Ein Festjahr für Autofans
Das Jahr 2026 wird heiß, selten gab es so viele Facelifts, Updates und neue Modelle. Wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual und so lautet das Motto: Nur den Überblick nicht verlieren.
Text: Dominic Schafflinger
Fotos: Auto Wallis, Renault Communications, Volkswagen AG, KIA CORP., Alpine, Ferrari S.P.A., Audi AG, Volvo, Mazda Austria, American Honda Motor Co.
Zwei Fragen stehen 2026 im Fokus. Erstens: Können die Modelle deutscher Autobauer mit den Asiaten mithalten? Vor allem preislich. Zweites: Wird der Verbrenner endgültig zur Rarität? Für Endkunden wird es immer schwieriger, einen modernen Verbrenner zu finden. Jaguar beispielsweise hat 2025 seine Produktion gestoppt, um völlig auf Elektro umzustellen, und BMW rollt seine vollelektrische „Neue Klasse“ aus – mit Rückkehr zum kleinen Nierendesign, progressivem Innenraum und High-End-Digitalisierung. Der iX3 ist schon erhältlich, im Sommer folgt die sportliche Limousine i3. Toyota kündigt für 2026 neue Elektroplattformen mit deutlich höherer Effizienz an. Parallel arbeitet der Konzern weiter an der Feststoffbatterie, die Reichweiten jenseits der 1.000 Kilometer ermöglichen soll. Tesla stellt seine Premium-Modelle Model X und Model S ein, verspricht aber, das Cybercab massentauglich zu machen – ohne Lenkrad und Pedale als komplett autonomes KI-Taxi. Dafür bleibt Range Rover dem Verbrenner treu, stellt aber allen seinen Modellen eine Elektroversion zur Seite. Der Range Rover Electric ist schon bestellbar, Range Rover Sport Electric, Velar Electric und Defender EV sollen ebenfalls dieses Jahr noch folgen.
Charakterstark, aber schwach besetzt
Das A-Segment, also die Kategorie der Kleinwagen, ist rückläufig. Auch wenn Neuauflagen alter Klassiker wie der Fiat Panda zurückgekehrt sind, kommen sie immer mehr als Kompakt-SUV auf die Straße und sind dann meist stattlich gewachsen im Vergleich zum Original. Eine Ausnahme bildet der neue Renault Twingo. Er wird ab 2026 elektrisch angetrieben und bietet dank verschiebbarer Rückbank wahlweise mehr Komfort oder einen größeren Laderaum. Äußerlich ist er wieder beim ikonischen Original von 1993 angekommen. Im Inneren zeigt der Twingo ein junges, verspieltes Design und unterhaltsame Software.
Etwas länger, stärker und eben typisch VW ist der neue ID. Polo. Das Design dürfte eine Mischung aus ID.-Familie und bekanntem Polo-Look werden. VW bietet für sein Einstiegsmodell, das im Mai Weltpremiere feiern wird, zwei verschiedene Batteriegrößen und vier Leistungsstufen bis hinauf zum Polo GTI – alles rein elektrisch. Ganz neu am Markt ist Nio mit seinem schicken Firefly, der Kleinwagen verspricht solide Technik, tolles Design und eine Reichweite von bis zu 330 Kilometern. Wer zu kleinen Verbrennern tendiert, sollte einen Blick auf den neuen Renault Clio werfen, der mit markantem Design daherkommt und bei 115 PS startet.
SUVs im Hosentaschenformat
Die meisten Hersteller bringen ihre Kleinwagen-Modelle nun im SUV-Format. Heraus kommt dabei oft etwas, das nicht ganz ausgewachsen wirkt, aber in der Stadt unschätzbare Vorteile bietet: kompakte Größe und Übersicht. In Sachen elektrisch angetriebener Klein-SUVs dreht der VW-Konzern dieses Jahr voll auf und bringt 2026 mit Skoda Epiq, VW ID. Cross und Cupra Raval gleich mehrere Modelle in Stellung. Bei den Abmessungen liegen alle etwas über vier Metern Länge, und Fahrwerk sowie Batterie dürften zumindest in den Standardvarianten weitgehend identisch sein. Der Unterschied besteht also hauptsächlich im Design und in der individuellen Modellabstimmung, wobei der Raval wohl am sportlichsten auftreten wird und der Epiq das preiswerteste Angebot darstellen dürfte. Zusätzlich positionieren sich auch der Kia EV2 und der Renault 4 E-Tech in dem Segment.
