Mode & Schönheit

Lesezeit: 16 Minuten

Die Modehauptstadt Österreichs

Text: Doris Thallinger

Fotos: Gusswerk, www.kaindl-hoenig.com, opolja - stock.adobe.com

Österreichs Modeherz schlägt in Salzburg. Was viele nicht wissen – unsere Stadt ist seit Jahrzehnten das Zentrum der Modebranche. Mode-Einkäufer und Händler aus ganz Österreich pilgern regelmäßig in die Mozartstadt, um ihre Boutiquen und Geschäfte mit den neuesten Kollektionen der wichtigsten Modemarken auszustatten. Ein Blick hinter die Kulissen der Modeszene.

Mode, soweit das Auge reicht. Regale reihen sich aneinander, Kleiderständer biegen sich unter ihrer schönen Last. Eilig werden Kleiderwägen durch die Gänge geschoben, ein Knistern liegt in der Luft, es herrscht Aufbruchsstimmung, die Menschen sind in Einkaufslaune. An den Ständen auf der freien Ausstellungsfläche gustieren die Einkäufer, in den Schauräumen sind intensive Beratungsgespräche im Gange. Ein wenig fühlt man sich wie in einem überdimensionalen Kaufhaus. Einem Kaufhaus, das mit den neuesten Modellen der unterschiedlichsten Marken und Labels der ganzen Welt aufwartet. Zweimal im Jahr – zu den großen Orderblöcken – schaut Österreichs Modeszene auf Salzburg. Modeeinkäufer, Händler und Boutique-Besitzer machen sich auf den Weg hierher, konkret nach Bergheim bei Salzburg, um sich mit der aktuellen Ware einzudecken, zu bestellen und ihr Sortiment auszuwählen.

Heimat großer Marken
Hier, in Bergheim, findet sich mit der Brandboxx Österreichs größtes und wichtigstes Modegroßhandelszentrum mit insgesamt 25.000 Quadratmetern vermieteter Fläche. 225 Mieter präsentieren insgesamt rund 600 Marken aus der Mode-, Schuh- & Taschen-, Trachten- und Sportwelt. Von s.Oliver und Rinascimento über Mothwurf und Sportalm bis hin zu Missoni oder Atomic, Salomon, Lowa oder Wilson aus dem Sportbereich. „Die Modewelt ist auf Salzburg, speziell auf Bergheim fokussiert“, so Brandboxx-Geschäftsführer Markus Oberhamberger, „die komplette Order spielt sich hier im Surrounding ab. Bei uns und in der Umgebung, in der Fashion Mall, dem Fashion Palais und dem Gusswerk.“
Entstanden ist das Modegroßhandelszentrum vor 39 Jahren, als der Wunsch nach einem Ordercenter aufkam und nach einem geeigneten Platz gesucht wurde. „Die Idee war eine witzige, nämlich ein Haus auf Stelzen zu errichten, in dem eine Vielzahl an Schauräumen in Form von Boxen geplant wurden“, erzählt Oberhamberger von den Anfängen. „Aufgrund eines Eigentümerwechsels wurde viele Jahre später daraus die Brandboxx.“

Die Messen wurden größer, die Veranstaltungen zahlreicher, zur Mode kamen der Sport und schließlich das Schuhorder Center. Mehr und mehr verlagerte sich das Geschäft von Wien in den Westen, Salzburg hatte sich klar als Zentrum der österreichischen Modebranche etabliert. Neben der Fashion Mall und dem Fashion Palais, dem Fashion Park, dem M1 und M2 entstand schließlich mit dem Gusswerk ein weiterer Hotspot der Szene. 2004 erwarben Marco Sillaber, Eric Walketseder und Michael Mayer das Areal der ehemaligen Glockengießerei, schon mit der Intention, besondere Schauräume für namhafte Modelabels zu schaffen. In vielen kleinen Schritten wurde der Altbestand renoviert, wurden kreative Lofts gestaltet – bis hin zum prägnanten Fashion-Turm. Rund 60 Modeunternehmen und Modeagenturen sind hier heute beheimatet und präsentieren rund 400 Marken, wie unter anderem Betty Barclay, pepe Jeans, Lacoste, Bogner oder Hugo Boss.

