Auto & Motorrad

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Alles teuer?!

Text: Natalie Zettl

Fotos: ©Eisenhans - stock.adobe.com, ÖAMTC, Auto Frey

Wer sich 2021 einen Neuwagen anschaffen will, muss mehr Geld in die Hand nehmen als noch im letzten Jahr: Änderungen bei der Normverbrauchsabgabe (kurz NoVA) und der motorbezogenen Versicherungssteuer sorgen dafür, dass die Preise steigen.

Was bedeutet das für Autofahrer? Wen betreffen die Neuerungen? Und spricht die Preiserhöhung möglicherweise verstärkt für den Kauf eines Gebrauchtwagens? Wir klären auf.

Die neue NoVA und der Endverbraucher
Wer in Österreich einen Neuwagen kaufen möchte, muss neben dem Kaufpreis einmalig die sogenannte Normverbrauchsabgabe, kurz NoVA, bezahlen. Mit 01.01.2021 stieg die NoVA laut ÖAMTC für circa die Hälfte aller Neuwägen. ÖAMTC-Rechtsexpertin Martina Schlegel-Lanz erklärt: „In erster Linie betreffen die NoVA-Erhöhungen große und motorstarke Autos – aber nicht nur. Letztlich wird aber in den nächsten Jahren kein Käufer davon unberührt bleiben.“ Der nächste Sprung wird bereits im Juli 2021 folgen und zumindest bis 2024 ist kein Ende des Aufwärtstrends in Sicht. „In den meisten Fällen wird die NoVA jährlich für ein und dasselbe Auto um einen Prozentpunkt steigen“, so Martina Schlegel-Lanz. „Ein Praxisbeispiel: Bei einem Auto um 30.000 Euro netto bedeutet das in der Regel ein Plus von 300 Euro pro Jahr.“ Zusätzlich gilt die NoVA ab 1. Juli 2021 nicht nur für PKWs, sondern auch für leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen – beispielsweise für die Lieferfahrzeuge kleiner Betriebe. Apropos: Auch für die Privatnutzung von Firmenfahrzeugen fallen künftig höhere Steuern an: Bei Fahrzeugen, die 2021 erstmals zugelassen werden, müssen ab einem CO2-Grenzwert von 138 Gramm je Kilometer 2 Prozent (statt wie bisher 1,5 Prozent) der Anschaffungskosten pro Monat versteuert werden. Übrigens: Auch für Motorräder steigt die NoVA: Ab 1. Juli 2021 gilt ein Höchststeuersatz von 30 Prozent (statt wie bisher 20 Prozent). Gute Neuigkeiten dagegen gibt es für Menschen mit Behinderung: Laut ÖAMTC ist ab Juli bei Vorliegen einer Befreiung auch das NoVA-befreite Leasing eines Neufahrzeugs möglich – bisher galt dies nur für den Kauf.


Motorbezogene Versicherungssteuer Neuberechnung
Nicht nur die NoVA wird teurer: Für Fahrzeuge, die ab dem 1. Oktober 2020 erstmals zugelassen wurden, wird die motorbezogene Versicherungssteuer, kurz mbVSt, die laufend gemeinsam mit der Prämie für die Haftpflichtversicherung eingehoben wird, neu berechnet: Sie wird nunmehr nicht nur nach der Leistung, sondern auch nach dem CO2-Ausstoß berechnet. Bedeutet in der Praxis: Im Sinne von Umwelt und Geldbörserl ist es empfehlenswert, auf einen niedrigen CO2-Ausstoß zu achten. Für bereits vor der Änderung zugelassene Fahrzeuge bleibt die motorbezogene Versicherungssteuer allerdings gleich.

„Nicht nur große, schwere Fahrzeuge sollen in die Pflicht genommen werden“

NoVA und mbVSt werden also teurer für den Verbraucher. ÖAMTC-Rechtsexpertin Martina Schlegel-Lanz beantwortet unsere Fragen nach den Konsequenzen für den Autofahrer und spricht Empfehlungen für den Autokauf aus.

Womit lassen sich die Verteuerungen bei NoVA und mbVSt begründen – gerade jetzt in einer Krise, die den Mittelstand finanziell mehr oder weniger schwer trifft?
Die Erhöhungen der NoVA und der motorbezogenen Versicherungssteuer zum Jahreswechsel wurden bereits im Herbst 2019, also noch vor der Corona-Krise, beschlossen. Die zusätzlichen Verschärfungen der NoVA ab Juli 2021 bis zumindest ins Jahr 2024 wurden jedoch erst kürzlich beschlossen. Klimaschutz als zentrales Anliegen pausiert auch nicht während einer Pandemie. Ziel der Reform war es vorrangig, große, schwere Fahrzeuge, die laut Fahrzeugpapieren mehr CO2 ausstoßen, in die Pflicht zu nehmen. Abzulehnen ist jedoch eine flächendeckende Steuererhöhung für nahezu alle Fahrzeuge, speziell jetzt in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.

