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Willkommenskultur

Ein Artikel von Christian Heugl

Wie viel Wildnis verträgt der Tennengau? Alle Singvögel aus dem Süden oder etwa auch der clowneske Waldrapp aus der Toskana sind herzlich willkommen. Bär, Luchs und Wolf sollen lieber draußen vor der Landesgrenze bleiben. Diese Beutegreifer sind zu wild, sie nehmen uns etwas weg und machen uns Angst. Genauso wie der Fischotter oder der Reiher, die unsere Fischbestände dezimieren. Der Biber geht gerade noch, aber dass er sich zunehmend an den gesunden Uferbäumen vergreift, ist doch ärgerlich. Die Auswirkungen der kleinen, handverlesenen Population in der Antheringer Salzachau in den 1980er Jahren waren kaum spürbar, aber nun gibt es wieder geschätzte 250 Biber zwischen Salzach, Saalach und Lammer. Eben erst beinahe ausgerottet und schon wird der Nager wieder zum landplagenden Baummörder. So schnell ändern sich die Sympathiewerte, ein Schaf zu viel gerissen – und das ganze Land sollte doch besser zur wolfsfreien Zone werden.

Dabei haben sich die wilden Tiere schon seit Menschengedenken in unserem Lebensraum bewegt. Ein Blick auf die Landkarte beweist es: Wolfschwang am Untersberg, Wolfsgrub bei Adnet und Wolfsgrub bei Wegscheid, oder die Bärenhöhle, der Bärenwirt und der Bärenstuhl im Bluntautal sind nur einige Beispiele. Dort wurden 1824 übrigens noch Luchse gefangen. Mit dem Frühling werden sich die „Wilden“ wieder auf den Weg zu neuen Revieren begeben und sie werden vor den Grenzen nicht Halt machen. Die Spuren, die sie hinterlassen, werden wieder zu Diskussionen führen. Aber es hilft nichts, sie sind ein Teil der Schöpfung und wir werden lernen, (wieder) mit ihnen zu leben.     

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