Reise

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Wohin geht die Reise?

Text: Doris Thallinger

Fotos: Andreas Hauch; ii-graphics, Pasko Maksim - stock.adobe.com; www.wildbild.at

Die Reiselust ist groß, jeder fiebert dem nächsten möglichen Urlaub entgegen. An Zeit und Geld scheitert es kaum, die einzige Frage: Was wird diesen Sommer möglich sein?

Die Branche gibt sich optimistisch. Und die Reiselust ist ohnehin ungebrochen. Aktuelle Studien zeigen, dass der Großteil der Österreicher dieses Jahr verreisen möchte – Corona zum Trotz. Stellt sich nur die Frage, wohin? Welche Länder werden wir dieses Jahr bereisen dürfen und unter welchen Auflagen?
Noch ist das Buchungsgeschehen verhalten – neben der Reiselust zeigen sich auch Bedenken, weniger aufgrund von Sorge einer Ansteckung als ob der großen Unsicherheit, ob eine gebuchte Reise dann auch stattfinden kann.

Mit Optimismus in den Sommer
„Als Berufsoptimistin behaupte ich: Der Sommer wird super!“, blickt Bettina Ganghofer, Direktorin des Flughafens Salzburg, positiv in die kommenden Monate. „Optimistisch bin ich deshalb, weil sich bereits viele Destinationen von Salzburg aus auftun. Tatsächlich schaut der Sommerflugplan – derzeit noch auf dem Papier – sehr spannend aus. Es wird ein schöneres und bunteres Angebot geben als zum Teil vor Corona!“

Hoch im Kurs stehen die griechischen Inseln. Das alljährliche TUI-Ranking der beliebtesten Reiseziele wird angeführt von Kreta, gefolgt von Mallorca, Rhodos und Kos. Der Vorteil für uns Salzburger: Alle vier Destinationen sind direkt von Salzburg aus erreichbar. Brandneu wird ab Sommer 2021 darüber hinaus die Insel Zakynthos angeflogen. Ebenfalls neu kommt dieses Jahr die italienische Destination Lamezia Terme in Kalabrien mit auf den Flugplan (zusätzlich zu Sizilien und Sardinien). Und auch wenn Flughafen-Direktorin Ganghofer besonders erfreut ist, dass voraussichtlich ab Mai zum ersten Mal Direktflüge ab Salzburg nach Dubai (und über Dubai in den Rest der Welt) angeboten werden können, glaubt sie, dass der Sommerurlaub 2021 vorwiegend in den EU-Staaten stattfinden wird: „Reisen innerhalb der EU werden am leichtesten durchzuführen sein. Ein Faktor wird natürlich auch die Impfung sein – die Überlegungen zum Grünen Pass geben Grund zur Hoffnung.“

Urlaubshunger vs. Unsicherheit
Das Fernweh ist groß, aber eben auch die Bedenken: Was, wenn die Einreisebestimmungen aufrecht bleiben? Wenn sich die Situation im Zielland verschlechtert? Wenn neuerliche Lockdowns wieder ein Beherbergungsverbot mit sich bringen? Wird die Reise überhaupt stattfinden können? Was, wenn ich selbst in Quarantäne muss? Die Themen Sicherheit, Flexibilität sowie optimal angepasste Stornobedingungen stehen im Vordergrund.

„Im letzten Jahr war Corona ein Novum. In vielen Fällen konnte kostenlos storniert werden. Es ist damit zu rechnen, dass es im Sommer weiterhin für viele Staaten der Welt Reisewarnungen geben wird. Die Gefährdungslage am Urlaubsort ist vorhersehbar, weswegen mitunter nicht mehr kostenlos storniert werden kann“, erklärt Angela Riegler, stv. Direktorin der Arbeiterkammer Salzburg. „Erkundigen Sie sich darum vor der Buchung über die Stornobedingungen einer Reise. Ideal wäre es, sowohl bei Individual- als auch bei Pauschalreisen, mit dem Vertragspartner schriftlich eine kostenlose Stornomöglichkeit bis zum Reiseantritt zu vereinbaren. Reiseanbieter werben bereits mit solchen Möglichkeiten.“

Eine kostenfreie Stornierung der Reise könne vom Veranstalter abgelehnt werden, wenn zum Zeitpunkt der Reisebuchung ein bestimmter Umstand schon bekannt war, warnt auch ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner: „Entscheidet man sich letztendlich selbst gegen die Reise, weil z.B. im Reiseland coronabedingte Einschränkungen gelten oder man gesundheitliche Bedenken hat, ist eine kostenfreie Stornierung unter Umständen nicht möglich.“

Pauschalreisen bevorzugt
Noch am besten absichern kann sich, wer eine Pauschalreise, idealerweise über ein Reisebüro, bucht. Damit ist man rechtlich am besten abgesichert, falls die Reise abgesagt wird oder der Reiseveranstalter insolvent wird. „Bei Individualreisen, beispielsweise wenn nur der Flug oder das Hotel gebucht wird, gibt es keine Insolvenzabsicherung. Im Falle der Insolvenz des Hotelbetreibers oder der Fluglinie bestehen praktisch keine Chancen, bereits geleistete Zahlungen zurück zu erhalten. Pauschalreisende sind besser abgesichert. Sie erhalten im Falle einer Insolvenz des Reiseveranstalters Reisepreis oder Anzahlung zurück“, erklärt Angela Riegler. Sollten bereits nach Buchung einer Pauschalreise plötzlich Zweifel aufkommen, rät der ÖAMTC jedoch von einem verfrühten Reiserücktritt ab: In diesem Fall könnten die Veranstalter auf Stornogebühren bestehen, selbst wenn die Reise letztendlich tatsächlich nicht stattfinden kann!

