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Power und automobile Pracht


In der obersten Liga sportlicher Fahrzeuge unterscheiden sich die Akteure stärker als man sich landläufig vorstellt. Wir stellen vier Supersportler vor und vergleichen sie, wobei weniger die PS-Zahlen beeindrucken, vielmehr die Charaktere, die sich bei aller Potenz in gegensätzlichen Qualitäten äußern. Aston Martin DB9, Mercedes AMG GTS, Nissan GTR und Jaguar F-Type R im „Vergleich“.

Einmal abgesehen davon, dass die vier Sportautos ohnehin selten zu sehen sind, weil sie einer sehr elitären Preiskategorie angehören, sind diese auch Statements ihrer Besitzer. Und natürlich auch die Demonstration technischen und stilistischen Ausdrucks der Hersteller. Dass diese Supersportler in unserer Zeit der Geschwindigkeitsbegrenzungen und des gewünscht sparsamen Verbrauchs von Energie eigentlich absurd sind, spielt ob ihres raren Vorkommens eigentlich keine Rolle, dafür aber sind sie auch Technologieträger bzw. einfach die Spitze der automobilen Nahrungskette. Mehr geht (fast) nicht mehr.

Form und Funktion

Schon bei der Optik der Power-Cars wird der Unterschied deutlich: Der Aston Martin DB9 steht schon als Marke für sportliche Exklusivität, britische Noblesse und für Formen, die, wenn dies bei Autos überhaupt zu sagen erlaubt ist, ästhetischer kaum sein können. Schönheit in Blech, feinste Verarbeitung, edle Haptik und Optik, wohin man auch immer greift oder schaut. Der DB9 ist über jede formale Kritik erhaben, lediglich die Farbwahl ist Geschmacksfrage. Der Jaguar F-Type R dagegen wirkt etwas zierlicher, gedrungener, durchaus fein und dabei extrem sportiv, aber doch ein bisserl weniger exklusiv wie der Aston. Die Verarbeitung und die Materialien sind durchwegs hochwertig, wenngleich auch sicht- und spürbar ist, dass dieser Extremsportler auch als solcher konzipiert ist. Das Kontrastprogramm zum Jag wird von Mercedes repräsentiert: Riesig, ausladend mit elendslanger Motorhaube ist er von wuchtiger Gestalt und demonstriert augenfällig Kraft und Markenbewusstsein. Das fast schon bescheidene Heck ziert ein Spoiler, der etwas aufgesetzt wirkt, so, als wollte man optisch erklären, dass der GT auch auf der Rennstrecke zuhause ist. Noch brachialer ist allerdings der Nissan GTR gezeichnet, mit Formen und Linien, die eher der Funktion geschuldet sind als der Ästhetik eleganter Sportlichkeit. Playstation auf Rädern, technisch höchstgerüstet, auf den Effekt hin getrimmt, kantig und aggressiv, das genaue Gegenteil vom Aston Martin also.

Kraft und Herrlichkeit

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Beurteilung der Motoren und deren Charakter. Dabei ist grundsätzlich zu konstatieren, dass alle vier über so viel Kraft verfügen, – zwischen 510 PS im  Mercedes über 517 im Aston bis zu 550 im Nissan und im Jaguar – dass sich die Fahrdaten ziemlich relativ anhören, weil sie kaum je ausgeschöpft werden können. Deutliche Unterschiede sind allerdings technisch gegeben. Der Aston schöpft seine Pferdestärken aus einem 6-Liter Zwölfzylinder eher sanft und geschmeidig – wobei er doch auch zu lauten Tönen fähig ist. Aber dies widerspricht seinem vornehmen Auftritt, während der Nissan mit einem 3,8-Liter Sechszylinder mit zwei Turboladern zu härterer Gangart herausfordert. Da bleibt trotz akustischer Dezenz kein Auge trocken, so legt der Nissan los. Die beiden Achtzylinder im Mercedes und im Jaguar haben zumindest eines gemeinsam. Sie sind akustisch keinesfalls zurückhaltend, wobei der Engländer aus fünf Litern Hubraum atmet und dies in metallisch-heiserem Tonfall, während der Deutsche mit seinem 4-Liter Triebwerk so tut, als ob ein Bootsmotor unter der Haube wäre, so gurgelt und ballert er aus seinen vier Endrohren.

