Stilvoll durch die heiße Jahreszeit

Die Sommermonate bringen nicht nur warme Temperaturen, sondern auch zahlreiche gesellschaftliche Anlässe mit sich – von entspannten Gartenpartys bis hin zu eleganten Festspielen. Doch was ist stilvoll, was ist Trend und wo lauern Modefallen?
Text: Doris Thallinger
Fotos: Hersteller

Wenn sich der Vorhang zu den Festspielen hebt, beginnt auch ein Spiel der Eleganz. Der Dresscode ist hier kein bloßes Stilmittel, sondern Ausdruck von Respekt gegenüber dem Ort, der Musik und dem Anlass.

bLAUBEere Stilberaterin Magdalena Laube

„Für Herren ist der Smoking oder der dunkle Anzug – insbesondere für die Oper – nach wie vor ein ungeschriebenes Gesetz – und das wird sich auch nicht ändern“, betont die Salzburger Stilberaterin und Modeexpertin Magdalena Laube. Er sei ein Symbol der Festspielkultur, die von Tradition und einem gewissen Maß an Feierlichkeit lebe.

Für die Damen bedeutet das: Elegante Abend- oder Cocktailkleider sind ein Muss. „Diese formale Kleiderordnung gehört zum Erscheinungsbild der Festspielstadt ebenso wie die Musik selbst“, sagt Laube.

Klassisch bleibt klassisch

Strenge Dresscodes lassen wenig Raum für Individualität – besonders bei festlichen Anlässen wie den Festspielen. „In solchen Fällen sind es oft die Accessoires, die den entscheidenden Unterschied machen“, erklärt Magdalena Laube. Eine schöne Fliege, eine elegante Uhr oder edler Ohrschmuck – kleine Details zeigen große Wirkung.

Festspiele sind eben kein Sommerfest – und gerade deshalb auch ein seltener, besonderer Anlass, bei dem der Dresscode als unverrückbares Element dazugehört. Ihn zu wahren, ist Teil des Rituals – und Ausdruck von Stil.

Nicht gern gesehen

Es gibt klare No-Gos, die für Damen unbedingt zu vermeiden sind. „Mini-Längen sind ein absolutes Tabu – ganz gleich ob bei jungen oder älteren Besucherinnen“, sagt die Modeexpertin. Der Rocksaum sollte zumindest das Knie bedecken. Auch sichtbare Unterwäsche sei ein stilistischer Fehlgriff. „Ein sichtbarer BH-Träger kann das ganze Outfit ruinieren.“

Bei der Wahl des Schuhwerks hat sich zwar in der Mode allgemein viel verändert – Sneaker etwa sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – doch bei den Festspielen haben sie nichts verloren. Männer mögen sie zu Sommeranzügen im Alltag tragen, doch im Konzert- oder Opernhaus wirken sie deplatziert. Auch bei Damen sind allzu sommerliche Schlapfen fehl am Platz. Gepflegte Sandalen, auch zehenfrei, sind durchaus erlaubt – allerdings nur, wenn die Füße gepflegt sind! Passend zur langen Robe können elegante Sandalen ein stilvoller Blickfang sein. Alternativ bieten sich klassische Pumps oder charmante Kitten Heels an, die dem Look Eleganz verleihen, ohne übertrieben zu wirken. Für kleinere Frauen empfiehlt sich als Alternative zu High Heels eine Hochsteckfrisur – sie verleiht optisch einige Zentimeter Körpergröße und betont gleichzeitig den festlichen Charakter.

Accessoires: Die Bühne für Individualität

„Wo der Dresscode streng ist, bleibt oft nur ein kleiner Spielraum für persönlichen Ausdruck – und genau hier kommen Accessoires ins Spiel“, erklärt Laube. Neben großen Ohrringen kann auch eine Statement-Sonnenbrille, ein besonders schicker Gürtel oder ein Armreif eine persönliche Note verleihen. „Gerade bei Hitze sind natürliche, gepflegte Looks eine gute Wahl – besser mit Schmuck ein Zeichen setzen als mit zu viel Make-up“, rät sie.

Kleine Taschen, große Wirkung

Die typische Clutch oder eine elegante kleine Tasche gehören unbedingt zum Outfit. Große Taschen, insbesondere die derzeit so trendige Tote Bag, passen nicht ins elegante Ambiente der Festspiele. Ähnlich verhält es sich mit sommerlichen Modeerscheinungen wie dem Bohemian-Stil, Crochet-Elementen oder lässigen Strohhüten. Diese sind zwar modisch und absolut im Trend, passen aber eher in den Beachclub als in den Konzertsaal. Stattdessen empfiehlt sich ein feines Bolerojäckchen, eine edle Stola oder ein schlichter Kurzblazer als Überwurf für schulterfreie Outfits.

Sommertrends

Bei sommerlichen Festen, die nicht ganz so streng formell sind, darf man sich auch etwas mehr Freiheiten erlauben. Farben spielen dabei eine zentrale Rolle. Während Rot als selbstbewusste, imposante Farbe ideal für Auftritte im Mittelpunkt ist, sollte Weiß mit Bedacht gewählt werden – zu schnell entsteht sonst ein steriler, „arzthafter“ Eindruck, vor allem bei falscher Materialwahl. Marineblau und maritim inspirierte Outfits sind hingegen eine sichere Wahl. Sie wirken stets frisch und stilvoll.