Vorsicht geboten ist auch bei Reisestornoversicherungen, denn: „Viele Reisestornoversicherungen greifen im Falle einer Pandemie nicht. Sie beinhalten entsprechende Ausschlussklauseln. Fallen Stornokosten an, werden sie von der Versicherung in der Regel nicht übernommen. Unser Tipp: Checken Sie die Bedingungen einer angebotenen Stornoversicherung sehr genau!“, rät Angela Riegler.

Interview mit Mario Jooss

„Corona tut der Reiselust keinen Abbruch“

Reisen sei ein Grundbedürfnis, sagt Mario Jooss, Leiter der Tourismusforschung an der FH Salzburg. Allerdings werde sich die Branche neu ausrichten.

In welche Richtung entwickelt sich der Tourismus?
Durch die Pandemie werden wir zunehmend einen nachhaltigen Tourismus, geprägt durch digitale Techno-logien, erleben. Dazu wurde im Juni 2020 eine Studie veröffentlicht, die die Tourismusforschung im Zuge eines Forschungs-Projektes umsetzte. Die zentralen Ergebnisse: Die Digitalisierung hat sich bereits vor der Covid-19 Krise im Tourismus beschleunigt. Aufgrund der Pandemie hat es in diesem Kontext nochmals einen gewaltigen Sprung vorwärts gegeben. Digitalisierung spielt eine große Rolle im Bereich Sicherheit und Hygiene, da viele Dienstleistungen in Zukunft kontaktlos angeboten werden: Zugang zum Lift, Eingang mittels Schiebetüren im Hotel, kontaktlose Bezahlung usw.

Welche langfristigen Auswirkungen wird die Corona-Krise auf die gesamte Branche haben?
Die Tourismusbranche wird sich auf komplett neue Rahmenbedingungen ausrichten. Zwar gibt es Stimmen, die darauf verweisen, dass bisherige Krisen immer wieder zur Konsolidierung des vorherigen Status quo, ja sogar zu verstärktem Wachstum im Tourismus führten.1 Aber die Covid-19 Pandemie ist anders: Destinationen weltweit sind in einem nie zuvor erlebten Ausmaß betroffen, und diese Komplexität der Krise birgt die Chance zu einer Transformation des Tourismus, die bis dato unmöglich erschien.2

Somit wird die Covid-19 Krise zu einem Window of opportunity für die Neujustierung des Tourismus. Der durch den fast globalen Lockdown erzwungene Reisestopp, führt die Anbieter schon jetzt zum Umdenken, da nicht nur alte Fluggeräte stillgelegt und somit Airlineflotten technisch nachhaltiger werden, sondern auch neue Reiseformen an Bedeutung gewinnen.

Welche Konzepte werden künftig Erfolg bringen?
Es entwickelt sich ein Fokus bezüglich eines Qualitätstourismus, in dem Kennziffern nicht nur an klassischen Wachstumskennziffern ausgerichtet sind.
Dies kann alles die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus stärken. Gleichzeitig ist die Branche aber durch hohe Kapazitäten geprägt. Außerdem wurden in der Vergangenheit Krisen immer wieder mithilfe klassischer Wachstumsansätze überwunden. Zudem werden gerade große Konzerne mit staatlichen Hilfen unterstützt. Dies spricht eher dafür, dass die nachhaltigen Ansätze nicht automatisch an Bedeutung gewinnen werden. Dennoch ist die Chance groß, dass das Thema Nachhaltigkeit zentraler Treiber zukünftiger touristischer Entwicklung sein wird.

Wird es Tourismus, wie wir ihn kennen, jemals wieder geben?
Corona tut der Reiselust keinen Abbruch! In der zuvor genannten Studie der Tourismusforschung geben 28 % der befragten Personen an, pandemiebedingt im Jahr 2020 nicht mehr verreisen zu können oder zu wollen, was, gemessen an der Tragweite der Pandemie, als niedriger Wert einzustufen ist. Knapp 30 % möchten zukünftig sogar häufiger reisen als vor der Corona-Krise!

1 vgl. 09/11 Terroranschläge in 2001 oder die Finanzkrise 2008 (Ioannides & Gyimóthy, 2020) 2 Niewiadomski, 2020

Aktuelle Reisewarnungen in Bezug auf Covid 19

Gelb: Hohes Sicherheitsrisiko/Land
Orange: Reisewarnung

Quelle: BMEIA, Stand: März 2021