„Die Zusammenarbeit hat uns noch nähergebracht“

Seit fast fünf Jahrzehnten steht der Name Nadler in Salzburg für exklusive Schmuckkultur, höchste Handwerkskunst und persönliche Beratung mit Herz.
Was einst als sehr mutiger Schritt eines jungen Ehepaars begann, ist heute ein florierender Familienbetrieb, geführt von zwei starken Frauen: Ilse Nadler und ihrer Tochter Annalisa Nadler, die den Betrieb heute mit modernem Blick und viel Feingefühl führt.
Im Gespräch erzählen Mutter und Tochter über ihren gemeinsamen Weg, über Mut, Veränderung und Vertrauen und die Kunst, im Glanz der Juwelen das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren.
Text: Doris Thallinger
Fotos: Uwe Brandl
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Beginnen wir mit einem Blick in die Vergangenheit. Ilse, wie bist du in der Juwelier-Branche gelandet und welcher Weg hat dich schließlich nach Salzburg geführt?

Ilse: In der Branche bin ich durch Annalisas Vater gelandet, Richard war Uhrmacher-Meister. Wir wollten uns gemeinsam selbstständig machen und haben uns mehrere Geschäfte angeschaut, in Klagenfurt, Linz, Wien… Das Geschäft in Salzburg hat uns am besten gefallen: ein kleiner, etablierter Goldschmiedbetrieb, geführt von einem älteren Ehepaar, das verkaufen wollte. Wir konnten es schließlich auf Leibrente übernehmen – und so begann unsere Geschichte in Salzburg.

Heute ist der Name Nadler untrennbar mit Salzburg verbunden. Was schätzt du persönlich besonders an der Stadt?

Ilse: Die zentrale Lage, das vielfältige Publikum und unsere wunderbaren Kunden – nicht nur aus der Stadt, sondern aus dem ganzen Salzburger Land. Und natürlich auch die Touristen, die das ganze Jahr über kommen. Viele denken, nur während der Festspiele sei viel los – aber tatsächlich sind die Festspiele vor allem eine großartige Werbung für die Stadt und somit auch für uns.

Annalisa, heute stehst du an der Spitze des Unternehmens. War für dich immer klar, dass du in den Familienbetrieb einsteigst?

Annalisa: Als Kind war das Geschäft natürlich immer präsent – ich war bei Messen dabei, habe am Samstag beim Fensterputzen meine ersten Schillinge verdient. Während der Schulzeit war der Weg noch nicht ganz klar. Nach der Matura habe ich beschlossen, es mir einmal anzuschauen. Als sich mein Vater dann entschieden hat, aus der Firma auszuscheiden, standen Mama und ich vor der Entscheidung: Entweder wir probieren es gemeinsam oder wir verkaufen. Bald war klar: Wir machen das! Wir schaffen das, auch als Frauen in einer männerdominierten Branche! Viele haben uns das damals nicht zugetraut. Umso stolzer sind wir darauf, wo wir heute stehen.

Wie war es für dich, in die Fußstapfen deiner Mutter zu treten?

Annalisa: Es waren schon große Fußstapfen! Aber wir haben viele Jahre sehr gut gemeinsam gearbeitet, und sie hat mir völlige Freiheit gelassen und immer gesagt: „Mach es, probier es!“ Und es hat funktioniert. Wir hätten beide nicht gedacht, dass wir uns so gut verstehen würden. Im Geschäft hat es nie große Konflikte gegeben. Und mittlerweile bin ich, glaube ich, in die Fußstapfen hineingewachsen.

Ilse, was schätzt du besonders an der Zusammenarbeit mit deiner Tochter?

Ilse: Wie Annalisa schon gesagt hat: Ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir zwei zusammenarbeiten können – und dann hat es über so viele Jahre so wunderbar funktioniert! Annalisa hat mir Vorschläge gemacht, ich habe zugehört, und wenn es mir gefallen hat, haben wir es ausprobiert. Ich sehe, dass sie vieles anders und auch besser macht als ich – und das finde ich gut! Die Zeiten haben sich verändert.

War es schwer, das Zepter abzugeben?

Ilse: Überhaupt nicht. Aber es hat, wie bei jedem, Zeit gebraucht, nicht mehr im täglichen Berufsleben zu sein. Ich war 23 Jahre alt, als wir das Geschäft übernommen haben – das ist jetzt 48 Jahre her. Wenn man über 40 Jahre gerne einer Tätigkeit nachgeht, prägt es einen und es ist ein großes Geschenk, mit Freude zu arbeiten. Der Kontakt zu den Kunden, das tägliche Miteinander mit Mitarbeitern – das fehlt mir manchmal. Aber es war einfach an der Zeit und ich habe heute auch sehr viele andere Interessen.

