Mehr Mut, mehr Haut, mehr Spaß

Die Modetrends für 2026 bringen die Lust am Anziehen zurück: Das Working Girl kehrt softer und jünger zurück, Röcke schwingen von Maxi bis Ultra-Mini, BHs rutschen an die Oberfläche und Transparenz trifft auf Nude-Töne.
Text: Doris Thallinger
Fotos: Hersteller

Die Mode spielt 2026 ganz klar „Next Level Alltag“. Nach Jahren zwischen Jogginghose, Quiet Luxury und Y2K-Revival bekommt die Garderobe wieder mehr Drama – aber ohne Verkleidungszwang. Die großen Shows von New York bis Paris und die Runways in Berlin zeigen: Die Silhouetten werden femininer, die Farben mutiger, die Stoffe transparenter, die Details spielerischer. Über allem liegt eine neue Leichtigkeit.

New Working Girl

Das klassische „Working Girl“ der 80er kehrt zurück, aber weicher und jünger. Das Kostüm – Blazer plus Rock – bleibt zentrales Element der weiblichen Garderobe, wird aber entdramatisiert. Jacken sind kürzer, Linien fließender, Materialien beweglicher, Röcke sitzen tief auf der Hüfte und blitzen gern die Unterwäsche an. Business ja, aber mit Augenzwinkern, Layering und Glanzeffekten statt strenger Uniform. Parallel dazu etabliert sich die Sanduhr-Silhouette neu. Jacken, Mäntel und Kleider betonen wieder deutlich die Taille, während Schultern und Hüften mit Volumen in Szene gesetzt werden. Breite Gürtel – oft tief auf der Hüfte getragen – formen die Figur und werden selbst zum Blickfang.

Rock-Revival

Der Godet- beziehungsweise Glockenrock feiert sein Comeback, schwingt in großen Volumen oder als kürzerer Skaterrock und macht jede Bewegung sichtbar. Daneben mischen Bleistift- und Ballonröcke, Modelle mit Schlitzen, Bahnen oder Fransen die Laufstege auf, oft in leuchtenden Farben oder fantasievollen Drucken. Auffällig ist das Spiel mit Längen: Maxiröcke und lange Kleider stehen im Kontrast zu Ultra-Minis und Microshorts. Die Taille rutscht nach unten, Hosen und Röcke sitzen wieder auf der Hüfte und geben den Bauchnabel frei. Zusammen mit Bustiers, Cropped Tops und verkürzten Jacken entsteht ein Look, der jugendlich, freigeistig und sehr sommerlich wirkt.

Darunter wird darüber

Der BH rückt ins Rampenlicht und wird zum Oberteil – mal lingerie-inspiriert, mal wie ein Bikini, mal als skulpturale Version aus Leder, Spitze oder Kunstpelz. In Kombination mit Blazern, transparenten Blusen oder High-Waist-Röcken wirkt das überraschend erwachsen. Der Pullover wiederum wird zum Accessoire: kleine Modelle, gern in Grau, hängen lässig über den Schultern, werden in der Taille geknotet oder wie ein Schal drapiert. Was früher Yachtclub-Privileg war, wirkt nun ironisch gebrochen und passt zum Slipdress genauso wie zum Power-Anzug. Begleitet wird das von einem starken Fokus auf Struktur: Fransen an Mänteln und Kleidern, Strick-Ensembles von Kopf bis Fuß, farbiges Leder in Form von Blazern, Röcken oder Mänteln und bewusste Materialkontraste, wenn etwa feine Seide auf groben Strick trifft. Selbst Socken und Strümpfe bekommen ihren Auftritt, als farbige, gemusterte oder transparente Statements in offenen Schuhen.

Sanfte Verführung

Transparenz ist einer der prägendsten Trends. Sie zeigt sich in Kleidern, Röcken, Tops, mal komplett durchscheinend, mal nur angedeutet. In Berlin oft in Schwarz und mit urbaner Coolness inszeniert, in anderen Kollektionen in helleren, soften Tönen. Daraus entwickelt sich der Nude-Look als ruhiger Gegenpol zu all den Knallfarben. Beige, Puderrosa, Nude und Camel, inspiriert von Lingerie und Kosmetik, werden zum Synonym für Raffinesse. Camel löst sich dabei vom reinen Trenchcoat-Image und taucht in allem auf – von Stricksets bis zu Abendkleidern. In Chiffon, Seide oder Latex wirkt diese Ton-in-Ton-Ästhetik überraschend aufregend.

Farbrausch

Trotz aller Nude-Töne wird es 2026 alles andere als farblos. Leuchtende Power-Töne wie poppiges Rot, kräftiges Pink oder saftiges Lime Green dominieren auffällige Teile – gern auch in mutigen Kombinationen. Wer es leiser mag, greift zu zartem Lavendel, Eisblau, Pastellgrün oder einem cremigen Gelb, das besonders schön in Strick oder glänzenden Stoffen zur Geltung kommt. Schokoladenbraun etabliert sich als edle Alternative zu Schwarz, Bordeaux feiert sein Comeback in Abendlooks, und bei den Mustern schieben Zebrastreifen und Karos den altbekannten Leo ein Stück zur Seite. Ein heimlicher Star: das gestreifte Poloshirt, das im Oversize-Look zur Jeans genauso funktioniert wie feminin zum Minirock.