Leben

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Abtauchen im Tennengau

Text: Christian Heugl

Fotos: S/W: Keltenmuseum Hallein; Rahmen: subjug - istockphoto.com; Christian Heugl

Badevergnügen einst und jetzt zwischen Salzach und Lammer. Das Fotoarchiv des Keltenmuseums erlaubt faszinierende Einblicke auf das 1928 eröffnete Salzach-Strandbad in Hallein, das von zehntausenden Gästen besucht wurde.

Es dauert nicht mehr lange und die Badesaison im Tennengau ist wieder in vollem Gange. Je nach Wetterlage ist die Zeit rund um den 1. Mai der traditionelle Saisonstart in den Freibädern. Das vorgewärmte Wasser in den Becken hat dann jedenfalls schon die richtige Badetemperatur und macht Lust zum ersten Eintauchen. Ein Luxus, auf den sich das werte Publikum am Beginn der aufkommenden Badekultur nicht unbedingt verlassen konnte.

Die ersten Bäder in Hallein
Eine erste Badeanstalt in Hallein entstand bereits um 1857 am Mühlbach in Neualm. Das Gerinne war als Entlastungskanal angelegt, an dem sich die erforderlichen Baumaßnahmen für eine kleine Badeanstalt gut umsetzen ließen: der Kanal wurde auf einer Länge von 12 Metern um 60 Zentimeter auf 1,80 Meter vertieft, dazu kam es zur Aufstellung von zwei Badehütten – einer versperrbaren für die Bürger und einer frei zugänglichen für die Allgemeinheit. Dementsprechend gab es dann auch unterschiedliche Benutzungszeiten und eine Fahne zeigte an, ob die Wassertemperatur die 18°-Marke erreicht hatte. Immerhin herrschte bis 1885 Badebetrieb am Mühlbach in Niederalm. Das nachfolgende Bad-Projekt hatte weniger Erfolg, denn das mit Wasser aus dem Almbach versorgte Betonbecken erwies sich als undicht.

Das Strandbad in Hallein-Gamp
Ein durchschlagender Erfolg war dann aber das im Jahr 1928 eröffnete Schwimmbad auf der Pitschachinsel. In der ersten Saison fanden 63.000 Besucher in das neue Bad an der Salzach. Auslöser für den Bau dieses einzigartigen Projektes war ein Hochwasserunglück im Jahr 1920, durch das die alte Triftanlage in Hallein-Gamp schwer beschädigt wurde. Mit der nun notwendig gewordenen Salzachregulierung verband der visionäre Halleiner Bürgermeister Anton Neumayr (1887–1954) den Bau der Badeanstalt im Stadtteil Gamp. In nur drei Monaten Bauzeit wurde aus dem alten Triftkanal in Höhe der damaligen Zellulosefabrik die neue Halleiner Badeattraktion. Den Badegästen an der Salzach standen 4.000 Quadratmeter Wasserfläche zur Verfügung, aufgeteilt auf zwei Becken, wovon das größere Bassin eine Länge von 190 Metern aufwies. Neben dem großen Planschbecken für die Kinder und einer Schwimmschule gab es noch Sprungtürme, oder an Seilen befestigte Ringe zum Schwingen, sowie ein großes Strand-Restaurant. Vor allem aber stand eine einzigartige Rutsche im Mittelpunkt des Interesses. Auf diesem sogenannten „Riesentobbogan“ konnten sich die wagemutigen Benutzer auf den mit Rollen versehenen, schlittenartigen Gefährten mit bis zu 40 km/h in die Tiefe bzw. in das Wasser stürzen. Diese Attraktion gab es neben Hallein nur noch in Zürich, Luzern und Venedig. So groß der Gästezuspruch auch war, dem Bad auf der Pitschachinsel war nur eine kurze Lebensdauer beschieden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die schon reichlich verwahrloste Anlage als Waschplatz für amerikanische Militärfahrzeuge verwendet. Dabei soll auch einmal versehentlich ein US-Panzer versenkt worden sein.

Beliebte Badeplätze im Tennengau
Seit dem 21. Juli 1961 bietet nun das Schlossbad Wiespach auf einer Gesamtfläche von 32.000 m² seinen jährlich rund 55.000 Badegästen die Gelegenheit zum ungetrübten Badespaß in Hallein. Wer hingegen, wie zu den Anfangszeiten der Badekultur, Abkühlung in den Flussbädern sucht, ist im Tennengau auch gut bedient.
Einer der beliebtesten Orte für naturnahen, kostenlosen Badespaß ist wohl die Königsseeache in der Höhe Rif-Taxach. Nicht weniger populär ist die Taugl flussabwärts von der Römerbrücke in Bad Vigaun. Hier gibt es harmlose Stromschnellen und Felsauswaschungen, die es beinahe mit dem Riesentobbogan aufnehmen können. Weil das Gebiet an der Taugl gleichzeitig auch ein bedeutendes Naturschutzgebiet ist, müssen aber bestimmte Benützungszeiten eingehalten werden. Ein kaum bekanntes Flussbadeareal bietet der Aubach im Abtenauer Ortsteil Voglau. Bevor sich der aus der Weitenau hereinströmende Bach über zwei beeindruckende Wasserfälle in die Lammer stürzt, eröffnen der Aubach und seine Schotterbänke in aller Stille noch wunderbare Gelegenheiten zum Durchatmen und Eintauchen.