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Wer mordet in Salzburg


Ob der Domplatz, Hellbrunn, das Gasteinertal oder die Krimmler Wasserfälle – das scheinbar so friedliche Salzburg wurde zu Schauplätzen des Grauens und Verbrechens

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 Ein Artikel von Maria Riedler

fingerabdruck_1Die Leiche liegt am Fuß der Krimmler Wasserfälle. Mitten in einem Naturschutzgebiet im Gasteinertal kommt ein Mann grausam zu Tode. Nach einem rauschenden Fest wird Salzburgs Gartenamtsdirektor in den frühen Morgenstunden erschlagen am Fürstentisch in Hellbrunn aufgefunden: Sie lauern den Opfern im ganzen Land Salzburg auf und sind mitten unter uns. Das idyllische Leben in Salzburg hat zunehmend blutige Seiten; Salzburgs Landkarte ist mit Tatorten übersät. Wahrscheinlich gibt es kaum ein weiteres Bundesland in Österreich, wo in den vergangenen Jahren eine derartige Dichte von Morden geschehen ist.

hand_blutDoch bevor Sie sich jetzt große Sorgen machen: Tatsächlich bleibt die reale Kriminalrate in Salzburg niedrig, es steigt nur das literarische Ausmaß an Morden hier enorm an. Der Mord gleich ums Hauseck, in einer bekannten Umgebung, das scheint besonders spannend zu sein. Bekannte Orte des Geschehens mit nur teilweise fiktiven Realitätsbezügen, zu lesen in unzähligen spannenden Krimis. Die Krimiexpertin der Rupertus Buchhandlung, Ingrid Krammer: „Der Regionalkrimi boomt. Ob Wolf Haas, Ursula Poznanski, Georg Gracher, Manfred Baumann, Oskar Feifar oder Franz Zeller – sie alle lassen im Salzburger Land morden.“ Dabei werden die Leichen an den bedeutendsten Plätzen Salzburgs gefunden. So lässt Baumann etwa in Hellbrunn, auf der Bühne des Großen Festspielhauses oder in Mozarts Geburtshaus sterben. Salzburg als Bühne und Kulisse gleichermaßen. Nichts für zartbesaitete Leser sind auch die spannungsreichen Thriller von Ursula Poznanski, wo etwa Geocaching mit Leichenteilen die Ermittler beschäftigt.

Faszination Sterben

„Es wurde ja schon immer und quer durch die Literatur gemordet“, meint Franz Zeller. Der ehemalige Salzburger ORF Redakteur lebt jetzt zwar in Wien, aber er hat Salzburg nicht ganz verlassen: In Salzburg spielen seine Kriminalfälle rund um das Ermittlerduo Moll und Oberhollenzer. Seine vier Romane „Herzlos“, „Blutsbande“, „Sieben letzte Worte“ und „Sterben ist das Letzte“ sind gelungene Unterhaltung und sehr spannend. Dazu agiert der alleinerziehende Vater und Chefinspektor Franco Moll als Gerechtigkeitsfanatiker überaus gewinnend. „Der Tod fasziniert einfach. Aber Krimis, die sich nur um Gewalt und Blut drehen, finde ich persönlich sehr langweilig. Die will ich weder lesen noch schreiben. Ein guter Krimi muss starke Charaktere und eine starke Geschichte haben“, betont der Kulturjournalist und Autor Zeller. „Je stärker die Spannungsgeschichte, umso besser lassen sich auch andere Themen transportieren, so wie ich es zum Beispiel bei `Sterben ist das Letzte´ mit dem Thema Lebensmittelverschwendung und der Suche nach alternativen Lebensmodellen versucht habe. Im vorletzten Buch `Sieben letzte Worte´ ging es unter der Oberfläche um Obsessionen in allen möglichen Spielarten.“

Krimis befriedigen jedenfalls die Sehnsucht von Millionen Lesern, die das Böse dingfest machen, die Ordnung wiederherstellen und allgemeine Gerechtigkeit sehen wollen.

Tipp für Krimifans: 

3. bis 5. November 2016

Krimifest im Literaturhaus Salzburg

Franz Zeller, Jahrgang 1966, hat Germanistik und Anglistik in Salzburg und Oxford studiert. Während des Studiums begann er als Rundfunkredakteur beim ORF in Salzburg zu arbeiten. 2002 wechselte er zur „Zeit im Bild“ nach Wien und 2004 zum ORF-Sender Ö1.

Entstammen so manche Geschichten oder Figuren aus
Ihren Krimis auch aus Ihrer persönlichen Erfahrung als Journalist? Oder wie entstehen die Plots?

Es gibt ein paar wenige Figuren, die tatsächlich von realen Personen inspiriert sind, aber das sind Personen aus dem Umfeld von Moll und Oberhollenzer. Da treibe ich halt dann gewisse Eigenheiten auf die Spitze und vertiefe sie noch, was zum Beispiel das Vorbild von Ulrichsberger recht amüsiert. Natürlich zehre ich von den Erfahrungen als Journalist. In Geschichten kann man ja Dinge schreiben, die im journalistischen Alltag aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Platz haben.

