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Literatur im Schloss

Fotos: Erich Freidl

Literaturveranstaltungsreihe im Schloss Kuenburg in Tamsweg

Wer liest, kennt ihn. Wer Bücher schenkt, geht zu ihm. Wer nicht genau weiß, was interessant und neu ist am Büchermarkt, lässt sich von ihm beraten: Wolfgang Pfeifenberger gibt seit nunmehr drei Jahrzehnten der Literatur im Lungau einen festen Platz. Nicht nur in seiner ansprechenden Buchhandlung, dem Büchergewölbe, sondern auch immer wieder bei Buchpräsentationen der in seinem Verlag erschienenen Bücher und natürlich auch bei Lesungen.

Das Jahr 2021 eröffnet Wolfgang Pfeifenberger kulturell heuer ganz neu: Mit „Literatur im Schloss“ bringt er gemeinsam mit seinem Team Roswitha Jeßner und Eva Adelbrecht sowie in enger Zusammenarbeit mit Robert Wimmer und der LKV bekannte Größen wie auch aufstrebende JungautorInnen nach Tamsweg. Im Rahmen von „Literatur im Schloss“ als neue Initiative für den Lungau kommen im historischen Ambiente des Schloss Kuenburg Autoren und Publikum zusammen. Gerade in unserer aktuellen Zeit ist das Verlangen nach Begegnungen und Austausch groß – eine Lesung ist sicherlich eine wundervolle Gelegenheit, das geschriebene Wort lebendig werden zu lassen, den Autor oder die Autorin zu hören und mit ihnen als Zuhörerschaft gemeinsam in deren Welt abzutauchen. Literatur wird so direkt und komfortabel serviert, an einem Platz zum Wohlfühlen und Genießen. Das diesjährige Programm kann sich sehen lassen! Katharina J. Ferner, Franzobel, Hubert Achleitner, Karl-Markus Gauß und Reinhold Bilgeri werden im Frühjahr, Sommer und Herbst mit ihren jüngsten Werken fünf unvergessliche Abende gestalten.

Literatur ist so vielfältig, Literatur eröffnet Türen zu neuen Welten, Literatur spielt das Leben – und das wollen wir alle wieder spüren! „Literatur im Schloss“ will aus einem literarischen Erlebnis heraus etwas in Bewegung bringen, neugierig machen, faszinieren, und: die Freude am Lesen wecken.

Der Anbeginn von Katharina J. Ferner

Ein Leben beginnt, eines endet – so lautet ein uraltes, geheimnisvolles Gesetz. Wird ein Kind geboren, stirbt seine Großmutter und wird vom Fährmann geholt. Ein Mädchen wächst heran in einer archaischen Dorfgesellschaft zwischen feinsinnigen Künstlereltern und der toten Großmutter, der Bäckerin Svenja, den Tanten Ida und Ada, durchlebt Initiationsriten, entdeckt seine Talente und deren Gefahren und ist sich immer bewusst: Ein Kind bedeutet den Tod der Mutter … So schließt sich der Kreis.

Katharina J. Ferner taucht tief in eine zauberhafte Welt voller Abgründe und zeichnet in plastischer, sinnlicher Sprache Schicksale einer abgeschiedenen Dorfgemeinschaft inmitten wilder Natur – düster, magisch, erdig. Katharina J. Ferner lebt als Poetin und Performerin in Salzburg. Redaktionsmitglied mehrerer Literaturzeitschriften: &Radieschen, Morgenschtean und Mosaik. 2017 Stadtschreiberin in Hausach (D). 2019 Lyrikstipendium am Schriftstellerhaus Stuttgart. Jüngste Veröffentlichung „Der Anbeginn“ (Limbus). Seit 2020 arbeitet sie gemeinsam mit anderen Autoren mit der Lungauer Kulturvereinigung über das Format „Junge Literatur im Lungau“ zusammen.

Die Eroberung Amerikas von Franzobel

Ferdinand Desoto hatte Pizarro nach Peru begleitet, dem Inkakönig Schach und Spanisch beigebracht, dessen Schwester geschwängert und mit dem Sklavenhandel ein Vermögen gemacht. Er war bereits berühmt, als er 1538 eine große Expedition nach Florida startete, die eine einzige Spur der Verwüstung durch den Süden Amerikas zog. Knapp 500 Jahre später klagt ein New Yorker Anwalt im Namen aller indigenen Stämme auf Rückgabe der gesamten USA an die Ureinwohner.

