Volle Kraft voraus!
Cassandra Rühmling bringt Thomas Bernhards „Immanuel Kant“ zum 95. Geburtstag des Schriftstellers als Salzburger Erstaufführung auf die Bühne. Die Theatermacherin, Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin und Komponistin verbindet dabei Bernhards scharfen Blick auf die Welt mit einer Inszenierung, die mitten in die Gegenwart führt.
„Dampfpfeifen pfeifen! Wind West Nordwest. Volle Kraft voraus!“ – mit diesem Ruf beginnt eine höchst ungewöhnliche Reise. Thomas Bernhards „Immanuel Kant“ spielt an Bord eines Passagierschiffs auf dem Weg nach Amerika. Mit an Bord: der große Philosoph Immanuel Kant, eine Millionärin, Ernst Ludwig und ein Papagei. Dazu ein Lampionfest, eine mögliche Titanic-Bergung und jede Menge philosophischer und gesellschaftlicher Abgründe.
Zum 95. Geburtstag Thomas Bernhards bringt Cassandra Rühmling das groteske Stück als „Immanuel Kant – Auf Hoher See“ erstmals in Salzburg auf die Bühne. Und der Schauplatz ist bewusst gewählt: Die Premiere findet im Café Bazar statt – also nicht in einem klassischen Theaterraum, sondern dort, wo Menschen ohnehin zusammenkommen, diskutieren, beobachten und sich die Welt erklären.
Eine Reise im Kopf

© Foto Flausen
Für Cassandra Rühmling ist Bernhards Stück weit mehr als eine historische Komödie. Es geht um die Frage, wie wir Wirklichkeit wahrnehmen, woran wir glauben und warum wir so oft aneinander vorbeireden. „Der reine Geist prallt auf den Zeitgeist“, beschreibt sie den Gedanken hinter ihrer Inszenierung. Genau darin liegt die Aktualität des Stücks. Bernhards Kant ist überzeugt von seiner eigenen geistigen Größe und versucht, Ordnung in eine Welt zu bringen, die sich dieser Ordnung konsequent entzieht. Der philosophische Anspruch trifft auf menschliche Eitelkeit, Absurdität und gesellschaftliche Widersprüche.
Der kategorische Imperativ begegnet dem kategorischen Konjunktiv. Was ist richtig? Was ist wahr? Und was passiert, wenn alle überzeugt sind, die Welt längst verstanden zu haben? Bernhard beantwortet diese Fragen nicht – er treibt sie auf die Spitze. Sein schwarzer Humor macht aus Philosophie Theater und aus einer Schiffsreise eine groteske Reise durch die menschliche Psyche.
Bernhard außerhalb der großen Häuser
Cassandra Rühmling kennt Bernhards Werk seit Jahren. Sie war die erste Regisseurin Österreichs, die außerhalb staatlicher Institutionen Aufführungsrechte für ein Werk des Autors erhielt und Thomas Bernhard in der freien Szene inszenierte. Seither arbeitet sie eng mit der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft, Dr. Peter Fabjan und dem Suhrkamp Verlag zusammen. Für „Immanuel Kant“ führt sie nicht nur Regie, sondern steht selbst als Millionärin auf der Bühne. An ihrer Seite spielen Stefan Fleming als Kant und Jochen Könnecke als Ernst Ludwig. Die Produktion lebt dabei vom Zusammenspiel unterschiedlicher künstlerischer Ebenen: Bühne und Objekte stammen von Andreas Lettner, das Kostüm gestalten Dorian Wimmer und Jan Meier, Lichtdesign kommt von Ronny Rühmling. Unterstützt wird die Produktion unter anderem von der Kostümabteilung der Salzburger Festspiele.
Theater, das Fragen stellt
Rühmlings eigener Weg führte vom Schauspiel- und Theaterwissenschaftsstudium in Rostock über Philosophie und Logopädie zum Mozarteum Salzburg, wo sie Operngesang und Komposition studierte, und weiter zum Regiestudium nach Wien. Seit 2015 arbeitet sie international als freie Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Komponistin und Theatermacherin.
Heute verbindet sie diese unterschiedlichen Disziplinen in ihren Projekten. Seit 2019 entwickelt sie zudem Theater-Workshops für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Beeinträchtigung. Auch die Musik spielt eine wichtige Rolle: Jazz, Swing, Musical, Wiener Lied und eigene Kompositionen gehören zu ihrem künstlerischen Spektrum.
2025 erhielt sie von der Stadt Salzburg ein Kompositionsstipendium für die Entwicklung eines „Thomas-Bernhard-Klangs“. Ihre Beschäftigung mit dem Autor führte sie dabei auch zur Forschungsstelle Thomas Bernhard der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und zum Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek.
Mit „Immanuel Kant – Auf Hoher See“ treffen nun all diese Interessen aufeinander: Sprache, Schauspiel, Musik, Philosophie und die Lust am Perspektivwechsel. Und das ist auch die Einladung dieses Abends: mit an Bord zu kommen – und sich überraschen zu lassen, wohin diese Reise führt.
„Die Welt ist das, was ich von ihr halte.“
Immanuel Kant – Auf Hoher See
Salzburger Erstaufführung zum 95. Geburtstag Thomas Bernhards
Premiere:
29. Oktober 2026, 19.30 Uhr
Café Bazar, Salzburg
Vorpremiere:
23. Oktober, 20 Uhr
Kulturhaus Emailwerk, Seekirchen
Wien-Premiere:
26. Oktober, 19.30 Uhr
Café Korb, Wien
Weitere Vorstellungen:
FR, 30.10. – 19:30 Uhr – Café Bazar
FR, 06.11. – 19:00 Uhr – Kulturkreis Großgmain Hotel Vötterl
SA, 07.11. – 19:30 Uhr – Seehotel Schwan Gmunden
FR, 13.11. – 19:30 Uhr – Café Bazar
SA, 14.11. – 19:30 Uhr – Café Bazar
FR, 20.11. – 19:30 Uhr – Café Bazar
SA, 21.11. – 19:30 Uhr – Café Bazar
Einführungsvorträge jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn in Kooperation mit dem Stefan Zweig Haus | Literaturarchiv Salzburg.
Tickets: http://theaterplatz.at