Wenn Salzburg seine Wurzeln feiert
Wenn der Sommer zu Ende geht, beginnt in Salzburg eine besondere Zeit. Almabtriebe, Erntedank, Kirchtage, allen voran der Rupertikirtag bringen Menschen zusammen und machen eine Kultur sichtbar, die über Jahrhunderte gewachsen ist. Tracht, Musik, Handwerk und bäuerliches Brauchtum gehören dabei untrennbar zur Identität des Landes.
Text: Doris Thallinger | Fotos: Andreas Kolarik, wildbild, SalzburgerLand Tourismus/Lisa Eiersebner
Es beginnt mit dem Ende des Almsommers. Wenn die Kühe von den Almen ins Tal zurückkehren, geschmückt mit Blumen und begleitet vom Klang ihrer Glocken, wird aus der Heimkehr ein Fest. Der Schmuck ist dabei nicht bloß dekorativ: In der bäuerlichen Tradition wird das Vieh besonders prächtig herausgeputzt, wenn der Almsommer glücklich und ohne größeren Schaden verlaufen ist. Der Almabtrieb wird damit zum sichtbaren Dank für eine gute Saison.
Die Almwirtschaft selbst ist weit mehr als ein romantisches Stück Bergwelt. Sie hat die Salzburger Kulturlandschaft über Jahrhunderte geprägt. Die Bewirtschaftung der Almen hält Weideflächen offen, schafft Lebensräume und bewahrt eine Wirtschaftsweise, die eng mit dem Rhythmus der Jahreszeiten verbunden ist.
Der Bauernherbst: Tradition mit großer Wirkung
Was heute wie ein alteingesessener Bestandteil des Salzburger Jahreslaufs wirkt, ist selbst noch relativ jung: Der Salzburger Bauernherbst wurde 1996 erstmals gefeiert – damals rund um den Obertrumer See in Mattsee, Obertrum und Seeham. Ursprünglich war er als Maßnahme zur Saisonverlängerung gedacht. Aus dem touristischen Konzept entwickelte sich eine landesweite Veranstaltungsreihe, die bäuerliche Kultur, Landwirtschaft, Handwerk und Volksmusik miteinander verbindet. 2026 beteiligen sich 77 Orte, rund 2.000 Veranstaltungen stehen zwischen Mitte August und Ende Oktober auf dem Programm. Rund 14.000 Menschen – darunter Bauern, Handwerker, Musiker, Tänzer, Wirte und Vereine – wirken daran mit.
Dieses Jahr steht mit „G’sungen und g’spielt“ die Musik im Mittelpunkt. Stuben- und Familienmusik, kleine Volksmusikgruppen, Musikantenstammtische und Heimatabende gehören zum Programm.

Vom Kirchtag zum Kirtag
Zu den älteren Formen dieser Festkultur gehören die Kirchtage. Ihr Ursprung liegt im kirchlichen Jahreslauf: Gefeiert wurde rund um den Gedenktag des Kirchenpatrons oder anlässlich der Weihe einer Kirche. Aus dem religiösen Anlass entwickelte sich ein gesellschaftliches Ereignis mit Musik, Tanz, Essen und Marktgeschehen. Der Kirchtag war früher einer der Höhepunkte des dörflichen Jahres.
Er bot Gelegenheit, Verwandte und Bekannte zu treffen, Geschäfte abzuschließen, zu tanzen und gemeinsam zu feiern.
Die Verbindung von Kirche, Wirtshaus und Dorfplatz prägt diese Festform bis heute.
In Grödig gehört der St. Leonharder Traditionskirtag zum Jahreslauf, in Hüttschlag werden Bauernherbst und Kirchtag verbunden, in Bad Hofgastein wird ebenfalls traditionell gefeiert. Im Flachgau setzt das Ruperti-Stadtfest in Neumarkt am Wallersee einen eigenen Akzent.
Rupert: der Mann hinter dem Fest
Am 24. September feiert Salzburg seinen Landespatron. Der heilige Rupert lebte etwa von 650 bis 716 und kam um 700 nach Salzburg. Die damals weitgehend verfallene römische Siedlung Iuvavum wurde zum Zentrum seiner Mission. Rupert gründete das Kloster St. Peter und legte damit einen entscheidenden Grundstein für die Entwicklung Salzburgs.
Interessant ist auch die Verbindung Ruperts mit dem Salz. Zu den Schenkungen, die mit seiner Tätigkeit verbunden waren, gehörten unter anderem Reichenhall und ein wesentlicher Anteil an der dortigen Salzproduktion. Der Salzhandel über Salzburg trug dazu bei, dass die Stadt bereits 711/12 den Namen Salzburg erhielt. Das berühmte Salzfass, mit dem Rupert dargestellt wird, ist daher kein beliebiges Heiligenattribut, sondern verweist auf die wirtschaftliche Grundlage der Region. Rupert gilt bis heute als wichtiger Patron der Salzburger Bergleute, Salinenarbeiter und Salzschiffer. Sein Gedenktag wurde später zum Salzburger Landesfeiertag.


Rupertikirtag: Stadtgeschichte als Volksfest
In der Stadt Salzburg steht Ende September der Rupertikirtag im Zentrum. Vom 23. bis 27. September 2026 wird rund um den 24. September zu Ehren des Landespatrons gefeiert. Der Kirtag geht auf die Tradition der Domkirchweih zurück und verbindet religiöse Geschichte mit Volkskultur.
Rund um Domplatz, Kapitelplatz, Residenzplatz und die angrenzenden Plätze treffen Volks- und Blasmusik, Handwerk, Tracht und regionale Küche auf historische Fahrgeschäfte. Der Festplatz liegt damit genau dort, wo Salzburgs geistliches und politisches Zentrum über Jahrhunderte verortet war. Der Rupertikirtag erzählt deshalb mehr als eine nette Geschichte vom herbstlichen Volksfest. Er erinnert daran, dass Salzburgs Identität mehrere Ebenen hat: Mozart und Festspiele gehören ebenso dazu wie Dom, Landespatron, Handwerk und Volkskultur.