Franzobels neuer Roman ist ein Feuerwerk des Einfallsreichtums und ein Gleichnis für die von Gier und Egoismus gesteuerte Gesellschaft, die von eitlen und unfähigen Führern in den Untergang gelenkt wird. Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, erhielt u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1995), den Arthur-Schnitzler-Preis (2002) und den Nicolas-Born-Preis (2017). Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Krimis „Wiener Wunder“ (2014), „Groschens Grab“ (2015) und „Rechtswalzer“ (2019) sowie 2017 der Roman „Das Floß der Medusa“, für den er auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand und mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschien 2021 der Roman „Die Eroberung Amerikas“.

flüchtig von Hubert Achleitner

Hubert von Goiserns literarisches Debüt: Ein musikalischer Roman über Liebe, Sehnsucht und das flüchtige Glück. Maria ist verschwunden. Seit Monaten hat Herwig, mit dem sie seit fast dreißig Jahren verheiratet ist, nichts von ihr gehört. Dass sie ihren Job gekündigt und seinen Volvo mitgenommen hat, lässt zumindest hoffen, dass sie noch am Leben ist. Doch was ist passiert, mit ihrer Ehe, ihrer Liebe, ihrem gemeinsamen Leben? Hubert Achleitner schickt seine Protagonisten auf eine abenteuerliche Reise, die sie von den österreichischen Bergen quer durch Europa bis nach Griechenland führt. Und die für beide doch in erster Linie eine hochemotionale Reise in ihr Inneres bedeutet. Ein weiser und sehr musikalischer Roman über Liebe und Sehnsucht, das Schicksal und das flüchtige Glück … „Flüchtig wie die angezupften Töne der Bouzouki waren die Begegnungen mit diesen Menschen. Dennoch hinterließ jeder von ihnen eine Melodie in meinem Herzen, die weiterschwingt.“ Hubert Achleitner, bekannt als Hubert von Goisern, wurde 1952 in Bad Goisern geboren. Er gilt als prononciertester Vertreter der „Neuen Volksmusik“ und Erfinder des sogenannten „Alpenrock“. Seine Interpretation alpenländischer Musik ist stilübergreifend und inspiriert von anderen Kulturen. Die „Linz Europa Tour 2007–2009“ gilt bis heute als eines der größten grenzübergreifenden Musikprojekte unserer Zeit. „flüchtig“ ist sein erster Roman.

Die unaufhörliche Wanderung von Karl-Markus Gauß

Was man immer schon von Karl-Markus Gauß lesen wollte: Ob er über einen muslimischen Sommelier im albanischen Berat berichtet oder die verblüffende Geschichte des größten Truppenübungsplatzes Mitteleuropas erzählt, ob er den Reichtum der europäischen Sprachen preist oder die sensationshungrigen Gaffer von heute mit den Besuchern der Gladiatorenkämpfe von einst kurzschließt, immer folgen wir den Spuren eines feinfühligen Flaneurs, der aus Einzelheiten ein welthaltiges Ganzes formt. In seinem neuen Buch besticht der „Spezialist fürs Entlegene“ (NZZ) als eigensinniger Aufklärer, als Meister vieler Genres und eleganter Stilist.

Karl-Markus Gauß, geboren 1954 in Salzburg, wo er heute als Autor und Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik lebt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und oftmals ausgezeichnet, darunter mit dem Prix Charles Veillon, dem Johann-Heinrich-Merck-Preis und dem Jean-Améry-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt „Der Alltag der Welt“ (2015), „Zwanzig Lewa oder tot“ (2017) und „Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“ (2019).

Die Liebe im leisen Land von Reinhold Bilgeri

Stille Tage in New York. Sie waren doch eigentlich ein stimmiges Paar: Amy, die ehrgeizige Amerikanerin aus gutem Hause, und der Journalist und Arthur Rimbaud verehrende Österreicher Tom. Stürmisch verliebt und einander bedingungslos ergeben, heirateten sie. Doch nach und nach zeigen sich Risse, schleichen sich erste Misstöne in die Harmonie ihrer Ehe. Als eine Pandemie auch New York heimsucht und das alltägliche Leben zum Stillstand kommt, ist die Konfrontation mit ihren Problemen unausweichlich. Denn Stille ist nicht immer friedlich. Innere Konflikte, Ängste und Zweifel, Träume und Sehnsüchte kommen ans Licht und werden zur Zerreißprobe für das Paar … Mag. Reinhold Bilgeri, geboren in Hohenems/Vorarlberg, ist Singer-Songwriter, Drehbuchautor, Filmemacher und Schriftsteller. Als Pop-/Rocksänger verkaufte er international über 3 Millionen Tonträger und veröffentlichte 2005 mit »Der Atem des Himmels« seinen ersten Roman, der zum Bestseller avancierte.