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Kolumne: Nina Salchegger

Eine Kolumne von Nina Salchegger,
Obst- und Gemüsehandel Allerberger am Grünmarkt

Darf’s ein bisserl mehr sein?

Ein bisserl mehr an Sonderwünschen, mehr an Service – das darf es bei mir am Stand eigentlich immer sein. Nur manchmal ist ein „bisserl“ mehr dann doch zu viel…

Vergangenen Sommer bekam ich eines Tages telefonisch die Anfrage, ob ich „Catalogna“ (Blattzichorie) besorgen könnte. Mit ihren dunkelgrünen Blättern ähnelt sie einem ausgewachsenen Löwenzahn. Dieses Gemüse hat einen hohen Gehalt an Bitterstoffen, die sich günstig auf Blutgefäße und Verdauung auswirken. Die Bestellerin – eine besonders gesundheitsbewusste Dame – verbrachte ihre Ferien im Salzburger Land, weitab von Lärm und Menschen, in absoluter Ruhe. Darum ihr Sonder-Wunsch: Ob ich ihr das Gemüse doch bitte nach Straßwalchen liefern könnte? Schwups war ich in der Zwickmühle. Ich, die ihre Kunden immer zufriedenstellen will, die der Meinung ist, dass man gerade als kleines Unternehmen das „bisserl mehr“ an Service bieten muss.

Aber halt auch ich, die Geschäftsfrau, die es sich schlichtweg nicht leisten kann, einen Mitarbeiter mit einer Kiste Gemüse im Verkaufswert von 20 Euro 60 Kilometer (hin und retour) durch den Flachgau zu schicken. Das verstand meine Kundin durchaus – und bat mich daraufhin, die Catalogna mit dem Taxi auf die Reise zu schicken! Der Taxifahrer staunte nicht schlecht über seinen „Fahrgast“: „Ich soll im Ernst für 60 Euro Fahrtkosten Hasenfutter nach Straßwalchen transportieren?“ Tja, das „Hasenfutter“ war eben das Lebenselixier meiner Kundin…

So schön ich es fand, ihren Wunsch zu erfüllen, habe ich andererseits schon die Ökobilanz hinterfragt – würde ich Ferien in Abgeschiedenheit und Ruhe, weg von Menschen, Lärm, Verkehr und Abgasen im Einklang mit der Natur machen und mich gesundheitsbewusst ernähren wollen, ich würde vermutlich den Löwenzahn von Straßwalchens Wiesen verkochen!

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