Eine Frage der Ehre

Vor nicht allzu langer Zeit waren Elektro-Kombis noch rar gesät, und die ersten Modelle waren alles andere als überzeugend. Der Audi A6 Avant e-tron quattro reitet aus, um den Ruf der E-Kombis zu retten.
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Fotos: Audi AG
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Vieles, was vor ihm kam, erinnerte an Don Quichotte – denn die ersten Elektro-Kombis waren meist traurige Gestalten. Ihre geringe Reichweite machte jede längere Fahrt zum Kampf gegen Windmühlen. Der Audi A6 Avant e-tron quattro hingegen adelt sich selbst zum König der Langstrecke – mit bis zu 681 Kilometern Reichweite.

Digital Native in strahlender Rüstung

„Mit bis zu 2.100 kg Anhängelast bewährt sich der neue Audi A6 Avant e-tron auch als Zugfahrzeug.“ – Leonhard Radner, Markenleiter Audi,
Porsche Inter Auto Alpenstraße

Der Auftritt: glänzend. Das neu geformte Chassis verbindet runde, elegante Linien mit sportlicher Dynamik und einem gediegenen cW-Wert von 0,24. Der 100-kWh-Akku verbraucht so nur 15,6–19,2 kWh auf 100 Kilometer. Für fürstliches Reisegefühl sollte man unbedingt zum optionalen Tech-Plus-Paket greifen. Dieses veredelt den A6 unter anderem mit Matrix-LED-Scheinwerfern vorne und beleuchteten Audi-Ringen hinten. Audi fährt im A6 lichttechnisch schwere Kavallerie auf – das Beste, was derzeit am Markt erhältlich ist. Warum im Gegensatz dazu die digitale OLED-Heckleuchte erst im Tech-Pro-Paket enthalten ist, bleibt allerdings Audis Geheimnis.

Blaues Blut

Es ist nicht sichtbar, sorgt aber für beträchtliche Standesunterschiede. Auch den Elektro-A6 adeln die versteckten Dinge. Gebaut auf der gleichen Plattform wie der Porsche Macan, zwischen den Rädern eine Batterie mit 800-Volt-Technologie, die ihn am Hypercharger in nur 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent lädt. Der Elektromotor hinten sorgt für permanenten Antrieb, während der Frontmotor bei Bedarf dazuschaltet – alles vollautomatisch mit 428 PS in der Spitze.

Warum ein Avant? Um viel transportieren zu können!

Der sportliche A6 beeindruckt mit 502 bis 1.422 Litern Ladevolumen. Dabei öffnet man den Kofferraum optional lediglich mit einer Fußgeste – oder noch edler: Motorhaube und Frunk mit einer sanften Wischbewegung über die Frontmaske. Für Audi war es wohl eine Frage der Ehre, einen e-quattro zu bauen, der mindestens genauso gut ist wie der legendäre Diesel-Kardanwellenantrieb. Eine solch edle Herkunft kann und will der neue A6 e-tron nicht verleugnen. Ebenso royal wie seine Abstammung mutet auch sein umständlicher Name an: „Audi A6 Avant e-tron quattro“ – das geht reichlich sperrig über die Lippen. Aber das war es auch schon an Majestätsbeleidigung.