Plots sind einfach harte Arbeit: Man setzt sich hin und überlegt sich, wie sich Figuren entwickeln, welche Schwierigkeiten sie (hoffentlich) machen werden und welche Abzweigungen sie nehmen. Und dann versucht man immer wieder neue Fragen aufzuwerfen, damit die Leser auch weiterlesen. Abgesehen davon finde ich es auch reizvoll, Einblicke in „fremde“ Welten zu bieten, etwa in die Arbeit von Mülltauchern. Dazu war ich selber ein paarmal mülldiven und habe nachts Lebensmittel aus den Müllräumen von Supermärkten geholt.

manfred_baumann_christian-streili_foto-1Manfred Baumann, geboren 1956 in Hallein/Salzburg, war 35 Jahre lang Autor, Redakteur und Abteilungsleiter beim ORF. Er lebt als freier Schriftsteller, Kabarettist, Regisseur und Moderator in der Nähe von Salzburg und veröffentlichte bislang Hörspiele, Kabarettprogramme, Literaturprogramme und Romane.

Warum taugen die Plätze und Orte in Salzburg besonders für das Grauen und Verbrechen?

Dazu muss ich vorausschicken, dass ich schon bei meinem ersten Buch sehr überrascht war, wie sehr sich die Salzburger für meine Krimis interessieren. Ich dachte, dass ich damit eher Salzburgs Besucher ansprechen werde und bin über das große Interesse überrascht. Für mich taugen diese historischen Schauplätze wie der Domplatz oder Hellbrunn so wunderbar, weil diese Geschichte haben und Geschichten erzählen. Mir war es wichtig, dass die Stadt selbst eine Rolle spielt.

Salzburger Originale spielen ebenso eine Rolle wie die Kaffeehauskultur. Immer wieder rückt auch der Pinzgau ins Geschehen, wenn Merana an seine dort lebende Großmutter denkt, bei der er aufgewachsen ist. Wie viel Realität steckt von Ihrer journalistischen Vergangenheit in den Büchern?

Es gibt keine einzige Figur, die jemandem in der Realität entspricht und keine, die eine direkte Geschichte der Vergangenheit widerspiegelt. Aber natürlich fließt immer wieder etwas aus meinen über 30 Jahren beim ORF ein, wo ich ja sehr viel mit Künstlern aus Kultur und Volkskultur zu tun hatte. Ich schöpfe aus der vertrauten Wirklichkeit, aber nicht so, dass man sie als solches erkennen könnte.

Was fasziniert Sie persönlich an Krimis und was glauben Sie, warum so viele Menschen gerne Geschichten über die menschlichen Abgründe lesen?

An Krimis fasziniert mich persönlich das Unerwartete in einer Geschichte und die vielen Überraschungen. Auch wenn man sich fragt, wo geht es hin, wie geht es weiter. Bei einem guten Krimi faszinieren mich nicht unbedingt die kuriosen Menschen, sondern die Spannung und Überraschung. Und zu den menschlichen Abgründen: Interessierten die uns nicht schon immer? Schon seit Homer? Der Großteil der Menschen hat diese doch in sich (das Krokodil), was wir natürlich nicht ausleben.

georg-gracherGeorg Gracher, 1949 in Bad Gastein geboren, war Lehrer an der Hauptschule in Bad Hofgastein. Der sympathische, bescheidene und humorvolle Pensionist schreibt seit 2002. Gracher lässt in seinen Alpen-Krimis (Verlag emons:) Major Oskar Jacobi und sein Team viel im Gasteinertal, aber auch im restlichen Salzburger Land ermitteln.

Oft stehen in Ihren Krimis wahre Ereignisse wie der Bautreuhand-Skandal im Mittelpunkt. Der Regional-krimi boomt?

Meine Leser mögen es, Plätze und Ereignisse wieder zu erkennen und nach Lesungen kommen sie häufig zu mir und sprechen mit mir darüber. Aber natürlich sind das alles einfach Märchen, die sich etwas an die Realität anlehnen. Der Boom ist vielleicht nur ein vorübergehender Trend.

Ihre Ermittler sind keine Helden, sondern zähe Arbeiter und erfahrene Denker. Wie viel steckt von Ihnen in der Person des Kommissar Jacobi?

Bei der traurigen Katastrophe von Kaprun verfolgte ich die Interviews mit Major Lang. Dabei blickte dieser immer sehr traurig in die vielen Kameras. Diese Melancholie hat meine Hauptfigur Kommissar Jacobi bekommen. Von mir hat er auch einiges, vor allem seine Vorliebe für un-gesunde Nahrungsmittel und dass er nicht besonders sportlich ist. (lacht)


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