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Auf der Suche nach unseren Träumen


Trotz jahrzehntelanger Traumforschung wissen wir noch immer sehr wenig über unsere Träume. Warum schlafen und träumen wir? Was bedeuten unsere Träume, und lassen sie sich beeinflussen? Und warum sind Albträume gut und wichtig?

Zirka ein Drittel unseres Lebens, rund 3.000 Stunden im Jahr und 24 Jahre im Laufe eines durchschnittlichen Lebens, schlafen wird. Der Schlaf ist Grundvoraussetzung für unser seelisches und körperliches Wohlbefinden. Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr, hat es der Philosoph Arthur Schopenhauer auf den Punkt gebracht. Und wenn wir schlafen, träumen wir. Das ist bei jedem Menschen so und passiert jede Nacht. Der Traum ist von lebhaften Bildern und intensiven Gefühlen begleitet. Viele Menschen können sich nach dem Aufwachen an ihre Träume erinnern, andere nicht oder nur teilweise.

Was ist Träumen?

Unser Schlaf wird in Schlafphasen eingeteilt und verläuft in Zyklen, die sich zirka alle 90 Minuten ändern und wiederholen. Wir schlafen ein, fallen in einen Tiefschlaf, danach folgt eine Periode leichteren Schlafs, die REM- oder Traumphase, auch Schlafphase der Träume genannt. Diese beiden Phasen wechseln sich in Folge ab, dazwischen gibt es Übergangsstadien des Träumens. Der Tiefschlaf wird im Laufe der Nacht weniger und die REM-Phasen nehmen zu, weshalb wir zumeist in der zweiten Nachthälfte träumen. So eine mögliche Einteilung unserer Schlafphasen.

Doch was passiert eigentlich, wenn wir träumen? Der Tiefschlaf, auch als Non-REM-Schlafphase bezeichnet, dient beispielsweise der Regenerierung und Erfrischung des Körpers, dem Zellaufbau und -umbau sowie dem Aufbau des Immunsystems. Bei Kindern ist diese Schlafphase besonders tief, vermutlich wegen des großen psychischen Aufwands des Wachstumsprozesses. Der Begriff „REM“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Rapid Eye
Movements“, also Schnelle-Augen-Bewegungen. Farbig, dreidimensional und emotional – so werden die Träume in den REM-Phasen angeblich erlebt

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. Während des REM-Schlafs verarbeiten wir Erlebnisse des Tages und der
Vergangenheit, und setzen uns mit Dingen auseinander, die wir erlebt und erfühlt haben oder auch in Zukunft
erleben werden. In dieser Schlafphase bildet sich auch das sogenannte prozedurale Gedächtnis aus, das heißt, wir lernen Bewegungsabläufe und Prozesse, die später (teilweise) automatisch ablaufen. Dieses Lernen beginnt bereits als Säugling.

Botschaften unserer Innenwelt

Träume zeigen uns, was uns bewusst und auch unter-
bewusst beschäftigt. Sie enthalten Botschaften, die sich uns in Wachzeiten oft nicht zeigen. Denn der Großteil unseres seelischen Lebens wird untertags unter Verschluss gehalten, „obwohl die Dinge eigentlich danach drängen, gelebt zu werden“, so der Traumtherapeut und Leiter des Stuttgarter C. G. Jung-Instituts, Dieter Schnocks. So werden während des Traums Sehnsüchte, Wünsche und versteckte Gefühle berücksichtigt, die wir während des Tags nicht zulassen konnten oder wollten. Und wie können wir unsere Träume deuten? Die Traumforscherin und Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien, Brigitte Holzinger, definiert Träume als eine Art Parallelwelt, in der sich unsere Realitäten widerspiegeln, abbilden und kommunizieren. Das passiert aber meistens verschlüsselt. „Die Botschaften unserer Innenwelt sprechen eine symbolhafte Sprache, die für jeden eine andere
Bedeutung hat“, so Holzinger. Deshalb ist es schwierig, die Bedeutung eines Traumes (sofort) zu erkennen. Manche von ihnen entziehen sich auch komplett einer Deutungsmöglichkeit und unserer Kontrolle, und können nie
entschlüsselt werden.

Das Verständnis für Träume und das Interesse daran war seit jeher von Epoche zu Epoche unterschiedlich ausgeprägt. Der Traum und die Traumdeutung sind wahrscheinlich so alt wie der Mensch selbst. Schriftliche Zeugnisse von Träumen sind schon aus den Hochkulturen Chinas, Ägyptens, Indiens oder Roms erhalten. Sigmund Freud hat die Wissenschaft mit seinem Werk „Die Traumdeutung“ im 19. Jahrhundert schließlich enorm verändert. Er bezeichnete den Traum als „Königsweg zur Erforschung des Unbewussten“. Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Frage, was ein Traum eigentlich ist und was er zu bedeuten hat, meist als Sache der spirituellen Traditionen erklärt. Selbst nach der Traumdeutung des Psychoanalytikers Sigmund Freud wollte man sich zumeist nicht von den mystischen Dimensionen der Träume verabschieden. Die vielleicht bekannteste Synthese der Traumdeutung stammt schließlich von Freuds Schüler Carl Gustav Jung, der die spirituelle mit der wissenschaftlichen Deutung vereint.