Fahrerlebnis hoch vier

Und jetzt geht´s ans Eingemachte – das Fahren an sich. Und jeder der phantastischen Vier bietet auf seine Art einmalige Erlebnisse

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. Den absoluten Genuss hinsichtlich der vornehmen Art der Fortbewegung bietet der Aston Martin. Steckt man den halbgläsernen Schlüssel in die zentrale Startöffnung, dann erwacht ein Zwölfender zum Leben wie es ihn nur mehr selten zu hören gibt. Bei sanfter Fahrt summt der 6-Liter Motor unnachahmlich geschmeidig, fast unmerklich schaltend, mit niedrigen Drehzahlen dahin, beschleunigt den Wagen leicht und mühelos bis weit über das erlaubte Maß hinaus. Und wenn man einmal den Wind etwas heftiger wehen lassen möchte, dem Vordermann doch langweilig wird und Beschleunigung gefragt ist, dann legt der DB9 los wie von der Sehne geschnellt, röchelt und hustet beim Griff an die Schalt-Paddles und zeigt, dass man auch den Gentleman-Driver zu gestrecktem Galopp verführen kann. Hochgenuss für die Benzin-Ohren, bis man sich wieder der gebotenen Contenance erinnert, die solche Auftritte nicht wirklich braucht.

Ganz anders der Jaguar: Hier hört man schon im Stand die Gier nach Drehzahl und Beschleunigung. Das Fahrwerk ist trotz Vierradantrieb wie ein Hecktriebler ausgelegt, wobei der schwere Motor beim schnellen Anbremsen von Kurven das Heck ziemlich leicht werden lässt und so insbesondere bei feuchter Fahrbahn ein geübtes Händchen am Volant verlangt. Die Betätigung der Achtgang-Automatik bedeutet zusätzlichen Ohrenschmaus, denn dann grölt und trompetet der Motor vor Lust und provoziert mehr Fahrspaß als erlaubt ist. Der Jaguar ist das Spaßmobil im Quartett, emotionsgeladen und dabei doch mit einem Hauch traditionellem Image. 

Der Sport-Stern ist im Fahrverhalten ein Klassiker – kompromissloser Heckantrieb und erstklassig abgestimmtes Fahrwerk bedingen ein Grip-Niveau, das es in sich hat. Die ausladenden Abmessungen lassen auch eine gewisse Kurvenscheu vermuten, die aber ganz und gar nicht zutrifft. Der AMG GT durchmisst Kurven so agil und so präzise, dass die Frage nach der Haftungsgrenze fast nie zu stellen ist. Da hilft natürlich auch das elektronisch geregelte Sperrdifferenzial. Dass der doppelt aufgeladene Motor dabei fast unanständig brüllt und ballert ist zwar kurzzeitig amüsant, klingt aufsehenerregend, ist aber mitunter auch aufdringlich. Der Mercedes bleibt ein Sportwagen klassischen Zuschnitts samt passendem Interieur und minimalem Kofferräumchen – ein Ausflugsauto auch für die Rennstrecke.

Eine ultimative Fahrmaschine, die allerdings erstaunliche Alltagstauglichkeit beweist, wenn man in niedrigen Drehzahlen dahinrollt, das ist der Nissan GTR. Auch deshalb, weil er einen wirklich als solchen zu bezeichnenden Kofferraum aufzuweisen hat, Langstreckentauglichkeit inklusive. Beim Beschleunigen oder beim Zwischenspurt zeigt der aufgeladene Sechszylinder, dass er in jeder Lage souverän alles hinter sich lässt, was rundherum auf vier Pneus dahinrollt. Der sicher nicht leichte GTR meistert neutral – auch dank des Vierradantriebs – Kurven in Geschwindigkeiten, an die sich kaum ein Normalverbraucher heranwagt und auch schnelle Richtungswechsel bringen ihn nicht aus der Ruhe. Der Vorschlaghammer unter den Sportlern, der sich bei Bedarf wie ein Hämmerchen benehmen kann. René Herndl


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