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„Der Sonntag ist uns heilig!“

Text: Doris Thallinger

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

DIDIlicious, The Bakery, Wernbacher – in Salzburg kommt man heute kaum an Didi Maier vorbei. Wie er aus dem Schatten seiner berühmten Mutter treten konnte, warum er sich für den Kochberuf entschieden hat und was das Geheimnis einer guten Ehe ist, verrät er – zusammen mit Ehefrau Christina – im Interview.

Didi, du stammst aus einer sehr bekannten Hoteliers-Familie. Was sind deine prägendsten Erinnerungen an deine Kindheit?
Die prägendsten Einschnitte waren sicher, dass die Eltern immer viel gearbeitet haben. Aber auch, dass, wenn ich als kleiner Bub von der Volksschule heimgekommen bin, immer jemand daheim war. Wir haben damals noch im Hotel Hubertus gelebt, erst viel, viel später ist das Privathaus meiner Eltern dazugekommen. Egal, was ich gebraucht habe, vom Orangensaft bis zum Kuchen, habe ich mir immer holen können und auch immer zum Papa kommen können, wenn irgendwas war. Früher hat es in den Hotels so eine Art Stammtisch gegeben. Mein Opa ist dort den ganzen Tag gesessen. Wenn ich mittags aus der Schule nachhause gekommen bin, hab ich mich dazugesetzt, mit dem Opa zu Mittag gegessen und meine Hausübung gemacht. Danach bin ich in den Wald spielen gegangen. Das hat den Vorteil gehabt, dass ich so lange spielen konnte, wie ich wollte. Denn erst um 7 Uhr abends ist es jemandem aufgefallen: Wo ist denn der Didi? Das ist so eine typische Kindheitserinnerung. Und: In der Früh, bevor ich in die Schule gegangen bin, bin ich immer runter in die Almbar und hab nach Kleingeld gesucht. Denn die Gäste haben immer gern ein paar Münzen in den Ritzen verloren. Einmal bin ich sehr erschrocken, weil ein Herr noch in der Almbar gelegen ist und sich ausgeschlafen hat.

War es für dich damals schon klar, dass du einmal beruflich in dieselbe Richtung gehen möchtest wie deine Eltern?
Mit 15 Jahren musste ich mein Sommerpraktikum machen. Da haben mir meine Eltern freie Wahl gelassen. In diesen Sommerferien habe ich mir drei Betriebe angeschaut: eine Tischlerei, in der mein Papa gerade drei Beistelltische in Auftrag gegeben hatte, danach durfte ich bei einem Salzburger Rechtsanwalt mithelfen und natürlich in unserem Betrieb in der Backstube. Was halt sofort funktioniert hat, war mein erster Gugelhupf. Darum hab ich mich eigentlich entschieden, den Schritt des geringsten Widerstands zu gehen: Der Gugelhupf ist gleich was geworden – bei allem anderen hab ich mich mehr anstrengen müssen. Dass Kochen auch sehr intensiv und anstrengend ist, hab ich erst etwas später erkannt. Aber damals schien es mir die richtige Wahl zu sein, eine Kochlehre bei meiner Mama zu machen.

Wie ging es dir damit, im gleichen Bereich wie deine berühmte Mutter zu arbeiten?
Die Lehrjahre waren zäh für mich. Im ersten und zweiten Lehrjahr habe ich sehr viel gelernt und dann auch schon ziemlich was gekonnt. Aber nicht im Sinne von „Ich kann gut Leberknödel kochen“, sondern ich habe super bretonischen Hummer zerlegen und braten können. Also Haute Cuisine. Im dritten Lehrjahr habe ich an vielen Lehrlingswettbewerben teilgenommen und einen nach dem anderen gewonnen: Bezirks-Cup, Salzburg-Cup, österreichweit; eine Goldmedaille nach der anderen eingehamstert. Sodass ich mir gedacht hab: Ich bin so klasse! Das ist leider der Fehler, dass man, wenn man 17/18 Jahre alt ist, glaubt, man könne schon alles. Aber – ich war mitten im dritten Lehrjahr – da gab es einen Berufsschulwettbewerb auf Landesebene. Ich habe mich nicht darauf vorbereitet und nicht so angestrengt und „nur“ eine Bronze-Medaille gemacht. Da hab ich gesehen, ich muss mich doch anstrengen, um zu gewinnen! Witzigerweise war diese Bronze-Medaille einer meiner wichtigsten Meilensteine, der mir gezeigt hat, dass ich doch noch einiges zu lernen hatte.

