Gesellschaft & Kultur

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Criticus

Text: Eva Gitschthaler

Fotos: Privat

Trost in Zeiten von Corona

Ein Kommentar von Eva Gitschthaler, RAINBOWS Salzburg

Wann kommst du endlich wieder in echt zu uns?“ – Das fragte mich unlängst ein 6-Jähriger, mit dem und dessen Brüdern ich beim ersten Lockdown von persönlichen Treffen zu virtuellen Treffen wechselte. Die Kinder hatten zwei Monate zuvor ihren Vater durch einen Suizid verloren und nachdem es wenig sinnvoll gewesen wäre, die Trauerbegleitung zu unterbrechen, stiegen wir auf Skype um. RAINBOWS gibt es in Österreich heuer seit genau 30 Jahren, in Salzburg starteten wir vor 27 Jahren und konnten seither 4.714 Kindern und Jugendlichen, deren Leben sich plötzlich schlagartig veränderte, sei es nach der Trennung der Eltern oder nach dem Tod eines geliebten Menschen, Halt und Unterstützung geben.
In der Trauerbegleitung wird nach einem themenzentrierten pädagogischen Konzept mit Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 17 Jahren gearbeitet. In fast allen Fällen kommt die Trauerbegleiterin zu den Familien nach Hause. Das gewohnte Umfeld gewährleistet Sicherheit und einen vertrauten Rahmen.
Kinder zeigen nach dem Tod einer Bezugsperson die ganze Bandbreite unterschiedlichster Gefühle. Es fällt oft auf, dass sie kaum über die verstorbene Person sprechen, weil „sie das zu traurig macht“. Bei RAINBOWS beginnen sie, durch die Beziehung zur Trauerbegleiterin als neutrale Person und durch den Einsatz kreativer Methoden darüber zu sprechen.
Doch in Zeiten von Corona war auch hier vieles anders… Die Mutter des 6-Jährigen war plötzlich mit den drei Kindern komplett alleine am Bauernhof. Für sie, die selbst jemanden gebraucht hätte, der sie einmal in den Arm nimmt, kam darüber hinaus die akute finanzielle Belastung hinzu. Die Zimmervermietung am Bauernhof fiel weg und damit ein Großteil des Einkommens. In diesem Fall konnten wir für die Trauerbegleitung Spender finden – generell versuchen wir alles, damit jedes Kind eine Begleitung in Anspruch nehmen kann und diese nicht am finanziellen Hintergrund scheitert. Genau deshalb ist RAINBOWS auf Spenden angewiesen, die öffentliche Hand erhöht die Förderungen auch in Zeiten von Corona nicht (außer Stadt Salzburg).
Für den 6-Jährigen und seine Geschwister änderte sich im Corona-Jahr alles, nicht nur aufgrund des tragischen Verlusts. Von einem Tag auf den anderen konnten sie nicht mehr in die Schule gehen. Für die Mutter natürlich eine zusätzliche Herausforderung in der Trauer, aber auch Kinder erleben gerade Schule als wichtige Säule nach einem belastenden Ereignis. In der Schule geht der gewohnte Alltag weiter, während daheim akut alles anders wird. Die Kinder erlebten es zudem noch dramatischer, dass sie ihre Freunde nicht mehr treffen oder zur Tante fahren konnten. Was in „normalen Zeiten“ ein schöner Ausgleich ist, wäre gerade nach dem Tod des geliebten Papas von großer Wichtigkeit gewesen.
So war es meine Aufgabe und mein Bemühen, kreative Methoden für die Kinder zu finden, die wir auch virtuell umsetzen konnten. Sie haben sich zwar jedes Mal gefreut, mich über den Bildschirm zu sehen, aber irgendwann kam eben die Frage: „Eva, wann kommst du endlich wieder zu uns?“. Die Freude war groß, als ich die Trauerbegleitung wieder bei der Familie zu Hause fortsetzen konnte, auch wenn dies nur mit Mund-Nasenschutz, Abstand, Desinfektion und weiteren Schutzmaßnahmen möglich war. All das setzen wir in diesen Zeiten mit Freude sehr genau und penibel um, denn das Wichtigste ist, dass wir wieder für die Kinder da sein können! Gerade jetzt!
Infos: www.rainbows.at/salzburg