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Der Sozialroutenplan für Westösterreich

Text: Doris Thallinger

Fotos: ifz Salzburg

Ein digitaler Wegweiser bei sozialen Problemen

Der Zugang zu sozialen Unterstützungsleistungen ist durch zahlreiche Hürden geprägt. Viele Menschen, die der sozialen Hilfe bedürfen, laufen dadurch Gefahr, unzureichend versorgt zu werden. Um dem zu begegnen, will das ifz Salzburg den in den Städten Salzburg und Innsbruck etablierten „Sozialroutenplan“ auf neue, digitale Beine stellen – und zudem auf die gesamten Bundesländer Salzburg und Tirol sowie Vorarlberg ausweiten. Die betroffenen Menschen werden möglichst eng in den Entstehungsprozess eingebunden. Das Projekt läuft über drei Jahre und wird durch eine Förderung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ermöglicht.

„Unsere Vision besteht darin, dass alle Menschen, die daran interessiert sind, eigens entwickelte digitale Werkzeuge nutzen können, um sich über soziale Unterstützungsleistungen zu informieren. Das sollte idealerweise aus eigener Kraft möglich sein oder wenigstens durch die Unterstützung von Sozialeinrichtungen. Insgesamt sollen alle Personen, die eine entsprechende Unterstützung benötigen und Anspruch darauf haben, sie auch erhalten“, so Andreas Exenberger, Projektleiter (Universität Innsbruck).

Ausgangssituation

In Westösterreich sind mindestens 300.000 Menschen auf den Zugang zu sozialen Unterstützungsleistungen angewiesen. Das betrifft unterschiedliche Gruppen: von der alleinerziehenden Mutter über Pflegebedürftige bis zu Menschen, die plötzlich ihren Job verlieren. Digitalisierung kann hier Ausgrenzung verstärken, aber auch Chancen bieten, wenn man sie richtig umsetzt. Beides wird durch die jüngsten Erfahrungen während der Covid-19-Pandemie noch unterstrichen.

Für die Entwicklung und Umsetzung eines digitalen und erweiterten Sozialroutenplans für Westösterreich wurde ein Dreiländer-Konsortium aus fünf wissenschaftlichen Einrichtungen, drei IT-Unternehmen und 14 Sozialeinrichtungen gebildet. Es soll zudem ein integrierter und partizipativer Prozess mit jenen Menschen entstehen, für die der digitale Sozialroutenplan gedacht ist. Zur Anwendung gelangt ein Service-Design-Thinking – kombiniert mit einem Service-User-Involvement-Ansatz. Dabei handelt es sich um eine Herangehensweise in der Produktentwicklung, die sich eng an den Bedürfnissen der künftigen Nutzer und Nutzerinnen orientiert und diese im gesamten Entwicklungsprozess einbindet.

Ergebnisse

Das Projekt strebt mehrere digitale Werkzeuge als Ergebnis an (mobile App, Web-Anwendung, etc.). Personen, die soziale Unterstützungsleistungen brauchen, sollen Informationen über Beratungsstellen, Angebote und Voraussetzungen sowie rechtliche Rahmenbedingungen in möglichst niederschwelliger Form erhalten. Barrierefreiheit, Usability und Anti-Diskriminierung sind zentrale Grundprinzipien in der Entwicklung.

Vision

Am Ende dieses Projekts soll ein Best-Practice-Beispiel stehen: So viele Menschen wie möglich, die eine soziale Unterstützung benötigen und Anspruch darauf haben, sollen sie auch erhalten. Die Potenziale der Digitalisierung sollen bestmöglich ausgenutzt werden. Es sollen aber auch Erkenntnisse über die Grenzen der Digitalisierung wachsen, in zweierlei Hinsicht: Wie können diese Grenzen verschoben werden? Und was lässt sich schlicht nicht digitalisieren?