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Kolumne: Saliah Razak

Eine Kolumne von Saliah Razak,
O-Busfahrer, Obmann SoriNaTu – Verein für Kinderhilfe in Ghana www.sorinatu.org

Als ich vor knapp 11 Jahren anfing, O-Bus zu fahren, waren einige Fahrgäste sehr skeptisch. Ein „Schwarzer“ als Busfahrer – was will der hier?
Ich glaube, einige waren sich nicht sicher, ob ich es schaffe, einen Bus zu lenken und haben nur darauf gewartet, dass etwas passiert oder ich unfreundlich werde. Ich habe immer versucht, dem Ganzen mit Humor zu begegnen und Konflikte mit einem Lächeln und meinem eigenen Schmäh zu entkräften. Das mache ich auch heute noch.
Es ist immer wieder schön, wenn ich Fahrgäste zum Lachen bringen kann. Ich versuche immer, gute Laune zu verbreiten, weil das Leben heutzutage oft schon ernst genug ist. Und es hilft mir dabei, Spaß bei der Arbeit zu haben.
Hierzu möchte ich eine lustige Geschichte erzählen:
Es ist schon eine Zeit her, als eine Frau bei mir in den Bus einstieg und eine 24-Stunden-Karte kaufen wollte. Ich habe ihr den Preis genannt, worauf sie sehr verärgert war. Dieser Preis sei viel zu hoch und es sei viel billiger und vor allem schneller und bequemer, ein Taxi zu nehmen. Sie ist mit ihren Worten sehr aggressiv geworden, hat geschimpft und war sehr zornig.
Da habe ich sie mit einem Augenzwinkern angelächelt und ganz ruhig zu ihr gesagt: „Ein schwarzer Busfahrer ist teuer. Und außerdem sind Schwarze arm und brauchen viel Geld.“
Da hat sie mich angeschaut, ist auf einmal ganz ruhig geworden, hat einen 10€-Schein auf die Kassa gelegt und gesagt: „Behalten Sie den Rest“. Sie hat angefangen zu lachen und sich dafür bedankt, dass ich so mit ihr geredet habe, das hätte sie noch nie erlebt. Ihr Tag sei bis soeben absolut schrecklich gewesen und ich habe ihr den jetzt mit meiner unerwarteten Antwort gerettet und sie sogar zum Lachen gebracht.

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