Für den Sommer sind fließende Stoffe wie Seide, Leinen, Viskose, Modal oder Tencel empfehlenswert. Sie sind leicht, atmungsaktiv und fallen schön. „Leinen ist für mich der Inbegriff des stilvollen Sommerstoffs – luftig, elegant und natürlich“, so Magdalena Laube. Auch Bambus, Hanf oder feine Baumwolle sind ideale Materialien bei Hitze, da sie angenehm kühlend wirken. Polyester punktet zwar mit Knitterfreiheit und intensiver Farbgebung, ist aber weniger atmungsaktiv.

Weniger Haut, mehr Stil

Auch bei lockeren Sommerfesten ist es ratsam, nicht zu viel Haut zu zeigen. Blusenkleider etwa sind zeitlose Klassiker, die stets elegant und dennoch lässig wirken. Sie vereinen sommerliche Leichtigkeit mit Schick und eignen sich daher ideal für viele Anlässe.

„Qualität statt Quantität“

Der Salzburger Herrenausstatter Oscar Udeshi über Stil, Respekt und Sommerklassiker.

Oscar Udeshi

Herr Udeshi, was ist in diesem Sommer in der Herrenmode besonders angesagt?

Wir erleben eine Rückkehr zu schlichteren, zeitlosen Stilen. Natürliche Farbtöne wie Braun, Grün, Erdtöne oder sanftes Blau sind sehr gefragt. Auch der sogenannte „Old Money“-Look erlebt gerade eine Renaissance – klassische, hochwertige Stücke, die nicht laut schreien, sondern dezent Stil zeigen. Es geht mehr denn je um Qualität statt Quantität.

Bei Veranstaltungen wie den Salzburger Festspielen gelten oft strenge Dresscodes. Wie viel Spielraum bleibt da für Individualität?

Ein gewisser Spielraum ist immer da. Aber: Je weiter man sich vom „korrekten“ Outfit entfernt, desto mehr fällt man auf – und nicht immer im positiven Sinn. Ein knallbunter Anzug oder Turnschuhe zum Frack zeigen nicht Individualität, sondern eher ein fehlendes Verständnis für die Tradition und den Respekt gegenüber Künstlern und Mitgästen. Kleine, stilvolle Ausbrüche wie ein farbenfrohes Einstecktuch, rote Socken oder marineblaue Schuhe sind dagegen absolut vertretbar.

Was wäre aus Ihrer Sicht das ideale Outfit für einen Festspielbesuch?

Im besten Fall: ein klassischer Smoking mit selbstgebundener Fliege – der Knoten ist im Grunde derselbe wie beim Schnürsenkel, man muss es nur einmal gelernt haben.

Wer keine Lust auf Smoking hat, kann auch zur traditionellen, nationalen Tracht greifen – das ist absolut korrekt und wird in Salzburg sehr geschätzt.

Alternativ geht natürlich auch ein dunkler Anzug – schwarz, dunkelgrau oder dunkelblau – mit Krawatte. Wichtig ist, den Anlass zu würdigen. Viele Menschen besuchen die Festspiele vielleicht nur einmal im Leben. Ein entsprechendes Outfit zeigt auch Wertschätzung. Ich frage dann gerne: Würde man es akzeptieren, wenn die Musiker in Badeshorts und Flip-Flops auf die Bühne treten?

Welches Outfit eignet sich für ein elegantes Sommerfest?

Wenn es formeller ist: ein dunkler Anzug mit Krawatte oder ein marineblauer Blazer mit grauer Hose. Tagsüber darf es auch ein brauner oder olivfarbener Anzug sein – das passt wunderbar zur sommerlichen Atmosphäre.

Bei einer lockereren Veranstaltung wähle ich gerne einen dunkelblauen Seidenblazer, ein hellblaues Hemd und eine weiße Hose – ohne Krawatte. Die Details machen den Unterschied: Einstecktuch, schöne Uhr, passende Schuhe und Gürtel. Aber bitte – keine Turnschuhe. Wir laufen keinen Marathon.

Wenn es richtig heiß wird, darf das Sakko übrigens ruhig mal abgelegt werden – niemand soll wegen Stilbewusstseins einen Hitzschlag erleiden.

Was sind Ihre absoluten Essentials für den Kleiderschrank eines Mannes?

Ganz einfach: Ein sauberes, weißes Hemd, ein dunkelblauer Anzug – am besten maßgeschneidert, denn man soll sofort als der bestgekleidete Mann im Raum auffallen – sowie geputzte schwarze Schuhe mit passenden schwarzen Socken.

Mit dieser Ausstattung kann man zu den Festspielen gehen, heiraten, sich scheiden lassen, einen Job bekommen oder zu einer Beerdigung gehen– und das in beliebiger Reihenfolge. Mehr braucht der Durchschnittsmann an formeller Kleidung eigentlich nicht.

Welche Stil-Sünden sollte man Ihrer Meinung nach unbedingt vermeiden?

Eine kleine Auswahl? Bitte gern:

  • Anzug mit Turnschuhen – entscheiden Sie sich: Büro oder Fitnessstudio?
  • Jeans mit Sakko – das ist wie Bikini mit Wintermantel. Jeans sind Freizeit- oder Arbeitskleidung (wenn man vor 100 Jahren Bergarbeiter war), ein Sakko ist für förmlichere Anlässe.
  • Schwarz mit Braun – das ist farblich einfach unharmonisch.
  • Weiße Socken zum Anzug – das ist Sportbekleidung, die auf das absolute Gegenteil trifft.
  • Sakkoärmel, die die Hemdsärmel komplett überdecken – das sieht aus wie ausgeliehen, und außerdem nutzen sich die Ärmel schneller ab.
  • Und: Bitte keinen Hut in Innenräumen. Nie.