Mode und Design aus Salzburg
Neben den großen (zum Teil) internationalen Marken, die Salzburg als ihren Österreich-Standort gewählt haben, wird in unserem Bundesland auch Mode geschaffen und produziert, wie zum Beispiel die hochwertigen Schuhe von Paul Green, einem Unternehmen, das in Mattsee beheimatet ist.


Interview Erdbär

„Wir wollen die Welt nachhaltiger machen“

2013 gründete ein Team aus jungen Salzburgern das Fashion-Label Erdbär, mit der Vision, die (Mode-)Welt ein kleines Stück besser zu machen. Heute verkauft Erdbär rund 60.000 Kleidungsstücke im Jahr – in Österreich und im angrenzenden Europa.

Wie ist die Idee zu Erdbär entstanden?
Robert Laner: Wir wollten nachhaltigen Themen ein Gesicht geben und Mode ist ein Kommunikationstool, das sich bestens eignet, um eine Botschaft sichtbar zu machen. Wir haben immer schon in der Überzeugung gelebt, dass Nachhaltigkeit ein Teil der Lösung ist, in der wir uns sehen. Das große Ganze, unser Big Picture war: Wir wollen die Welt nachhaltiger, besser machen. Und deshalb ist Erdbär schließlich vor sieben Jahren ein nachhaltiges Mode-Label geworden.

Welche Philosophie steckt hinter der Mode?
Stephan Deinhamer: Die Philosophie ist am einfachsten anhand unserer Kollektionen zu erklären: Wir arbeiten in jeder Kollektion mit verschiedenen Themen. Zum Beispiel stand unsere letzte Sommerkollektion unter dem Thema Climate change und Global desertification. Das Motto der kommenden Saison lautet: Create your tomorrow! Damit wollen wir darauf hinweisen, dass es jeder selbst in der Hand hat, dass er sein Morgen gestalten kann. Aber eben auch, dass wir alle etwas tun müssen, damit es überhaupt ein Morgen gibt. Unsere Prints zeigen nie mit dem Finger auf jemanden, sind immer positiv und leicht ironisch verpackt.

Wie würdet ihr den Stil eurer Mode beschreiben?
Deinhamer: Wir haben über die Jahre eine recht spannende Entwicklung durchlebt. Gestartet haben wir mit
T-Shirts, also rein im Jersey-Bereich. Dazu haben wir dann unseren eigenen Sweat entwickelt: aus Bio-Baumwolle und Buchenholzfasern. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir sehr sportlich unterwegs. Vor ca. 2 Jahren sind wir mit dem Mode-Grad sehr nach oben gegangen, indem wir auch Kleider und Sakkos aus edlen Stoffen entwickelt haben. Wir haben uns von einer sehr sportiven Produktion hin zu einer Gesamt-Kollektion entwickelt.

Zu den Materialien. Mit welchen Stoffen arbeitet ihr?
Deinhamer: Wir arbeiten mit Bio-Baumwolle, die zertifiziert ist. Die Zertifizierung ist uns wichtig, weil auch mit Bio Baumwolle leider ziemlich viel Schindluder betrieben wird. Die zweite große Stoffgruppe, mit der wir arbeiten, ist unsere Buchenholzfaser von der Lenzing AG in OÖ. Das ist so ziemlich der nachhaltigste Stoff, den man verwenden kann – Buchenholz forstet sich quasi von selbst auf. Der Kreislauf der Herstellung ist zu 99 % geschlossen, das ist der Traumstoff für uns. Außerdem ist er unglaublich weich und wirkt wie eine Klimaanlage für die Haut.

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Wo kann man eure Kollektionen mittlerweile überall kaufen?
Laner: Wir haben mittlerweile mehr als 300 Partner in Österreich, Deutschland, Italien, in der Schweiz und in den Niederlanden, die unsere Kollektionen vertreiben. Und natürlich im Erdbär-Store im Europark!