Was wir von unseren Träumen lernen können

Meistens können wir uns nur an verstörende Träume, schlechte Träume und Albträume erinnern, da diese Träume meist sehr emotional sind. Albträume zeichnen sich durch Bilder des Schreckens aus und stürzen Menschen seit ewigen Zeiten in tiefe Verzweiflung. Dieses Erleben reicht vom Zuspätkommen, Prüfungsängsten und Nacktsein über den Ausfall der Zähne, dass man von einem wilden Tier verfolgt wird und nicht fliehen kann, dem Sturz in die Tiefe bis hin zum Tod eines nahestehenden Menschen und dem Wieder-Erleben von Traumata wie sexuellem Missbrauch oder vergangenen Kriegserlebnissen u.v.m. Auch wenn man etwas nicht lösen oder zu Ende führen und bewältigen konnte, werden viele Menschen von Albträumen heimgesucht. Die Ursache von Albträumen erklärt sich die Schlafforschung auch durch die vielen aufgestauten Gefühle, die sich zusammengeballt haben und schließlich im Traum verarbeitet werden. „Träume sind Gefühle in bewegten Bildern dargestellt“, bringt es Brigitte Holzinger auf den Punkt.

So schlimm Albträume auch sind – wer sich mit den Träumen auseinandersetzt (und sie lesen lernt), kann die Gefühle und Ängste der Nacht schließlich bewerten und daran wachsen, ist Holzinger überzeugt. Albträume sind eigentlich gut und normal, so das Fazit der Expertin. Treten Albträume jedoch regelmäßig oder immer in bestimmten Situationen auf, sollte man ihnen auf den Grund gehen, denn dann zeigen diese Träume andauernde Ängste, Sorgen und eventuelle Lebenskonflikte.

Eine weitere Form von Träumen ist der luzide Traum, auch Klartraum genannt. Schon bei Naturvölkern oder Philoso-
phen wie Aristoteles waren Klarträume bekannt. Während
eines luziden Traums weiß man, dass man träumt und kann den Verlauf des Traums beeinflussen. „Inhalt von luziden Träumen können beispielsweise Wunscherfüllungsträume, die Aufarbeitung von Tagesresten, aber auch ganz neue Kreationen sein“, sagt Brigitte Holzinger, die die Traumform eingehend erforscht hat. „Bei luziden Träumen ist es möglich, aufzuwachen, und zu überlegen, ob man daraus eine Lösung für ein Problem oder neue Ideen für sich mitnehmen kann.“ Im Traum festzustellen, dass man träumt, ist ein lernbarer und trainierbarer Vorgang, ist sich Holzinger sicher, zum Beispiel durch Entspannungstechniken und Hypnose. So könnte der luzide Traum in Zukunft vielleicht auch eine Möglichkeit zur Bewältigung von Albträumen sein, indem man sich die Albträume klar vor Augen führen und sie anschließend bewusst erarbeiten kann.

Traum und Wirklichkeit: Kinderträume 

Kinder leiden häufiger unter Albträumen als Erwachsene. Im Alter zwischen fünf und zehn Jahren sind sie am häufigsten. Kinder und Erwachsene träumen generell unterschiedlich. Schon im Mutterleib erleben wir vermutlich Träume. Neugeborene verbringen schließlich 80 Prozent ihres Schlafs in der REM-Phase. Generell sind wir auf Spekulationen angewiesen, wenn es darum geht, was ein Baby träumt, da es uns nicht erzählen kann, was es geträumt hat. Die Schlafforschung versucht die häufigen REM-Phasen in jedem Fall damit zu erklären, dass Neugeborene besonders viele Sinneseindrücke zu verarbeiten haben, da sie eine ganz neue Welt entdecken müssen. Sie verarbeiten Gefühle oder lernen im Traum, damit umzugehen. Im Alter von 21 Jahren erreicht ein Mensch schließlich einen erwachsenen Schlafrhythmus. Und auch die Albträume nehmen ab!

Fazit: Träume sind keine Schäume. Lassen wir uns auf sie ein, können wird durch sie viel über uns selbst lernen und erfahren. Es ist möglich, zu trainieren, sich an seine Träume zu erinnern und in Folge vielleicht sogar Tipps für Handlungen im Wachzustand mitnehmen zu können, so Psychologe Michael Schredl vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. „Lenken Sie die Aufmerksamkeit direkt nach dem Aufwachen auf Ihre Träume und versuchen Sie, sich möglichst viele Bilder ins Gedächtnis zu rufen.“ Oder führen Sie ein Traumtagebuch.

Seien Sie allerdings auch nicht enttäuscht, denn: Sich an alle Träume zu erinnern, schafft niemand! Und auch sich als Teil seiner Selbst zu erkennen, ist nicht immer möglich. Ist man neuesten Erkenntnissen nach doch einem Traum-Gen auf der Spur, das beweisen will, dass wir auch Erlebtes unserer Vorfahren, wovon wir im wahren Leben gar keine Ahnung haben, im Traum erleben.

Eva Pittertschatscher


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