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Talentiert in die Zukunft

Entscheidungen, die das weitere Leben formen, sind schwierig – auch die für eine Schulform und eine Karriere. Wie gelingt es unserem Bildungssystem, individuelle Talente zu fördern und Schüler auf dem Weg zum Traumjob zu begleiten?
Ein Artikel von Natalie Zettl

Niemand kann alles – und das ist auch gar nicht nötig: Hat man erst seine Nische gefunden, kann man zum Spezialisten in seinem Bereich werden, auch ohne universal talentiert zu sein. Im österreichischen Bildungssystem gibt es viele Möglichkeiten, das individuelle Talent in einen gelungenen Karriereeinstieg zu verwandeln.

Salzburger Bildungsdirektor Rudolf Mair Foto: Christian Weingartner

Salzburger Bildungsdirektor Rudolf Mair
Foto: Christian Weingartner

Viele Wege zum Erfolg
Wenn es um die Wahl der weiterführenden Schule geht, zeichnet sich oft schon früh eine Tendenz ab, je nachdem, was das jeweilige Kind gut kann und gerne macht. Durch die Möglichkeit einer dualen Ausbildung (beispielsweise Lehre mit Matura) wird Vorlieben und Können Rechnung getragen. „Ganz wichtig dabei ist, dass Eltern die Wünsche und Pläne ihrer Kinder respektieren“, so der Salzburger Bildungsdirektor Rudolf Mair. „Kinder, die sich mit dem Lernen einfach schwer tun, sollten beispielsweise nicht zur Matura ge-nötigt werden. Es gibt genügend andere Wege, Karriere zu machen!“ Was zum Beispiel viele nicht wissen: Die absolvierte Meisterprüfung ist in Österreich gleichwertig mit einem abgeschlossenen Bachelorstudium. Trotz vieler Alternativen weist Rudolf Mair jedoch auch auf die Bedeutung der allgemein bildenden höheren Schulen hin: „Unser Land braucht Dichter und Denker mehr denn je. Umso wichtiger ist es, dass es auch eine Schulform gibt, die das fördert – und das ist ganz klar die AHS.“

Foto: Rawpixel.com - stock.adobe.com

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Reform der (Neuen) Mittelschule
Ein eher fließendes Konzept scheint die Neue Mittelschule zu sein: Nach nur wenigen Jahren ohne Leistungsgruppen sollen diese jetzt wieder eingeführt werden und zwar in Form eines „Standard-“ und eines „Standard-AHS-Niveaus“. Ein Rückschritt? „Ganz im Gegenteil“, so Rudolf Mair. „Die Aufteilung in zwei Niveaus – Standard- und Standard-AHS – setzt ganz gezielt einen Ansporn für lernstarke Schüler. Wir kümmern uns bereits intensiv um die Lernschwachen, Stichwort Fördergruppen – da muss man auch etwas für die andere Gruppe tun.“ Zudem trage die Reform zur Schulautonomie bei: „Die einzelnen Schulen brauchen genügend Spielraum, um auf individuelle Herausforderungen eingehen zu können. Das wird mit der Reform gewährleistet.“

Foto: Monkey Business - stock.adobe.com

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Talent als Basis für den Beruf
Unternimmt das österreichische Bildungssystem generell genug, um die Talente des Einzelnen herauszufinden und gezielt zu fördern? Ja, sagt Bildungsdirektor Rudolf Mair: „Berufsorientierung ist ein verpflichtendes Thema in den Neuen Mittelschulen und das wird auch umgesetzt.“ Wichtigstes Element sei dabei die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer, die eine umfassende Berufsberatung durchführt. Verbesserungsbedarf sieht Rudolf Mair dagegen noch in der Sensibilisierung für „geschlechtsuntypische“ Berufe, beispielsweise im Technik-Bereich. „Gerade im MINT-Sektor arbeiten nach wie vor überwiegend Männer“, erklärt Rudolf Mair. „Pauschal gesagt, es ist uns bisher nicht gelungen, Mädchen für technische Berufe zu begeistern. Das muss sich ändern!“ Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, möchte Rudolf Mair demnächst an die NMS herantreten – in Form eines technischen Schwerpunktes, den die Schüler wählen können.