Und ganz weg vom Geschäft bist du ja nach wie vor nicht …

Ilse: Nein, natürlich nicht. Wenn es Veranstaltungen gibt oder Aufgaben, die viel Zeit beanspruchen, springe ich gerne ein. Und es gibt auch Mitarbeiter, die sich richtig freuen, wenn ich komme – wir kennen uns ja seit vielen Jahren. Das ist schön.

Wie hat sich eure Mutter-Tochter-Beziehung durch die Zusammenarbeit verändert?

Ilse: Sie ist auf jeden Fall noch besser geworden.
Annalisa: Das finde ich auch. Wobei im Geschäft selbst wenig Zeit für Privates war. Wir haben einfach gearbeitet. Aber die Zusammenarbeit hat uns tatsächlich noch nähergebracht.

Annalisa, was machst du heute bewusst anders als deine Mutter?

Annalisa: Ich versuche, noch mehr Verantwortung an unser Team abzugeben. Als ich vor elf Jahren Mama wurde, wollte ich diese Rolle auch leben und habe mich ein bisschen zurückgenommen. Damals war natürlich meine Mutter noch im Geschäft, aber auch jetzt gönne ich mir die Nachmittage mit meinen Kindern. Ich habe vollstes Vertrauen in mein Team und es funktioniert großartig. Das war meiner Mama damals nicht so möglich, nachdem mein Vater ausgestiegen ist. Und natürlich spielt Digitalisierung heute eine große Rolle: Social Media, Online-Auftritt – das hat sich in den letzten zehn Jahren massiv verändert. Trotzdem halten wir vieles bewusst traditionell.

Würdest du dir wünschen, dass deine Kinder später ins Unternehmen einsteigen?

Annalisa: Sie sprechen natürlich manchmal davon, wie schön die Sachen sind. Aber ich mache weder mir noch ihnen Druck. Ich möchte, dass sie machen, was sie gerne wollen, dass sie eine Leidenschaft für den Beruf haben, den sie einmal ergreifen.

Ilse: Lustigerweise war es erst unlängst Thema, was sie einmal werden wollen. Die Antwort war: Lehrerin oder Juwelierin. Offenbar sind das gute Vorbilder – und das finde ich sehr schön.

Was ist für dich die wichtigste Botschaft, was sind die Werte, die du deinen Kindern mitgeben möchtest?

Annalisa: Ich bin ein großer Verfechter davon, dass man positiv bleibt, egal was passiert, sollte die Positivität im Vordergrund stehen. Außerdem erleben unsere Kinder, dass Fleiß eine wichtige Rolle im Leben spielt. Sie sehen, die Mama arbeitet, der Papa arbeitet und wir erklären ihnen, dass wir arbeiten gehen, damit wir zum Beispiel in den Herbstferien verreisen können. Ich finde es wichtig, dass ein Kind versteht: Wenn man arbeitet und fleißig ist, dann kann man sich auch etwas leisten. Was ich ihnen darüber hinaus vermitteln möchte, ist Dankbarkeit oder sogar Demut dafür, in Österreich, in Frieden zu leben.

Ilse: Und soziale Kompetenz. Wenn eine Lehrerin mir sagt, wie hilfsbereit und sozial meine Enkelin ist, freut mich das besonders. Nicht nur an sich selbst zu denken ist ebenfalls sehr wichtig.

Ilse, du hast vorhin bereits angesprochen, dass du nun mehr Zeit für andere Interessen hast. Wie verbringst du deine neu gewonnene Freizeit?

Ilse: Ich war gerade ein paar Tage in Kroatien, dann in Kärnten – das genieße ich sehr. Außerdem versuche ich, regelmäßiger Golf zu spielen. Offiziell spiele ich seit über 15 Jahren, aber bisher war ich das Mitglied, das zahlt, und nie spielt. Nun leiste ich mir jeden Dienstag eine Trainerstunde und hoffe, dass ich künftig öfter am Golfplatz sein werde. Ich gehe gerne Radfahren und spazieren, ab und zu auch wandern. Es gibt einen Mann, der mich immer wieder liebevoll in die Natur bringt. Und ich versuche, meine Freundschaften zu pflegen. Ich glaube, je älter man wird, umso wichtiger werden diese. Das Allerwichtigste sind die Menschen. Besonders die Familie ist das Größte, das Positivste, das Schönste, was man haben kann.

Annalisa, wie tankst du Kraft, woraus schöpfst du Energie für den Alltag?

