wären nicht abgeneigt.“

Drei Porsche 356 Cabriolet waren ab dem Jahr 1958 etwa zehn Jahre lang als Polizeiauto im Einsatz. Weltweit wurden nur 17 Stück dieses Porsche-Modells hergestellt.

Dennoch ist der Porsche Taycan kein stinknormales Einsatzfahrzeug. Neben seinem Streifendienst rückte er regelmäßig zu Presseterminen aus und auch auf der diesjährigen Tuningmesse ‚Customized Salzburg‘ war das Elektrokraftpaket zu sehen. Hier zog er interessierte Blicke auf sich und so manche Fachsimpelei zwischen den Tuningexperten der Polizei und Hobbyschraubern ließen den Stand zum beliebten Treffpunkt werden. Trotz aller PR-Tauglichkeit merkt man dem Porsche den Einsatz an. Ein Blick ins Cockpit zeigt, dass Sitze und Einstieg schon etwas mitgenommen sind: „Das ist kein Privatwagen, der Einsatzporsche wurde 24 Stunden am Tag genutzt. In fünf Monaten bei der Autobahnpolizei Salzburg sind wir über 17.000 Kilometer gefahren. Der Waffengurt nimmt keine Rücksicht auf das Interieur, egal wie hochwertig es ist. Wir greifen unsere Autos nicht mit Samthandschuhen an, nicht mal einen Porsche“, so ein Beamter der Autobahnpolizei Anif.

Leider ist die Ära des Polizei-Porsches in Salzburg vorerst zu Ende. Im April wurde der Taycan Cross Turismo 4S durch ein neues Modell ersetzt, das derzeit in Niederösterreich im Einsatz ist und dort bis zum Projektende Mitte des Jahres verbleibt. Der ‚Salzburger‘ Taycan wird wohl bald im Museum landen, neben einigen anderen Porsche-Einsatzwagen, denn die Fahrzeuge haben Tradition, wie Helmut Eggert, Österreich-Geschäftsleiter der Marke Porsche, betont: „In den 1960er und 1970er Jahren war es nichts Außergewöhnliches, einem Polizei- oder Gendarmerie-Porsche mit Blaulicht zu begegnen. Auch 2006 wurde den Beamten ein Porsche 911 als Fahrzeug für die Autobahnpolizei zur Verfügung gestellt. Wir freuen uns, anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Marke Porsche ein Elektrofahrzeug zur Verfügung stellen zu dürfen und gleichzeitig einen Beitrag zur Erforschung von Elektroautos im täglichen Blaulichteinsatz leisten zu können.“

Nun bleibt es abzuwarten, ob die Studie die Einsatzfähigkeit des Porsche im Polizeidienst belegt. Das Ergebnis wird wohl einfach daran zu erkennen sein, ob in Zukunft auch wieder ein Porsche mit Blaulicht auf der Autobahn von Mondsee bis in den Pongau patrouilliert.

Polizei Fahrsicherheitstrainer Christian Sommerlat:

„Das Hauptargument für Sportwägen wie dem Porsche liegt ganz klar in der Geschwindigkeit, mit der man am Einsatzort ist. Bei Unfällen zählt jede Sekunde. Wer bei einem Polizeiporsche an Verfolgungsjagden denkt, den muss ich gleich enttäuschen, das gibt es nur in Hollywood. Was wir wirklich benötigen, sind PS-starke Zivilstreifen, um mit Rasern mithalten zu können und Geschwindigkeitsmessungen vorzunehmen. Da wäre ein Porsche aber auch in Zivil zu auffällig. Das gleiche gilt für die Cobra: Wenn man ein verdächtiges Fahrzeug stundenlang observiert, will man es dann auf der Autobahn nicht gleich wieder verlieren, muss aber trotzdem unauffällig bleiben. Und wenn der Porsche Taycan etwas nicht ist, dann unauffällig.“

Projekt Delorean – Elektromobilität in der realen Polizeipraxis

Das Projekt Delorean hat sich zum Ziel gesetzt, eine umfassende Gesamtkonzeption für den Einsatz von Elektromobilität bei der Polizei in Österreich zu entwickeln. Im Rahmen von CO2-Neutralität und den Pariser Klimazielen gilt es, den staatlichen Fuhrpark der Republik sowie der Einsatzkräfte auf nachhaltige Mobilitätslösungen umzustellen. Angesichts der Tatsache, dass die Polizei mit über 6000 Einsatzwägen über die größte Fahrzeugflotte des Landes verfügt und deren vielfältige Aufgaben eine zuverlässige Mobilitätslösung erfordern, werden verschiedene Komponenten wie Fahrzeuge, Batteriezellen, Infrastruktur und Lademanagement analysiert. Dabei sollen die Voraussetzungen erforscht werden, um moderne Elektrofahrzeuge österreichweit effektiv in den Polizeibetrieb zu integrieren. Das Projekt bezieht auch wichtige Aspekte wie Cybersecurity und Resilienz gegenüber Blackouts in die Forschung mit ein. Erste Ergebnisse sind erst im Jahr 2025 zu erwarten, wenn alle Fahrzeugdaten ausgewertet wurden.

Als Partner des Projekts sind das Austrian Institute of Technology, das Bundesministerium für Inneres, die Bundesimmobiliengesellschaft, Porsche Austria, MOON POWER und Wien Energie involviert. Das Projektergebnis wird ein konsistentes Gesamtkonzept für den Einsatz von Elektrofahrzeugen bei der Polizei sein, das konkrete Vorgehensempfehlungen für die Zukunft der Elektromobilität im Polizeibetrieb bietet.