Nach der Lehre bin ich gleich ins Ausland gegangen. Meine erste Stelle nach der Lehre war bei Dieter Müller im Schloss Lerbach, in Bergisch Gladbach, einem der besten Häuser in Deutschland. Bei Dieter Müller habe ich sehr viel gelernt: Ich hatte das Glück, sein Commis zu sein, nicht sein Chef de Partie. Ich war quasi der Lehrbub vom Chef. Dadurch lernt man aber, wie große Köche denken. Ein Jahr später bin ich nachhause gekommen. Allerdings: Keiner hätte damals den Didi Maier als Koch genommen – aus Angst, dass ich Wissen oder Rezepte an eine Johanna Maier weitergeben könnte. Darum war für mich immer klar, ich muss ohnehin ins Ausland, denn daheim finde ich nur sehr schwer eine Stelle! Heute, wir neuen, jungen Köche haben ein gutes Verhältnis untereinander. Wir tauschen Rezepte aus, sprechen uns ab… Das hat sich gewandelt, wir sind lockerer geworden. Man muss ohnehin seine eigene Handschrift entwickeln. Wenn die Leute deine Handschrift mögen, kommen sie immer wieder. Mein Anspruch ist, Genuss für jedermann! Wir kochen Gerichte, die man sich normalerweise eher nicht leistet, wie z. B. eine gute Trüffelpasta, zu einem geringeren Preis.

Damit hast du nicht nur deine eigene Handschrift entwickelt, sondern auch ein Konzept, mit dem du dich von dem großen Namen Johanna Maier abheben kannst?
Wie lebt man mit dem, dass man der Bub von der Johanna Maier ist? Ich glaube, wäre meine Mama nur mittelmäßig
gewesen, wäre vielleicht mein Ehrgeiz bei mir nicht so geweckt geworden. Aber so war es einfach: Sie ist die große Köchin und das schwebt immer über dir. Um jemals aus diesem Schatten zu treten, muss man sich komplett abnabeln und ein eigenes Konzept entwickeln. Nur so wird man nicht mehr verglichen. Und so fiel damals auch die Entscheidung, als wir gesagt haben, wir eröffnen das DIDIlicious in einem Einkaufszentrum. Ich danke dem Herrn Wild, dem Chef der SES (Spar European Shopping Centers/Europark) immer wieder, dass wir diese Chance bekommen haben.

Es war eine Entscheidung, die du mit deiner Frau Christina getroffen hast, ihr habt euch mittlerweile vieles zusammen aufgebaut. Aber, wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?
Christina: Kennengelernt haben wir uns in Bad Kleinkirchheim, im Hotel von Didis Schwester. Ich hab damals dort gearbeitet und war schon fix verbandelt, hatte sogar schon einen Hochzeitstermin und das Brautkleid im Kasten. Und dann ist der Didi gekommen, um sich dort einmal die administrative Seite eines Hotelbetriebs anzuschauen.
Didi: Eigentlich wäre es der Plan meiner Eltern gewesen, dass ich irgendwann das Hotel Hubertus übernehme. Dafür wollte ich Wissen aufsaugen.
Christina: Ich habe dann alle Zelte abgebrochen, die Hochzeit abgesagt. Ich war noch eine Zeitlang bei Didis Schwester und habe später auch im Hotel Hubertus, bei der Johanna gearbeitet.
Didi: Was auch nicht immer einfach war, als Schwiegertochter dazuzukommen.
Christina: Das war ganz schwierig. Später sind wir zusammen ins Ausland gegangen, aber auch als wir zurückgekommen sind, hatten wir unseren Platz noch nicht so ganz gefunden. Die Johanna war damals noch nicht bereit, zurückzutreten und eine Schwiegertochter im Betrieb zu akzeptieren. Irgendwann sind wir dann beide auf die 30 zugegangen, auf diese magische Grenze…
Didi: Ich war 28!
Christina: Okay, auf meine Grenze, ich war 30. Wir waren bereit und haben gesagt: Lass uns das im Europark einfach probieren! Weil es auch eine lebenswerte Gastro ist, es gibt einen fixen freien Tag in der Woche, die Feiertage sind frei. So haben wir uns drüber getraut.
Didi: Aber dennoch, unsere Arbeitstage waren sehr lange… Wir haben noch in Filzmoos gewohnt, das hieß, Abfahrt um 7 Uhr früh, damit wir um 8 Uhr in den Geschäften waren. Dann haben wir von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends durchgearbeitet, nonstop. Wir waren so blauäugig, wir hatten im DIDIlicious ja noch nicht einmal eine Waschmaschine. Mit der dreckigen Wäsche sind wir am Abend nach Filzmoos gefahren, haben Wäsche gewaschen und sind um Mitternacht ins Bett gefallen.
Christina: Wir hatten damals auch schon unser erstes Kind. Und nach nicht allzu langer Zeit ist der Didi dann gekommen: Der Herr Wild hätte da noch eine super Fläche im Erdgeschoß. Wenn wir die nicht nehmen, nimmt sie wer anderer… So ist schließlich The Bakery dazugekommen, Bedingung dafür aber war, dass wir nach Salzburg ziehen!

