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Criticus

Text: Cornelia Kogler

Fotos: Foto Hofer Bad Ischl

Kommentar von Cornelia Kogler, Direktorin Hotel Heffterhof

Die Rechnung bitte!

Wer in diesen Tagen in der heimischen Gastronomie seine Rechnung begleichen möchte, muss unter Umständen ein bisschen warten – oft fehlt es an Personal. Da, wo es ganz schlimm ist, haben Betriebe zusätzliche Ruhetage eingeführt oder die Karte verkleinert. Die Lage ist überall angespannt, um nicht zu sagen dramatisch. Derzeit gibt es so viele offene Arbeitsstellen wie noch nie, Lehrstellen bleiben weitgehend unbesetzt, Hoteliers und Gastronomen sind am Ende ihrer Weisheit. Wo sind all die Arbeitskräfte hin? Wie konnte es so weit kommen? Was müssen wir in Zukunft besser machen?

Österreich steht für gelebte Gastlichkeit, für Gastgeber mit Herz, für hochwertige Speisen und ein Urlaubsvergnügen der besonderen Güte – alleine die helfenden Hände fehlen. Egal, ob in der Küche, im Service, an der Rezeption oder beim Reinigungspersonal. Corona hat einiges verändert, ist aber mit Sicherheit nicht für alles verantwortlich. Ja, viele ehemalige Mitarbeiter haben angesichts der unsicheren Situation in andere Branchen gewechselt, manche haben beschlossen, weniger als bisher arbeiten zu wollen, andere sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt und bis dato noch nicht wieder nach Österreich gekommen. Keine sinnerfüllte Aufgabe zu haben, in Kurzarbeit zu Hause zu sein, das hat vielen die Entscheidung erleichtert, der Branche den Rücken zu kehren. Diejenigen, die noch da sind, leisten einen immensen Einsatz, um das Arbeitsaufkommen zu bewerkstelligen – und brennen aus.

Die Wurzel des Übels liegt aber tiefer – das Image dieser Arbeit war nie besonders hoch, trotz vieler bekannter Rolemodels und Erfolgsstorys. Dann arbeiten, wenn andere Freizeit haben? Bitte nicht! Wenn ich dieses Argument höre, muss ich ironisch lachen: Bitte gehen Sie niemals an einem Wochenende essen, ins Kino oder Theater – fahren Sie bitte nie nach 18.00 Uhr, an einem Wochenende oder Feiertag mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder gar mit dem Taxi – bitte fahren Sie nie selbst auf Urlaub oder benötigen, Gott bewahre, unsere Helfer von Rettung, Feuerwehr oder Polizei. Viele Menschen arbeiten am Abend, an Wochenenden oder Feiertagen. Die berühmte „Work-Life Balance“ ist ein überstrapaziertes Wort in Zeiten wie diesen – denn auch in der Hotellerie und Gastronomie hat längst die 5 Tage/40 Stunden-Woche Einzug gehalten. Auch wenn man sich die Entlohnung ansieht, steht diese Branche längst nicht so schlecht da, wie ihr Ruf es vermuten lässt.

Oft beginnt es schon bei den Kindern und Jugendlichen. „Wer nichts wird, wird Wirt“ ist ein geflügeltes Wort in vielen Familien. Natürlich gehen wir gerne essen und in Freizeiteinrichtungen – aber das eigene Kind eine Ausbildung in diesem Bereich machen lassen? NIEMALS! Auch bei der Erwachsenenlehre gibt es viel Nachholbedarf – die jetzt vorhandenen Modelle lassen viele Fragen offen. Oft wird auch kolportiert, das AMS hätte zwangsweise Mitarbeiter in andere Branchen vermittelt – auch das stimmt nicht ganz, denn wer in Kurzarbeit beschäftigt blieb, kam erst gar nicht auf die Liste des AMS. Ganz im Gegenteil: Oft wurden auch mir Bewerber aus anderen Branchen zu einem Vorstellungstermin geschickt – Menschen, die dachten, egal was ich kann, für das Gastgewerbe/die Hotellerie reicht es schon. Das Glück, einen guten Quereinsteiger zu finden, gibt es, es ist aber nicht die Regel. Auch als Betrieb mit sehr familienfreundlichen Arbeitszeiten, fairen Löhnen und einem guten, wertschätzenden Miteinander hat man es derzeit schwer, offene Stellen zu besetzen. Hinzu kommt ein noch nie dagewesenes Bashing der Branche – oft sieht man sich zurzeit in einer Verteidigerrolle gefangen, gebetsmühlenartig Argumente FÜR einen der tollsten Jobs der Welt zu artikulieren. Die Hotellerie und Gastronomie ist herausfordernd, spannend, abwechslungsreich und schön. Gastgeber/Gastgeberin zu sein, ist eine erfüllende Tätigkeit, die den Vergleich zu anderen Berufen auf keinen Fall scheuen muss. Fundierte Aufklärungsarbeit, Imagewerbung, neue Wege der Ausbildung und die Öffnung des Arbeitsmarktes sind Schritte, die unumgänglich sind – wollen wir in Zukunft nicht von Robotern bedient werden und an Terminals unsere Rechnung bezahlen. Ach ja – da war doch noch was: Die Rechnung bitte!