Gerhard Schrempf, Stefanie Weissacher, Robert Laner, Stephan Deinhamer


Porträt Erika Eibl

„Ich habe eine starke persönliche Linie“

Braune Augen leuchten unter dem dichten Pony hervor, die dunkle Haarmähne ständig in Bewegung. Mit einem offenen Lachen empfängt Erika Eibl die Kundinnen in ihrem Geschäft in der Münzgasse. Mode war schon immer ihre Passion, der sie erst als Designerin in der Industrie für namhafte Unternehmen nachgegangen ist. „Im Laufe der Zeit habe ich mehr und mehr erkannt, dass ich eine sehr starke, persönliche Linie habe. Und je mehr Persönlichkeit man einbringt und je stärker diese eigene Linie wird, umso schwieriger ist es, sich im Design an die Linie eines Unternehmens anzupassen“, erzählt sie von ihren ersten Gedanken, sich mit einem eigenen Modelabel selbstständig zu machen. „Ein gravierender Einschnitt war dann die Geburt meiner Tochter. Ab diesem Zeitpunkt habe ich freiberuflich gearbeitet und hatte mehr Zeit zum Überlegen, zum Denken, zum Tun an sich. So hat sich das erst im Kleinen entwickelt und plötzlich war ich auch schon mitten drin!“ Heute – elf Jahre später – sind Erika Eibls Kollektionen unter dem Namen „e2 by Erika Eibl“ nicht nur in Salzburg bekannt. Im Gegenteil, gerade internationale (Festspiel-)Gäste schätzen und lieben die Mode: „In Salzburg hängt schon sehr viel von den Festivals und den Festspielen ab, zu denen ein Publikum aus aller Welt kommt, das bereits alles kennt und etwas Spezielles sucht. Diese Menschen werden dann bei mir fündig.“ Das Spezielle, das ist vor allem die außergewöhnliche Kombination an Materialien: „Ich arbeite sehr gern mit transparenten Stoffen, die ich unter anderem mit Leder kombiniere. Dieser individuelle Materialmix zeichnet meine Linie aus, dazu das Geradlinige – und dabei doch ein kleines bisschen Verspielte und Feminine, aber nie ‚too much‘!“


Detailverliebte Lieblingsstücke

Mirabell Plummer feiert dieses Jahr das 10-jährige Bestehen. Wir haben Gründerin und Designerin Tracy Hauenschild in ihrem Atelier in Aigen besucht und einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Die Liebe zum Schneidern und die Leidenschaft für Mode werden Tracy Hauenschild bereits in die Wiege gelegt. Beide Omas sind Schneiderinnen und schon als Kind ist es für die Lungauerin das Schönste, im Atelier zu sein, Knöpfe und Bänder zu sortieren oder, später dann, Umhänge für ihre Barbie-Puppen und die ihrer Freundinnen zu basteln. Zur Leidenschaft kommt der Ehrgeiz, der der Absolventin der Modeschule Hallein erst ein Traineeprogramm bei Peek & Cloppenburg, später eine leitende Funktion bei Gössl einbringt. Bis sie sich eine Auszeit nimmt, mit der Intention zu reisen. Doch die Liebe funkt dazwischen, bzw. das Geschenk für den Liebsten: „Er hat sich eine Haube zu Weihnachten gewünscht und da meine Mutter sich geweigert hat, für meine ‚Liebschaften‘ zu stricken, hab ich selbst zu den Stricknadeln gegriffen. Das fertige Werk habe ich auf Facebook gestellt – und über Nacht hatte ich 180 Bestellungen für Hauben!“ Der Traum eines eigenen Modeunternehmens schlummert zu der Zeit schon längst in der tatkräftigen Designerin, selbst der Name „Mirabell Plummer“ ist bereits seit Jahren geschützt. Von da an geht es Schlag auf Schlag. Die ersten Strickerinnen werden angestellt, ein kleiner Laden in Zell am See angemietet. „Da bin ich drinnen gesessen, auf 18 Quadratmetern und habe gestrickt. Alles, was ich geschafft habe, hab ich am nächsten Tag verkauft!“ Schließlich kommt der Frühling und die Nachfrage nach Hauben sinkt. „Das war eigentlich der wirkliche Beginn. Zu dem Zeitpunkt habe ich begonnen, Taschen und Jacken zu designen und nähen.“ Damals noch an der Nähmaschine im Wohnzimmer. Heute werden immer noch 80 Prozent der Mode im Atelier in Salzburg genäht. Nur die von Tracy entworfene Strickkollektion wird in der Nähe von Wien produziert. „Die Muster nähe ich nach wie vor alle selbst – schneide aus dem Stoff aus, nähe und stecke an der Puppe. So entstehen meine Modelle.“

„Über Nacht hatte ich 180 Bestellungen für Hauben!“
Tracy Hauenschild