Gesellschaft & Kultur

Lesezeit: 4 Minuten

Was man keinesfalls sagen darf

Text: Stephan Kaindl-Hönig

Fotos: Stephan Kaindl-Hönig

Editorial Dezember 2020

Wir erleben gerade ein großes Aufatmen rund um den Globus, weil Donald Trump in Bälde endlich seinen Schreibtisch wird räumen müssen. Er hat die letzten Jahre viel an Miteinander zerstört, Chaos geschaffen und gezeigt, dass es nicht gleichgültig ist, sich mit den Dingen zu beschäftigen und zur Wahlurne zu gehen, damit so etwas nicht mehr passieren kann. Was uns noch in Jahren an ihn erinnern wird, ist der Begriff „Fake News“, dem er eine völlig neue Dimension verliehen hat. Gerade dieses warnende Beispiel sollte sich uns allen ins Gehirn eingebrannt haben, weshalb ich darauf gleich nochmals zurückkommen darf.

Ich möchte nicht über die Pandemie sprechen, sondern darüber, was die greifbare Lösung womöglich noch lange Zeit verhindert. Es gilt als sicher, dass wir Gott sei Dank ab Anfang 2021 nach und nach mit einer Impfung rechnen können und damit Licht in Sicht ist, für eine wiederkehrende Normalität und einen langsamen Aufschwung der betroffenen Wirtschaft. Was ich nicht verstehen kann ist, dass zuerst die schiere Angst im Vordergrund stand, gefolgt von massiven Existenzängsten und die scheinbare Ausweglosigkeit aus der zweifellos größten Krise seit Jahrzehnten. Dann wich diese Angst im Sommer der befürchteten Gewohnheit und vielfach wurde der unsichtbaren Feind vergessen und/oder verdrängt. Die Folgen verbuchten wir im Herbst mit hohen Infektionszahlen und Opfern, die weit über dem Frühjahr lagen, gerade auch im Bundesland Salzburg.

Zum fatalsten Zeitpunkt erlebte man beispielsweise bei einem Einkauf im Supermarkt – als pro Einkaufendem ein Einkaufswagen verwendet werden musste (damit der Abstand und die Anzahl der Personen reglementiert an die Anzahl der zur Verfügung gestellten Wägen angepasst werden kann) –, dass sich lauthals eine Dame outete, die meinte, sie sei Krankenschwester und diese Sicherheitsmaßnahmen seien völlig übertrieben. Genau hier kommen wir an den Punkt, der das tatsächliche Problem unserer Zeit zeigt: Plötzlich wird die Krankenschwester zur Ärztin und jeder zum Virologen, Fachmann und Sprachrohr. Die kurze Recherche in gut aufgemachten Webplattformen ersetzt dann noch das Studium und führt zum fatalen Irrtum.

Von der vormals vehementen Suche nach der Impfung, ging es sofort nach dem Paukenschlag über in ein Nicht-impfen-wollen, denn nur 30 % und à la longue 50 % unserer Bevölkerung möchte sich nach Umfragen derzeit impfen lassen. Welcher Wahnsinn! Wenn man die Gründe hinterfragt, sieht man, wie gravierend die Fehlinformationen sind, die zu völlig falschen Meinungen und Entscheidungen führen. Wir müssen uns nämlich selbst gewaltig an der Nase nehmen, um nicht mit dem „Fake News“-Strom Vollgas mitzuschwimmen.

Ich frage mich, was der Staat, das Gesundheitssystem, die Unternehmer und die Wirtschaft noch alles tragen sollen? Alles ist selbstverständlich geworden, eine unglaubliche Maßlosigkeit. Es zählt die Vernunft eines jeden Einzelnen, seinen Beitrag zu leisten, auch wenn er selbst vielleicht glimpflich davonkommen würde, aber es ist auch die menschliche Verantwortung seinem Nächsten gegenüber, der vielleicht daran schwer erkranken oder gar sterben könnte. Wie kann man hier einen Freiheitswahn der Selbstbestimmung so rücksichtslos einseitig sehen? Es wird nur und ausschließlich gemeinsam gehen, solidarisch und Hand in Hand. Eine Grundsatzfrage an das eigene Gewissen.

Ich persönlich wäre nach einer erfolgreichen ersten großen Impfwelle sogar für eine Pflichtimpfung, gerade deshalb, da die Eindämmung nur durch die Masse der Geimpften wird funktionieren können. Da diese gesetzlich scheinbar nicht möglich ist, würde ich es begrüßen, wenn jene, die die Impfung nicht machen möchten, die Behandlung im Falle einer Ansteckung selbst tragen müssen. Einen weiteren Irrglauben kann ich auch gleich entkräften: Es ist nicht so, sich im Ansteckungsfalle schnell im Vorbeigehen impfen lassen zu können. Dann ist es zu spät!

Für mich habe ich vor langer Zeit beschlossen, dass ich als lebendiger Mensch Stellung beziehen muss, mich nicht einfach einverleiben lasse – was für mich einer faktischen Selbstaufgabe gleichkommen würde, also einem Ersticken in Oberflächlichem. Bitte verstehen Sie meine Versuche des Wachrütteln-wollens keinesfalls negativ, auch wenn Sie anderer Meinung sind. Es zählen neben persönlichen Grundsätzen die Fakten (43.000 Probanden bei der ersten Testimpfung ohne nennenswerte Nebenwirkungen) und eine klare Auseinandersetzung vor dem ethischen Hintergrund des Mitmenschen.

Ich hoffe, das Interview mit Frau Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt als Top Expertin und der Kommentar vom Rektor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl, werden Ihnen bei Ihrer Entscheidungsfindung helfen können.

Seien Sie herzlich gegrüßt,

Stephan Kaindl-Hönig
Herausgeber