Kult auf zwei Rädern
Die Entscheidung, ein Motorrad zu fahren, ist nie Kopfsache, es ist mehr ein Gefühl. Bei manchen geht es um Freiheit, bei anderen um Geschwindigkeit und bei wieder anderen um den ganz großen Auftritt. Es gibt Maschinen, bei denen alles zusammenkommt, dabei spielt der Preis selten eine Rolle, es geht mehr um das Gefühl und darum, der eigenen Interpretation von Freiheit Ausdruck zu verleihen.
Text: Dominic Schafflinger
Fotos: Zweirad Hauthaler/Christoph Hauthaler, Triumph Media, Piaggio & C. S.P.A., Kawasaki Motors Europe, Honda, Adobe Stock, Tschann E., Harley Davidson, MV Agusta Motor S.P.A.
Das Kult-Bike schlechthin gibt es nicht, weiß Christoph Hauthaler, der sich schon sein ganzes berufliches Leben mit Motorrädern beschäftigt: „Es gibt verschiedene Faktoren: Marke, Geschichte, das Design des Motorrades und dessen Innovationen. Kult entsteht unterbewusst, Modelle werden beliebt und die Nachfrage bleibt lange hoch, bis jeder in der Szene das Bike kennt.“
Café Racer
Wenn es darum geht, Blicke zu erbeuten, dann ist der Café Racer das Gefährt der Wahl. „Ein Café Racer hat meist keine großartigen Leistungsdaten oder Fahreigenschaften, ist aber so individuell, dass er einfach gefällt. Wie der Name schon sagt, ist er gebaut, um auf einen Kaffee zu fahren und für sonst nichts“, so Bikeexperte Hauthaler. Entstanden aus der britischen Rocker-Kultur, steht er noch immer für Rebellion und Individualität.
Triumph Speed Twin 1200 Café Racer Edition (2026)
Die Triumph Bonneville steht auf der Wunschliste vieler Biker, aber die Speed Twin 1200 Café Racer Edition, ist der ultimative Traum aus der britischen Motorradschmiede. Limitiert auf 800 Exemplare weltweit, greift das Modell das Design der 60er wieder auf und kombiniert es mit einem großen 1200 Kubik-Motor.
Leistung: 105 PS bei 7.750 U/min
Drehmoment: 112 Nm bei ca. 4.250 U/min
Hubraum: 1200 ccm
Motor: Zweizylinder-Reihenmotor, 270° Hubzapfenversatz
Gewicht: ca. 216 kg
Moto Guzzi V7 Sport (ab 1967)
Für Christoph Hauthaler ist die Moto Guzzi V7 die erste Wahl bei Café Racern: „Die Guzzi V7 wurde ursprünglich in Italien als Polizei- und Militärfahrzeug gebaut und ist das meistverkaufte Moto Guzzi Modell. Sie hat überschaubare Elektronik, verfügt über ein ausgeprägtes Heritage-Design und den ikonischen quer verbauten V2-Motor, für den Moto Guzzi berühmt ist. Alleinstellungsmerkmale sind die Upside Down Gabel und die Doppelscheibenbremsen.“
Baujahr: ab 2025
Leistung: 67,3 PS bei 6.900 U/min
Drehmoment: 79 Nm bei 4.400 U/min
Hubraum: 853 ccm
Motor: luftgekühlter 90°-V2, quer eingebaut
Gewicht: ca. 223 kg
Rennmaschinen – Schönheit unter Spannung
Sie faszinieren, weil sie kompromisslos sind. Alles an ihnen ist auf Präzision und Fahrdynamik ausgerichtet. Die kultigsten Modelle sind aber nicht nur absolut renntauglich, sondern stehen für die Verbindung aus windschnittiger Ästhetik und technischer Präzision.
Honda VFR750R (BJ 1987–1990)
Eigentlich ein Superbike für den Ring, das 1988 und 1989 mit Fred Merkel als Fahrer WM-Titel einfuhr. Doch dann entschloss Honda sich, 5.000 Stück davon auf die Straßen zu bringen. Die limitierte Edition kam mit damals modernster Technik und innovativen Materialien, wie Karbon-Kevlar und Magnesiumteilen, Titan-Pleuelstangen und einarmiger Proarmschwinge – direkt adaptiert aus dem Rennsport.
Leistung: 112 PS bei 11.000 U/min
Drehmoment: 69 Nm bei 9.000 U/min
Hubraum: 749 ccm
Motor: V4, 90°, DOHC, Zahnradantrieb der Nockenwellen
Gewicht: ca. 208 kg
Kawasaki Ninja ZX-10R (BJ ab 2004)
Die Ninja brachte 2004 die Rennstrecke direkt auf die Straße. Giftgrün, laut und kompromisslos – von Chopperfahrern wurde das Bike mit dem Reihenvierzylinder, der erst bei 11.400 Umdrehungen pro Minute seinen Leistungspeak erreichte, gern als „Organspender“ bezeichnet.
Leistung: ca. 203 PS
Drehmoment: ca. 114 Nm
Hubraum: 998 ccm
Gewicht: ca. 207 kg
Ducati 916 (BJ ab 1994)
Die Ducati 916 ließ ab 1994 Technik zur Skulptur werden. Entworfen von Massimo Tamburini ist sie ein Stück italienische Sinnlichkeit. Der V2 sorgt mit seiner engen Bauweise für optimale Massezentralisierung und ist direkt in den leichten Gitterrohrrahmen als tragendes Element kombiniert.
Leistung: 114 PS bei 9.000 U/min
Drehmoment: 90 Nm bei 7.000 U/min
Hubraum: 916 ccm
Motor: V2 „Desmoquattro“, 90°, desmodromische Ventilsteuerung
Gewicht: ca. 198 kg
Enduro – die Romantik des Ungewissen
Die Enduro ist nicht nur Fahrzeug, sondern Projektionsfläche für Abenteuer. Ob dieses Abenteuer real stattfindet oder nur imaginiert wird, ist beinahe zweitrangig. Schon ihre Erscheinung suggeriert Selbstständigkeit, Robustheit und den Willen, sich nicht von Straßen oder Regeln begrenzen zu lassen.
KTM 1390 Super Adventure
„Los ging es 2003 mit der 950 Adventure. Diese Enduro ist genau das Richtige für die Wildnis oder die lange Reise. In ihr steckt modernste Technik: adaptives Abstandsradar, Kurvenlicht und vieles mehr. Die Sicherheitsfeatures stehen im Mittelpunkt. Geländegängigkeit ist die DNA von KTM und macht das Bike zum Kultobjekt“, verrät Hauthaler über diese Abenteurerin made in Austria.
Leistung: ca. 173 PS
Drehmoment: ca. 145 Nm
Hubraum: 1350 ccm
Gewicht: ca. 227 kg
Husqvarna Norden 901
Ursprünglich aus Schweden, verbindet Husqvarna bei der Norden 901 klare, reduzierte Linien mit hoher Funktionalität – fast schon das „Hygge“ unter den Enduros. Mehr Ausstattung und spürbarer Komfort heben sie von vielen Konkurrenten ab. Dabei bleibt die skandinavische Herkunft im Design und im Fahrgefühl jederzeit präsent.
Leistung: ca. 105 PS
Drehmoment: ca. 100 Nm
Hubraum: 889 ccm
Gewicht: ca. 220 kg
Chopper und Streetfighter
Chopper stecken voller Nostalgie – der Westen der USA lässt grüßen, Streetfighter blicken nach vorne – in eine postapokalyptische Welt à la Mad Max.