Foto: stockartstudio - stock.adobe.com

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Unendliche Möglichkeiten
Zahlreiche Optionen für eine Karriere – und mittendrin der eine Traumberuf, den man erst einmal finden muss. Für alle, die sich unsicher sind, wie ihre berufliche Zukunft aussehen soll, bieten Berufsberatungen interessante Möglichkeiten. Oft muss dabei der Blick geöffnet werden, erklärt Christine Bauer-Grechenig vom Bildungsberatungsverein BiBer: „Wir raten auch zu Berufen, auf die man vielleicht nicht gleich kommt, weil sie beispielsweise eine Weiterbildung erfordern. Das Wichtigste ist für uns, dass die Ausbildung machbar ist und auch Freude bereitet.“ Speziell für Schüler gibt der Talente-Check (organisiert von der Wirtschaftskammer Salzburg) Aufschluss über mögliche künftige Berufe. Zielgruppe Nummer Eins sind Schüler zwischen 13 und 14 Jahren.

Foto: Evgenia22 - istockphoto.com

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Basis des Talente-Checks ist ein circa vierstündiger Test, bei dem unter anderem Interessen, Persönlichkeitseigenschaften und kognitives Leistungspotenzial abgefragt werden. Nach automatischer Auswertung der Testergebnisse erfolgt ein Beratungsgespräch mit den einzelnen Schülern, bei dem auch eine erwachsene Bezugsperson – meist ein oder beide Elternteile – anwesend ist. Dazu Lukas Mang, Leiter des Talente-Checks: „Uns ist wichtig, dass die Eltern bei dieser Beratung offen sind für alle Möglichkeiten. Ziel ist es, basierend auf objektiven Testergebnissen die Stärken und Talente der Schüler herauszufinden. Darauf aufbauend soll gemeinsam der bestmöglichen Weg für das Kind erarbeitet werden – dieser kann mit den bestehenden Plänen der Eltern übereinstimmen, muss aber nicht.“ Übrigens: Auch für Erwachsene, die sich (um-)orientieren möchten, ist der Talente-Check offen: Gegen einen Unkostenbeitrag von derzeit 98 Euro kann ein ausführlicher Check erfolgen. Ab 2020 wird es zudem eine Initiative geben, die sich speziell an AHS-Maturanten richtet. Denn, so Lukas Mang: „AHS-Maturanten sind unter den Studienberechtigten in Österreich die Einzigen, die beim Abschluss noch keine berufliche Richtung gewählt haben. Auch bei der Quote der Studien-abbrecher stehen sie ganz oben.“ Durch eine fundierte Beratung im Vorfeld sollen Maturanten künftig besser auf die Studien- und Berufswahl vorbereitet werden. All jene, die sich trotzdem im Laufe ihres Berufslebens noch einmal umorientieren möchten, kann Christine Bauer-Grechenig allerdings beruhigen: „Absolut geradlinige Lebensläufe sind heutzutage nicht mehr das Alltägliche.“

Foto: olegtoka - istockphoto.com

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Deutsch als Fremdsprache
Eine besondere Herausforderung ist das Thema Berufswahl für Personen, die Deutsch nicht als Muttersprache haben. Bildungsdirektor Rudolf Mair betrachtet die kürzlich eingeführten Deutschklassen als erfolgversprechendes Modell: „75 Prozent der Schüler, die im letzten Jahr in einer Deutschklasse waren, sind dieses Jahr nicht mehr dort – auch wenn wir noch auf detaillierte Evaluationsergebnisse warten, zeigt das doch einen grundsätzlichen Erfolg.“ Auch im Verein BiBer wird dem Thema „Deutsch als Fremdsprache“ Rechnung getragen: In den Räumen des Vereins in der Strubergasse 18 können sich Interessierte über Deutschkurse informieren – und auch Bücher in einfacher Sprache ausleihen, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen.

Foto: EtiAmmos – stock.adobe.com

Beratungsstellen in Salzburg 

Schüler:
WKS Talente-Check (ab 2020 mit Karriere-Check für Maturanten!)
Julius-Raab-Platz 2a, 5027 Salzburg
Terminvereinbarung unter +43 (0) 662 / 88 88 651 oder +43 (0) 662 / 88 88 652

Erwachsene:
WKS Talente-Check (als Einzelberatung)
oder
BiBer Bildungsberatung
Strubergasse 18, 5020 Salzburg
Terminvereinbarung unter +43 (0) 662 / 87 26 77

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