Zwischen Cocooning und Couture
Die Modetrends für Herbst und Winter 2025/26

Wenn die Tage kürzer werden, beginnt in der Mode eine Zeit der Ruhe – und der großen Auftritte. Die Herbst-/Wintermode 2025/26 folgt diesem doppelten Impuls mit Kollektionen, die Wärme schenken und zugleich Statements setzen. Zwischen Cocooning und Power-Dressing, Handwerk und High-Tech.
Text: Doris Thallinger
Fotos: Hersteller

Oversized bleibt – wird aber neu gedacht. Jacken, Capes und Mäntel zeigen skulpturale Linien, die an Architektur erinnern: runde Schultern, überlange Ärmel, asymmetrische Säume. Gleichzeitig feiern taillierte Silhouetten ihr Comeback – etwa bei Blazern mit Schnürdetails oder Gürteln, die die Körpermitte betonen. Das Spiel aus Volumen und Struktur verleiht der neuen Weiblichkeit Spannung und Stärke.

Materialien: Haptik als Statement

Nach der Form kommt die Textur. Bouclé, Mohair, Fake Fur und wattierte Stoffe laden zum Anfassen ein. Leder wirkt weich und fließend, oft in gedeckten Tönen wie Cognac, Nachtblau oder Tannengrün. Naturmaterialien begegnen technischen Textilien – Loden mit recyceltem Nylon, Wolle mit Glanzbeschichtung. Nachhaltigkeit ist hier kein Zusatz, sondern Teil der Ästhetik. Denim tritt opulent auf: Jeanshosen und -jacken mit 3D-Blumen, Stickereien, Nieten und funkelnden Applikationen.

Farbwelten: Melancholie und Mut

Schwarz bleibt das Fundament, bekommt aber Gesellschaft: Tiefe Beerentöne, verbranntes Orange, rostiges Braun und Tintenblau schaffen Wärme mit einem Hauch Melancholie. Gebrochene Weißtöne wie Eierschale, Alabaster und Nebelgrau feiern ihr Comeback, besonders im Layering. Wer wagt, kombiniert mehrere Nuancen einer Farbfamilie und erzeugt so subtile Dynamik.

Romantik zeigt sich selbstbewusst: Der „Princess Chic“ bringt Tüll, Schleifen, Altrosa und florale Applikationen zurück – nicht als Märchenflucht, sondern als ironisch-verspieltes Stilmittel. Transparente Stoffe wie Chiffon oder Tüll erscheinen im Herbst im cleveren Layering – sinnlich, ohne zu entblößen. Dazu passt der Mut zu Kontrasten: Bourbon-Vanille trifft auf Rehbraun, Orange auf Blau, Pink auf Rot. Besonders eindrucksvoll wirken diese Farben auf strukturierten Stoffen oder im Mix mit Karos und Animal Prints.

Strick: Kraft in Maschen

Strick ist in dieser Saison mehr als Begleitung – er übernimmt die Hauptrolle. Maxi-Strickkleider, weite Pullover mit Cut-outs, gestrickte Hosenanzüge und Capes mit Reliefstrukturen prägen die Looks. Grober Strick trifft auf feine Layers aus Chiffon oder Spitze. Gleichzeitig setzt der Streetstyle auf Funktion: Steppmäntel mit übergroßen Taschen, hybride Sneaker-Boots, modulare Rucksäcke. Minimalistische Techno-Anzüge, wasserabweisend und knitterfrei, runden das Bild ab.

Accessoires: Zwischen Objekt und Kuschelzone

Mützen mit Ohrenklappen, voluminöse Schals, pelzige Taschen – Accessoires dürfen Spaß machen. Im Fokus: Statement-Handschuhe, ob in Leder mit Reißverschluss oder gestrickt mit grafischen Mustern. Die Brosche erlebt ihr Revival – mal floral, mal geometrisch, oft als ironisches Zitat. Schmuck und Objekt verschmelzen.

Die Herbst-/Wintermode 2025/26 ist vielschichtig und lässt Raum für Individualität. Die Mode dieser Saison ist eben nicht dazu da, um sich zu verstecken, sondern – ganz im Gegenteil – um sich zu zeigen.