Annalisa: Mein Tag ist schon sehr durchgetaktet. In der Früh die Kinder fertig machen, um sieben aus dem Haus, um halb acht im Geschäft – dafür gönne ich mir aber, wie gesagt, den Nachmittag mit den Kindern und daraus schöpfe ich auch Energie. Außerdem versuche ich, ein wenig Sport unterzubringen und auch mir sind Freundschaften sehr wichtig. Bei uns zuhause herrscht oft Open House, mir macht es Freude, wenn spontan Gäste kommen und was los ist.

Wir sind in Salzburg umgeben von Kunst und Kultur. Welchen Stellenwert haben diese in eurem Leben?

Ilse: Für mich einen sehr großen Stellenwert. Ich bin froh, dass wir so viele Möglichkeiten haben, und kann mir jetzt auch mehr Zeit dafür nehmen, sei es, dass ich mittlerweile ein Theater-Abo habe oder dass ich – im Gegensatz zu früher – ganz ohne Hetzerei und Eile zu den Festspielen gehen kann. Ich gehe auch gerne zu Ausstellungen. Kunst interessiert mich sehr und bereitet mir viel Freude.

Annalisa: Die Festspiele gehören einfach dazu, wenn man schon in Salzburg leben darf. Diese besuchen wir jedes Jahr.

Was in Salzburg auch oft dazugehört, ist das Sehen und Gesehenwerden. Wie wichtig ist das gesellschaftliche Leben für euch persönlich und beruflich?
Annalisa: Beruflich wäre es sicher wichtig. Wäre! Mir persönlich, muss ich ehrlich zugeben, ist es nicht wichtig, überall dabei und auf jedem Foto zu sein. Ausgewählte Veranstaltungen besuche ich aber natürlich gerne. Jedoch, nachdem wir viele Vorfälle mit Einbrüchen und Überfällen zu verzeichnen hatten, habe ich mich generell ein wenig zurückgenommen. Man muss nicht überall dabei sein.

Ihr seid den ganzen Tag umgeben von den schönsten Preziosen. Was sind eure Lieblingsschmuckstücke, die ihr vielleicht sogar regelmäßig tragt?

Ilse: Meinen großen Brillantanhänger habe ich immer um den Hals und diese Ohrstecker gehören einfach zu mir. Diese trage ich immer, selbst wenn ich ins Wasser springe. Ich wechsle meinen Schmuck viel zu selten, dabei habe ich sehr schöne Stücke. Viele haben auch einen ideellen Wert, da man sie zum Beispiel zu einem besonderen Anlass bekommen hat. Das ist auch das Positive an unserer Branche: Schmuck ist immer mit schönen Emotionen verbunden.

Annalisa: Und zwar egal, ob man sich selbst etwas Schönes leistet oder man jemandem eine Freude machen will. Auch ich habe von der Mama zu besonderen Anlässen größere Diamanten geschenkt bekommen und diese trage ich fast täglich. Das sind meine Lieblingsstücke.

Ilse: Natürlich ist der Diamant für uns DER Stein schlechthin. Da stehen wir zu 100 Prozent dahinter.

Was bedeutet für euch persönlich Luxus?

Ilse: Zeit – ganz klar. Zeit mit Annalisa und den Kindern und meinem Partner. Gemeinsam Skifahren, gemeinsam an den See – das ist unbezahlbar. Zeit mit der Familie ist für mich das Schönste.

Annalisa: Zeit und Unabhängigkeit. Wir leben in einer Luxuswelt, sind natürlich jeden Tag von Luxus umgeben – von Stücken, die man nicht braucht, aber die große Freude bereiten – und natürlich eine gewisse Wertbeständigkeit haben. Aber der wahre Luxus für mich persönlich ist, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die man liebt.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft. Was ist euer persönlicher Wunsch für die Zukunft?

Ilse: Ich wünsche mir, dass es noch zehn Jahre so weitergeht, wie es derzeit ist. Wenn ich dann 80 Jahre alt bin und noch so hier sitze, klar im Kopf bin und alles machen kann, was ich möchte, wäre das großartig. Das ist mein größter Wunsch.

Annalisa: Im Geschäft wünsche ich mir, dass es so gut weiterläuft. Ich habe ein sensationelles Team, auf das ich mich verlassen kann. Wir haben tolle Marken, wir haben glückliche Kunden. Wenn es so weitergeht, wie es jetzt ist, steht einer rosigen Zukunft nichts im Wege. Privat darf es auch gern so bleiben, wie es ist. Wir sind gesund, wir leben im Paradies. Mehr kann man sich gar nicht wünschen.