Need for Speed 2026
Die aufregendste Rückkehr des Jahres ist sicher der Honda Prelude – das Original ist eine Legende. Mit seinem 184 PS starken Hybrid-Motor kann er zwar nicht mit reinrassigen Sportwagen mithalten, aber benzinbefeuerten Fahrspaß bringt das Sportcoupé trotzdem reichlich. Wer schon als Teenager vom Prelude geträumt hat, sollte jetzt zugreifen.
Auf PS-starke Neukreationen setzt Alpine mit dem A390. Preislich Oberklasse, optisch Sportlerklasse – er ist eine Klasse für sich. Die Renault-Tochter geht designtechnisch neue Wege. Der Coupé-Crossover wird in der Topvariante 470 PS auf die Straße bringen und Innenraum und Verarbeitung werden mit französischem Stilbewusstsein begeistern.
Mit etwas weniger Leistung kommt der Porsche Cayenne Electric daher, bietet dafür aber mehr Platz. Er wartet mit etlichen Innovationen auf: Eine induktive Ladeplatte für den Garagenboden macht ein Ladekabel überflüssig, die Batterie ist als Cell-to-Body konstruiert und erhöht die Steifigkeit des Fahrzeugs, während adaptive Luftfederung und Hinterachslenkung ein dynamisches Fahrgefühl erzeugen – Porsche eben. Die neue Frontgestaltung hingegen dürfte in Europa nicht überall auf Gegenliebe stoßen.
Ob ein rein elektrischer Ferrari die Herzen höherschlagen lässt, wird sich ebenfalls dieses Jahr zeigen. Ferrari hat dafür jedenfalls eine eigene Elektro-Manufaktur errichtet. Der ‚Luce‘ kommt als sportliches Coupé mit vier Sitzplätzen auf den Markt. Technisch beeindruckt das Fahrzeug mit über 1.000 PS und einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden. Die 800-Volt-Batterie ist tragendes Strukturelement, vier Elektromotoren treiben das Coupé je nach Bedarf variabel an beiden Achsen an. Auch eine Hinterradlenkung dürfte im neuen Ferrari Luce enthalten sein. Leider ist er durch die riesige Batterie sehr schwer, es wird sich herausstellen, wie unterhaltsam es ist, einen über 2,3 Tonnen schweren Ferrari zu fahren – im Mai wird er vorgestellt, und alle Geheimnisse werden gelüftet. Besonders spannend wird, ob er den Xiaomi SU7, der ebenfalls dieses Jahr nach Österreich kommen soll, in die Schranken weisen kann. Die Supersportversion „Ultra“ des China-Coupés hat am Nürburgring die All-Time-Bestzeit unter den Serienlimousinen aufgestellt – beispielsweise wurde der Porsche Taycan um 2,5 Sekunden deklassiert. Es wird also nicht nur ein Jahr voller neuer Modelle, sondern auch das Jahr, in dem wir sehen werden, ob sich Europa wieder den Titel für das schnellste Serienauto zurückholen kann.
Neues aus der Oberklasse
Der Audi A5 bekommt dieses Jahr ein RS-Modell mit V6-Motor als Performance-Plug-in-Hybrid. Auf sich warten lassen hingegen der neue Audi A4 sowie der A2 e-tron – aufgrund von Softwareproblemen in der Partnerschaft mit Rivian dürften diese Modelle nicht vor 2027 erscheinen. Ende des Jahres kommen jedoch ein neuer Q7 sowie der Audi Q9 als direkter Konkurrent zum BMW X7 mit sieben Sitzen. Bei beiden Modellen sind leistungsstarke Benzin- und Dieselmotoren vorgesehen. Wer weniger Sportlichkeit, dafür mehr Digitalisierung sucht, sollte einen Blick auf den neuen Elektro-Mercedes GLB werfen. MBUX Entertainment, MB.OS und Superscreen zählen zu den Highlights. Volvo erweitert seine Palette mit dem EX60 konsequent elektrisch. Das SUV bietet Reichweiten auf Verbrenner-Niveau und extrem kurze Ladezeiten dank 800-Volt-Technologie. Minimalistisches Design und skandinavische Zurückhaltung prägen das Gesamtbild. Ob der vollelektrische Mazda CX-6e zur Oberklasse gehört oder nicht, muss sich noch herausstellen. Preislich liegt er wahrscheinlich stark unter allen anderen hier vertretenen Autos. Der CX-6e ist aber ein eindrucksvolles Fahrzeug, das mit einem unglaublichen 26-Zoll-Entertainmentscreen aufwartet und allerlei technischen Raffinessen wie optionalen Kamerarückspiegeln oder einer Gestensteuerung – die bietet momentan nur BMW oder Mercedes. Verarbeitung und Raumgefühl sind bei Mazda ohnehin ein Traum. Vorbestellt werden kann ab 1. April – kein Scherz.