Sprechen die Erhöhungen der NoVA zunehmend für den Kauf eines Gebrauchtwagens?
Jein. Künftige Verkäufer eines Gebrauchtwagens, die mehr an NoVA gezahlt haben, werden vermutlich versuchen, einen höheren Preis beim Weiterverkauf zu erzielen. Dennoch ist der Kaufpreis eines Gebrauchten oft deutlich geringer. Nachteil ist dafür, dass einerseits oft schon die Herstellergarantie abgelaufen ist und man andererseits als Laie Gefahr läuft, die „Katze im Sack“ zu kaufen. Wer beim Gebrauchtwagenkauf Geld sparen möchte, sollte unbedingt einen Ankaufstest machen. Das kostet zwar zunächst wieder etwas, jedoch rentiert sich jeder investierte Euro. Man verhindert Fehlkäufe, aufgedeckte Probleme können oft noch auf Kosten des Verkäufers saniert werden bzw. spielen sie bei der Preisverhandlung eine große Rolle. Die Kaufüberprüfung ist also eine gute Methode, sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.

Ausblick: Quo vadis – soll der Verbraucher in Richtung E-Auto „gedrängt“ werden?
Nicht unbedingt: Wenn man mit Steuern etwas lenken möchte, muss es auch die Möglichkeit geben, sich ökologisch richtig zu verhalten. Aktuell sind Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auch mit Förderungen noch sehr teuer und es fehlt am Markt noch die Typenvielfalt, um die unterschiedlichen Bedürfnisse abzudecken. Ein großes Problem ist auch noch die mangelnde Transparenz beim Laden und das Installieren von Wallboxen in Mehrparteienhäusern. Denn nur wer weiß, wo, wie und zu welchen Kosten man täglich aufladen kann, lässt sich zum Umstieg ermutigen.

„Österreich ist nicht gerade autofahrerfreundlich“

Kritisch sieht die Neuerungen Sebastian Arbeiter, Verkaufsleiter für Gebrauchtwagen bei Auto Frey. Im Gespräch mit der SALZBURGERIN gibt er Tipps zum Autokauf.

Haben Sie das Gefühl, die Kunden wissen überhaupt über die Neuerungen Bescheid?
Kunden, die beispielsweise in ihrem Unternehmen eine Flotte an Nutzfahrzeugen haben, sind meist ausreichend informiert. Bei Privatkunden sind diese Neuerungen tatsächlich oft noch nicht komplett angekommen.

Lohnt sich aufgrund der neuen NoVA der Kauf eines Gebrauchten?
Das kommt auf das Auto an. Bei den Volumens-Motorisierungen ist der Sprung nicht so groß, dass es wirklich flächendeckend ins Gewicht fallen würde – wenn man allerdings ein stark motorisiertes Auto möchte, kann es durchaus Sinn machen. Meine Vermutung ist außerdem, dass viele Autohäuser vor dem 1. Juli zahlreiche Autos als Vorführwägen anmelden und diese dann als „Gebrauchte“ verkaufen werden.

Wenn man sich für einen Gebrauchten entscheidet – was spricht aus Ihrer Sicht für den Kauf bei einem Händler im Gegensatz zum Privatkauf, der ja oft billiger ist?
Ja, es stimmt: Beim Privatkauf gibt es oftmals Schnäppchen. Trotzdem läuft man beim Händler nicht Gefahr, die „Katze im Sack“ zu kaufen: Es gibt eine Gewährleistung sowie eine Gebrauchtwagengarantie – bei Auto Frey beispielsweise standardmäßig ein Jahr. Der Kunde kann sich sicher sein, ein perfekt serviciertes Auto zu bekommen und kann sogar sein altes Fahrzeug eintauschen. Was ein Privatverkäufer zudem nie bieten kann, ist natürlich eine Finanzierung.

Wie sehen Sie die Zukunft der Automobilbranche? Wird das E-Auto das Fahrzeug der Zukunft werden?
Generell ist Österreich ja nicht das autofahrerfreundlichste Pflaster: Wir haben unverständlicherweise überdurchschnittlich hohe Steuern – was ein eigenes Thema ist, das durchaus die Gemüter erregt. Aber momentan liegen E-Autos natürlich im Trend: Es gibt viele Förderungen und einzelne Marken (beispielsweise Jaguar) setzen in einigen Jahren sogar ausschließlich auf Elektromotoren. Aktuell muss man trotzdem sagen: Auf der Langstrecke ist ein Diesel noch immer am effizientesten – und das Stromnetz wäre auch noch nicht genügend ausgebaut für die flächendeckende Nutzung von E-Autos.