Die erfolgreichsten Modelle aller Zeiten
Es gibt Autos und es gibt Dauerbrenner. Die erfolgreichsten Modelle aller Zeiten vereinen verlässliche Technik mit der Kunst, sich immer wieder neu zu erfinden und sich trotzdem über Jahrzehnte treu zu bleiben.
Text: Dominic Schafflinger
Fotos: Volkswagen AG, Ford Motor Company, Honda Motor Europe Ltd., Toyota Motor Corporation, Adobe Stock, NASA
Manche Autos sind so universell, dass sie Käufer auf der ganzen Welt anziehen, andere kommen nur in ihrem Heimatmarkt gut an, sind dort aber unschlagbar erfolgreich. Einige hocherfolgreiche Modelle gibt es heute gar nicht mehr, trotz sensationell guter Verkaufszahlen. Die meisten sind aber gerade deswegen seit Jahrzehnten aus dem Straßenverkehr nicht mehr wegzudenken. Um ein Auto zum Dauerbrenner zu machen, muss es natürlich zuverlässig sein. Dazu kommt ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis und Vielseitigkeit. Auch dürfen Trends das Modell nicht überholen – es muss Emotionen wie Vertrauen oder Begierde auslösen. Trotzdem ist es genauso wichtig, dass das Modell nicht eingestampft wird und möglichst lange am Markt bleibt.
Legendäre Bestseller
Es ist kaum zu glauben, aber einige der bestverkauften Modelle sind schon seit Jahrzehnten nicht mehr auf dem Markt. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass 1950 knapp über 10 Millionen Fahrzeuge produziert wurden, wir dieses Jahr aber bei 88 Millionen liegen werden. Somit kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass der VW Käfer die Liste der meistverkauften Autos anführen würde, wäre seine Produktion in Europa 1974 nicht eingestellt worden – er verkaufte sich 21,5 Millionen Mal. Noch beeindruckender sind aber die Produktionszahlen des Ford Model T. Der, auch als „Blechliesel“ bekannte, Oldtimer war das erste Automobil, das am Fließband hergestellt wurde. Zwischen 1908 und 1927 wurden in den USA 15 Millionen Stück gefertigt – das sind gleich viele, wie jemals vom Renault Clio gebaut wurden.
Ein weiteres europäisches Modell, das kaum bekannt, aber hocherfolgreich war, ist der Fiat 124, der sich insgesamt 23 Millionen Mal verkaufte. Anfang der 60er-Jahre begann die Konstruktion des neuen Fiat. Der 124er sollte vor allem gefällig sein, um Fiats globaler Strategie Rechnung zu tragen, in möglichst vielen Ländern gut anzukommen. Das hieß in den 60ern: glattflächiges Chassis und robuste Technik ohne große Experimente. Er kam 1966 auf den Markt. Massentauglich war der 124 vor allem in der Sowjetunion – dort wurden in Lizenz etwa 17 Millionen Autos gebaut: der Lada.
Europa liebt Kleinwagen
Dieses Jahr dürfte der Dacia Sandero das Rennen um das meistverkaufte Auto Europas machen und sich zirka 270.000 Mal verkaufen, und in Österreich wird 2025 höchstwahrscheinlich der Skoda Octavia mit circa 8.700 verkauften Exemplaren auf dem Thron stehen. Die beliebtesten Modelle der Europäer über alle Zeiten hinweg waren aber Kleinwagen wie der Renault Clio, der Ford Fiesta, der Peugeot 206 oder der Fiat Uno. Einziger Ausreißer in dieser Riege der Sparefroh-Mobile ist der VW Passat, der als einziges Mittelklassefahrzeug konstant hohe Verkaufszahlen aufweist. Der Passat ist ein Bestseller, seitdem er 1973 auf den Markt kam, und dominiert den Firmenwagensektor. Die ersten Passat wurden noch als Fließheck gebaut, schon ein Jahr später kam der Variant bzw. Kombi hinzu, und in den 80ern folgte die Limousine. Der absolute Verkaufsschlager ist und bleibt aber der VW Golf – kein anderes Auto erfreut sich größerer Beliebtheit in unseren Breiten. Vor 51 Jahren folgte der Golf dem Käfer nach und stand damals für eine völlige Neuausrichtung; inzwischen ist er ein Symbol für Kontinuität und Verlässlichkeit.
Im Land der unbegrenzten (Absatz-)Möglichkeiten
Während in Good Old Europe Kaufargumente wie solide Technik, Sparsamkeit und leidig hohe Steuern im Vordergrund stehen, heißt es in den USA: „Go big or go home.“ Weswegen jenseits des großen Teiches PS-starke Pick-ups schon immer hoch im Kurs standen – natürlich, wenn möglich, mit Ledersitzen, Chromelementen und verdammt viel Ausstattung.
Der absolute Verkaufsschlager seit über 70 Jahren ist die Ford F-Serie: Mit über 40 Millionen verkauften Einheiten ist der seit dem Jahr 1948 produzierte Truck die Nr. 1 in den USA und weltweit der meistverkaufte Pick-up-Truck. In den USA ist die Automarke Familientradition – wenn Großvater und Vater einen Ford F-150 fuhren, dann tun das auch die Kinder mit Stolz. 66 Prozent aller Ford-Käufer bleiben bei der Marke. Die Ford F-Serie steht für den „American Dream“ wie kein anderes Auto.
Der erste „normale“ PKW findet sich dann auch erst auf Platz 4, hinter dem Chevrolet Silverado und dem Dodge Ram. Der Toyota Camry ist die begehrteste Limousine der USA, dicht gefolgt von Honda Accord und Honda Civic. Doch alle liegen mit Verkaufszahlen von 10 bis 14 Millionen Verkäufen weit hinter der Ford F-Serie. Es ist nicht so, dass in den USA Kleinwagen kein Thema sind – nur das, was wir Limousinen nennen, sind für Amerikaner Kleinwagen.
Weltweiter Verkaufsschlager
Wenn wir heute an Bestseller denken, tun wir das aus einer komplett europäischen Perspektive. Dabei leben die meisten Menschen der Welt in Asien – genau genommen 59 % – weswegen der bevölkerungsreichste Kontinent der Welt einen unglaublichen Einfluss auf die Autoverkäufe hat. Heute, im Zeitalter der Elektromobilität, prägt China den Automarkt. Aber wer in Ländern wie Indien oder in Südostasien erfolgreich ist, führt die weltweiten Bestseller an. Diesen Markt kennt niemand so gut wie Toyota, und kein Auto ist weltweit so erfolgreich wie der Toyota Corolla – mit über 50 Millionen verkauften Fahrzeugen seit 1966. 1968 begann Toyota mit dem Export des Corolla. Egal ob Vietnam, Indien, Thailand, Ägypten oder Westafrika – der Corolla prägt hier das Straßenbild, und das aus gutem Grund. Denn für kaum ein anderes Auto findet man leichter leistbare Ersatzteile; sogar im letzten Eck dieses Planeten kann man seinen Corolla wieder instand setzen lassen. Zudem gibt es kaum ein Auto, das einen besseren Ruf hat, was die Verlässlichkeit betrifft. Während der Corolla in Europa meist als Schrägheck oder Kombi verkauft wurde, trifft man in Asien und den USA meist Limousinen an. Weltweit ist das Modell in über 150 Ländern erhältlich. Toyota produzierte im Schnitt fast jedes Jahr 850.000 Corolla, was sich in 59 Dienstjahren auf über 50 Millionen Fahrzeuge summiert. Da muss sich sogar der Golf mit 37 Millionen verkauften Exemplaren hinten anstellen.