Was ist das Geheimnis eurer Ehe und, dass ihr privat als auch beruflich so gut zusammen funktioniert?
Didi: Ich weiß meines! Ich hab mich mit 20 ausleben können, hab das auch genossen – es war meine Sturm- und Drangzeit. Aber man wird gescheiter – ich könnte heute gar nicht ohne meine Frau! Ich mag es nicht einmal, wenn ich für zwei, drei Tage nach Wien für Fernsehaufnahmen muss. Die Christina schon. Die war gerade erst mit ihrer Freundin zwei Tage in München. Ach, ist es mir schlecht gegangen…
Christina: Ich glaube, das wird noch auf meinem Grabstein stehen: Sie war zwei Tage allein in München.

Wenn es einmal in einem Betrieb Probleme gibt – nimmt man die Themen des Business mit nach Hause oder kann man das trennen?
Christina: Nein, trennen kann man es nicht. Aber zum Teil funktioniert es auch gerade deshalb so gut, weil wir das zusammen machen. Wenn ich nun z. B. Lehrerin wäre, würde ich vieles nicht verstehen, warum er sich das antut. Dadurch, dass wir zu zweit drinstecken, ist das Verständnis da und man unterstützt sich gegenseitig.
Didi: Wenn wir Urlaub haben, tut es uns aber schon gut, wenn wir weiter weg sind. Urlaub in Salzburg würde wahrscheinlich nicht so gut funktionieren. Wenn wir ein paar Tage frei haben, packen wir die Kinder ein und fahren z. B. gerne nach Grado oder wie erst vor Kurzem, an einem freien Tag, an den Chiemsee. Und: Der Sonntag ist uns heilig!
Was auch sehr gut ist: Wir haben einmal im Monat Date-Night! Da gehen wir gut essen und genießen einfach, die Kinder sind dann bei den Großeltern. Einmal im Monat Date-Night, das ist auch eines der Geheimnisse unserer Ehe! War aber die Idee meiner Frau, muss ich zugeben.

Weihnachten steht vor der Tür – wie werdet ihr das Fest begehen?
Christina: Weihnachten ist dem Didi extrem wichtig! Normalerweise haben wir Weihnachten bei meinen Eltern verbracht, weil Didis Eltern immer gearbeitet haben. Durch Corona hat es sich ein wenig verändert. Letztes Jahr haben wir einmal allein gefeiert. Für heuer haben wir uns das noch nicht so genau überlegt.
Didi: Weihnachten ist mir so wichtig, weil wir es als Kinder nicht so erlebt haben. Während unsere Hotelgäste unten das Weihnachtsmenü bekommen haben, haben wir Kinder oben beim Baum gewartet. Erst um Mitternacht sind unsere Eltern zu uns raufgekommen. Darum finde ich das Fest, wie wir es heute begehen, mit den Kindern, Schwiegereltern, meinen Eltern, wenn sie Zeit haben, mit allen zusammen so besonders. Wir haben mittlerweile eine sehr gute Aufgabenverteilung, jeder steuert was bei, so ist keiner gestresst und wir können genießen. Darum ist mir die Organisation sehr wichtig, damit es dann gemütlich ablaufen kann. Das klasse ist, dass wir am 25. und 26. Dezember geschlossen haben. Die Weihnachtstage in Lofer, wo meine Schwiegereltern wohnen, zu verbringen, war natürlich immer besonders fein: Da geht man Skifahren und wenn man zurückkommt, hat die Schwiegermama schon gekocht, das ist Hochgenuss! Da brauche ich kein Hotel, viel lieber ist mir das Hotel Schwiegermama!

Zur Person

Geboren am 16.11.1983 in Salzburg, entscheidet sich der Sohn von Johanna und Dietmar Maier (Hotel Hubertus, Filzmoos) nach seinem Schulabschluss für eine Kochlehre. Nach etlichen Stationen im Ausland eröffnet Didi Maier
zusammen mit seiner Frau Christina 2014 sein erstes eigenes Restaurant DIDIlicious im Europark, nur ein Jahr später folgt The Bakery, ebenfalls im Europark. Im Sommer 2020 übernimmt er das Traditionscafé Wernbacher in der Salzburger Innenstadt. Darüber hinaus ist Didi Maier regelmäßig zu Gast in TV Kochshows und hat soeben sein erstes Kochbuch „Cook your life“ auf den Markt gebracht. Didi und Christina Maier, seit 15 Jahren ein Paar und seit 10 Jahren verheiratet, leben mit ihren beiden Söhnen (7 und 10 Jahre) in Salzburg.