Gesellschaft & Kultur

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„Wir wollen den Glanz der Musik zeigen“

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

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Von Nashville führte ihn sein Weg – über einige Stationen – nach Bad Reichenhall: Seit rund einem Jahr ist Daniel Spaw nun Chefdirigent und Künstlerischer Leiter der Bad Reichenhaller Philharmoniker. Im Interview zieht er ein erstes Fazit und spricht über seine Vision und die Highlights der Konzertsaison 2022.

Wie lautet Ihr Fazit über Ihr erstes Jahr als Chefdirigent der Bad Reichenhaller Philharmoniker?
Es war ein sehr abenteuerliches erstes Jahr, in dem ich das Orchester in verschiedensten Phasen und Aufstellungen erleben durfte. Mein Start in Bad Reichenhall fiel in den totalen Lockdown, als natürlich keine Konzerte stattfinden konnten. So haben wir damit begonnen, Aufnahmen aufzuzeichnen für Radio und auf Video. Hier in der Rotunde, über die Bühne und den Publikumsbereich verteilt, fanden diese Proben und Aufnahmen statt, mit viel Abstand zueinander. Danach starteten wir drei Live-Streams auf RFO, dem Regionalfernsehen Oberbayern. Dabei durfte ich erste Konzertstimmung miterleben. Seit dem Sommer gibt es wieder Konzerte vor Publikum. Mein erstes Jahr war also
geprägt von kurzfristiger Planung und Improvisation. Ich habe es aber nicht negativ empfunden: Wir hatten einfach eine Situation zu meistern, um uns unserem Publikum präsentieren zu können.

Was ist Ihre Vision für die Bad Reichenhaller Philharmoniker?
Wir sind ein sehr traditionsreiches Orchester, insbesondere durch unsere Kurkonzerte. Diese stammen aus einer ganz anderen Zeit. Heute ist es meine Vision, diese Art von Konzerten, unser Repertoire, für unsere Zeit noch relevanter zu machen. Wir kämpfen ein bisschen mit einem verstaubten Image. Dem ist aber nicht so: Wir wollen den Glanz dieser
Musik zeigen, nicht den Staub darauf. Ich will die Musik lebendig präsentieren. Ich moderiere jedes Kurkonzert an, und das möchte ich bei den Philharmonischen Konzerten auch anfangen. Dabei merke ich, dass, wenn man die vierte Wand durchbricht und das Publikum anspricht, es sofort eine andere Verbindung gibt, nicht nur zur Musik, sondern auch zu uns.

Die kommende Konzertsaison steht vor der Tür – worauf darf man sich 2022 freuen?
Die Spielzeit startet mit einem Programm, das ich mit „Volkstanz“ betitelt habe: Zum 150. Jubiläum von Ralph Vaughan Williams spielen wir seine Ouvertüre „The Wasps“, danach das Violinkonzert von Jean Sibelius und schließlich Beethovens 6. Sinfonie, die „Pastorale“. Für das zweite Konzert, „Virtuosité/Grâce“, kommt Jasmine Choi, eine der bekanntesten Flötistinnen unserer Zeit nach Bad Reichenhall und spielt u. a. die „Introduction et rondo capriccioso“ von Camille Saint-Saëns nach ihrer eigenen Transkription auf der Flöte. Und ein Konzert, auf das ich mich besonders freue, ist „New World“ mit der 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvořák , „Central Park in the Dark“ von Charles Ives, einem merikanischen Komponisten, der wahnsinnig vorausschauende Werke geschaffen hat, sowie „Knoxville: Summer of 1915“ von Samuel Barber. Seine Musik wird in Europa kaum gespielt, aber ich bin mit seiner Musik groß geworden: Könnte ich komponieren, ich würde genau so eine Musik schreiben wollen! Also vieles, was aus der „Neuen Welt“ stammt, inklusive mir!

Wie sind Sie ursprünglich zur Musik gekommen?
Es gibt Fotos von mir, als ich – damals noch in der Windel – auf der Klavierbank sitze und, ich glaube, bei Happy Birthday, die Töne für mich entdeckt habe. Schon mit drei Jahren habe ich Geige begonnen und mit fünf mit dem Klavierunterricht, ich habe mir nie ein Leben ohne Klavier vorstellen können. Schon als Kind waren Orchesteraufnahmen das Spannendste, das ich kannte. Ich wollte schon damals mit einem Orchester arbeiten, ohne überhaupt noch zu wissen, was dirigieren bedeutet.

Zur Person

Geboren in Nashville, Tennessee entdeckt Daniel Spaw früh seine Liebe zur Musik. An der Indiana University in Bloomington studiert er Klavier, danach Orchesterleitung an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Nach dem Studium beginnt er seine Berufslaufbahn am Linzer Landestheater, wo er 2015 zum Kapellmeister ernannt wird. Von 2017 bis 2020 fungiert Spaw als 1. Kapellmeister und Stellvertretender Musikdirektor am Theater Hof. Seit November 2020 ist Daniel Spaw Generalmusikdirektor und Künstlerischer Leiter der Bad Reichenhaller Philharmoniker.