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Prickelndes Vergnügen

Das Leben feiern – vor allem die lauen Abende, die zahlreichen Garten- und Grillpartys und Sommerfeste! Denn gerade jetzt haben sie Hochsaison: die sprudelnden Schaumweine, die den Gaumen kitzeln und die Laune heben.
Ein Artikel von Doris Thallinger

Warum wir mehr Champagner trinken sollten, damit befasste sich Ende des Jahres 2018 Tobias Haberls Kolumne im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Ein Artikel, der vollste Zustimmung verdient, mit nur einer Einschränkung, die aber eigentlich eine Ergänzung darstellt: Wenn es um den prickelnden Genuss geht, verpasst man einiges, sich nur auf den guten, alten Champagner zu verlassen. Zu großartig sind die Schaumweine, die heute auch aus anderen Regionen der Welt kommen, als dass man sie negieren könnte. In Qualität und Trinkgenuss müssen sie sich nämlich keinesfalls hinter dem französischen Traditions-Produkt verstecken! Ganz im Gegenteil!

Foto: stockphoto-graf - stock.adobe.com

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Schäumende Konkurrenz
Weit oben auf der Beliebtheitsskala liegt selbstverständlich Italien – seit Jahren lieben wir Österreicher den jugendlichen, modernen Prosecco. Was dem Image desselben allerdings nicht nur gut getan hat, denkt man dabei vielleicht an das Billig-Produkt, das um einige Euro im Supermarkt zu kaufen ist.

Weg von der Masse!
Echte Kenner und Genießer jedoch wissen, welche Schätze die Schaumweine Italiens bergen. Einer davon ist Norbert Sengthaler, der seit 1997 Qualitätsweine aus Italien importiert, um sie den heimischen Genießern nahe zu bringen. Regelmäßig begibt er sich auf die Suche nach neuen, kleinen, am liebsten familiär gehaltenen Weingütern, die hochwertigen Prosecco herstellen. „Prosecco“ an sich ist heute eine streng geschützte Angelegenheit, was vor allem für das Gebiet Conegliano Valdobbiadene gilt. Fast ausschließlich in Handarbeit werden die Trauben in den sonnigen Steilhängen gelesen. Nur Prosecco Conegliano Valdobbiadene, der aus diesem begrenzten Gebiet stammt, hier gelesen, gekeltert und versektet wurde, darf das Qualitätssiegel DOCG als kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung tragen. „Weg von der Masse“, ist Norbert Sengthalers Tipp. „Neben der Bezeichnung DOCG sollte man einen Blick auf den Hersteller werfen: Ist hier Az. Agr. für Azienda Agricola angegeben, weiß man, dass es sich um einen kleineren Produzenten handelt, idealerweise ist das Weingut namentlich genannt, so erkennt man, dass der Prosecco aus einem Familienbetrieb stammt, der sicherlich sehr auf Qualität bedacht ist.“
Valdobbiadene DOCG wird nach der italienischen Methode, der Methode Charmat hergestellt, bei der die zweite Gärung auf Hefe im Tank erfolgt. Dies gilt übrigens zum Teil auch für den Prosecco Frizzante, von dem oft fälschlicherweise behauptet wird, ihm würde die Kohlensäure zugeführt!
Der Unterschied zwischen Prosecco Spumante und Prosecco Frizzante liegt im Überdruck (mind. 3 bar bzw. 1-2,5 bar bei 20 °C) und im Mindest-Alkoholgehalt (10 bzw. 8,5 Vol. %). So lässt sich der junge Frizzante aufgrund geringerer Kohlensäure und Alkoholgehalts sehr angenehm trinken und eignet sich als leichtes, frisches Getränk über den ganzen Abend.

Foto: eyetronic - stock.adobe.com

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Franciacorta – der Edle aus Italien
Westlich vom Gardasee, am Lago d´Iseo, da liegt das streng reglementierte Anbaugebiet des Franciacorta. Noch nicht so bekannt wie der Valdobbiadene DOCG, ist der Franciacorta etwas für Genießer und Feinschmecker: Ausschließlich mit Siegel DOCG wird dieser Spumante nach der Methode traditionelle, also der Flaschengärung versektet, wie Champagner. Franciacorta Brut muss mindestens 18 Monate lagern, der Rosé sogar 24 Monate. Spezialität unter den Franciacorta-Spumanti ist der Satèn als Blanc de Blanc aus 100 Prozent Chardonnay-Trauben. Den Franciacorta empfiehlt Norbert Sengthaler, liegend zu lagern und gut gekühlt, mit acht bis zehn Grad einzuschenken. „Bei dieser Temperatur entfaltet sich das Aroma optimal.“

Der Spumante aus den Bergen
Klein und fein ist auch das Weinbaugebiet des Trentodoc, einem hochwertigen Spumante aus den Höhenlagen des Trentino. Auf 10.000 Hektar werden hier Weine angebaut, die, dem Klima, der Höhenlage und der Region geschuldet, einen ganz besonderen Schaumwein hervorbringen. Von Hand gelesen erfolgt auch beim Trentodoc die zweite Gärung ausschließlich nach der traditionellen Methode in der Flasche. Der Trentodoc liegt mindestens 15 Monate auf der Hefe, für die Grande Reserve dauert die Lagerung bis zu 10 Jahre!

Noch ein Geheimtipp
Ebenso wie der Trentodoc zählt der Südtiroler Sekt (noch) zu den Geheimtipps für Freunde des prickelnden Genusses. Auch in Südtirol wächst der Wein für den Sekt in höheren Lagen, auf bis zu 1.000 Höhenmetern!

Das Gute liegt so nah…
Etwas in Vergessenheit geraten ist der Österreichische Sekt – völlig zu Unrecht, findet man doch auch in österreichischen Weinkellern ganz hervorragende Schaumweine! Insbesondere der Sekt g.U. Große Reserve kann sich ohne Abzüge mit Champagner, Franciacorta & Cava messen.
Entsprechend streng sind auch hier die Vorgaben: Die Trauben stammen aus nur einer Weinbaugemeinde, werden durch Handlese geerntet und mit nur 50 % der Saftausbeute wird nur das Beste der schonenden Pressung für die weitere Verarbeitung zugelassen. Der Zuckergehalt liegt bei maximal 12 g/Liter. Mindestens 30 Monate reift der Sekt g.U. Große Reserve auf Hefe, bevor er, frühestens 36 Monate nach der Ernte, erhältlich ist.

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Das Prickeln im Glas

Eines gleich vorweg: Die Champagner-Schale, wie wir sie noch aus alten Filmen kennen, hat längst ausgedient. Und auch die klassische Sektflöte zählt nicht zur ersten Wahl der Schaumwein-Experten, da sich in ihrem schmalen Körper das Bukett nur schwer entfalten kann.
Der Trend geht hin zu bauchigeren, tulpenförmigen Gläsern – farblos und in Form und Qualität dem edlen Tropfen angepasst. „Ein guter Schaumwein braucht Luft zum Atmen“, bestätigt Norbert Sengthaler, „ideal eignet sich zum Beispiel ein edles Weißwein- oder Jungweinglas.“
Darin kann sich sowohl das Aroma entfalten als auch die Perlen haben ausreichend Raum, um im Glas aufzusteigen. Das ideale Schaumweinglas verfügt zudem über einen Moussierpunkt, eine kleine, aufgeraute Stelle am Glasboden, an dem die Perlage punktuell aufsteigt.

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