Leben

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Sagenumwoben und mystisch

Text: Susanne Rosenberger

Fotos: TVB Großgmain, Rolf Dovern

Mal erscheint der Untersberg geheimnisvoll wolkenbehangen, mal lässt die Morgenröte ihn feuerrot erstrahlen. Bereits dieses Wechselspiel aus Farbe, Licht und Schatten deutet auf die Magie des Berges hin. Zahlreiche Sagen, Phänomene und Mysterien prägen die gesamte Region.

Die Geomantie spricht von einem Energienetz, das markante Kraftorte der Erde durch sogenannte Leylinien überspannt. Ebenso wie der Untersberg zählen etwa der Ayers Rock in Australien, Stonehenge oder Machu Picchu zu solchen Kraftorten. An Kraftplätzen spüren sensible Menschen eine besondere Stärke und Energie, sie inspirieren und verbinden uns in ungeahnter Weise mit der Schöpfung.
Neben diesen erdumspannenden Leylinien umgibt den Untersberg ein Netz aus zwölf alten Kultplätzen, die später mit Kirchen überbaut wurden – gleichmäßig verteilt um das geomantische Zentrum des Berges, den Salzburger Hochthron. Radiästhetisch wurde überprüft, dass alle zwölf Orte dieselbe Energie aufweisen. Zu diesen sogenannten „Untersbergkirchen“ zählen St. Bartholomä am Königssee, der Salzburger Dom, Maria Kirchental bei Lofer, Feldkirchen bei Ainring, Großgmain (Marienkirche), Seekirchen (Petruskirche), Maxglan (Maximilianskirche), St. Michael im Lungau, St. Gilgen am Wolfgangsee, St. Zeno in Bad Reichenhall, Maria Eck bei Siegsdorf sowie die nicht mehr existierende
Kirche St. Peter und St. Paul in Bad Reichenhall.

Will man die Kraft des Berges erspüren, muss man nicht gleich in das verzweigte Höhlensystem der Riesending-Schachthöhle eintauchen oder auf waghalsige Weise Sonnenphänomene beobachten. Der Untersberg lässt sich von österreichischer und bayerischer Seite aus über zahlreiche Wanderrouten besteigen. Oben angelangt finden Wanderer drei Schutzhütten mit Betten und Matratzenlager: die Toni-Lenz-Hütte, das Stöhrhaus und das Zeppezauerhaus. Ganz ohne körperliche Anstrengung erreicht man die Bergstation von Grödig aus in einer knapp 9-minütigen Fahrzeit mit der Untersbergbahn.

Sehr zu empfehlen ist eine Wanderung durch die wildromantische Almbachklamm in Marktschellenberg mit Wasserfällen, Erlebnisstationen und Marmor-Kugelmühle. Ein gut gesicherter Steig führt 2,8 km und rund 200 Höhenmeter auf die Hochebene von Ettenberg mit der barocken Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung. Die heilige Linde bei der Kirche ist nach einer Überlieferung der eigentliche Kraftplatz von Ettenberg. Hier bietet sich ein herrlicher Blick auf die umgebende Bergwelt der Berchtesgadener Alpen.

Die Schellenberger Eishöhle liegt einen 20-minütigen Fußmarsch von der Toni-Lenz-Hütte entfernt. Die größte erschlossene Eishöhle Deutschlands dient seit 1925 als Schauhöhle und liegt 1570 Meter über dem Meer. Bei 45-minütigen Führungen (Juni-Sept.) mit einem Guide erleben die Besucher mit Karbidlampen das Innere des Eises. Ein Rundweg auf gut gesicherten Holzstegen führt zu tief gelegenen Eishallen mit eindrucksvollen Eisformationen. Die Temperaturen liegen teils unter null Grad, denken Sie daher beim Besuch der Höhle auch im Sommer an warme Kleidung.

Der Marienheilgarten in Groß-gmain, nach einer Idee des Untersberg-Pfarrers Herbert Josef Schmatzberger errichtet, vereint Natur und Philosophie, Religion und Mythologie, Astrologie und Numerologie zu einer ganzheitlich-holistischen Weltsicht. Eine Statue der Sophia-Maria, angeordnet inmitten eines Kreises aus Blumen und Kräutern, ver-körpert die Mutter der ganzen Schöpfung. Dieser sehenswerte Natur-Kunst-Garten in Form einer liegenden Acht befindet sich auf einem geomantisch hoch wirksamen Energieplatz gleich hinter der Kirche und zählt zu den bekanntesten Kraftorten um den Untersberg.

Hier im Marienheilgarten Großgmain findet der Besucher auch eine der zahlreichen Heilquellen am Untersberg. Frisches Heilwasser aus den Bergen ist mineralstoffreich und hochenergetisch aufgeladen, oft wird ihm eine besondere Heilkraft nachgesagt, so etwa der Heilquelle für die Augen bei der „Irlmaier-Madonna“ in der Almbachklamm.

Großgmain ist Ausgangspunkt und Ziel der seit 1998 jährlich stattfindenden Untersbergwallfahrt am 14. August. Auf einer herausfordernden Wegstrecke von knapp 50 km wird der Untersberg von Wanderern umrundet.
Auch Alpenschamanen haben den Untersberg in letzter Zeit als besonderen Kraft- und Energieort wiederentdeckt. Meditative Untersbergtouren oder Yogawanderungen sind eine weitere Möglichkeit, um sich mit dem Energiezentrum Untersberg zu verbinden.

Zum Weiterlesen:
„Mythos Untersberg – Die 12 Mysterien Des Wunderberges“
Von Rainer Limpöck, € 25,80, Verlag Plenk