Seiler-und-Speer-1-by-Thomas-Unterberger_hoch

Ka schware Partie


Derbe Proleten oder Künstler mit tief österreichischem Schmäh: Seiler und Speer polarisieren. Alltags-, Sauf- und Liebeslieder – das Leben wird bei dem Duo zu Klamauk mit Gesellschaftskritik und will dabei eines nie sein: eine „schware Partie“. Die SALZBURGERIN hat mit Christopher Seiler gesprochen.

SALZBURGERIN: Für den Amadeus Austrian Music Award 2016 seid ihr in den Kategorien Band des Jahres, Album des Jahres, Song des Jahres, Live Act des Jahres, Songwriter des Jahres sowie in der Genre-Kategorie Pop/Rock nominiert. Was ist das für ein Gefühl?

Wir haben jetzt nicht so viel Gewicht in die Nominierungen gelegt. Sicher freuen wir uns, aber wir sind schon wieder sehr auf Neues fokussiert.

SALZBURGERIN: Euer Hit „Ham kummst“ wurde mit Dreifach-Platin ausgezeichnet. War die Nummer eine „schware Partie“ für euch? Wie seid ihr auf das Lied gekommen? Habt ihr darin eure eigenen Erfahrungen verpackt? Und was ist wichtiger für euch: Party oder Beziehung?

Es war keine schware Partie für uns. Wenn´s fließt, dann fließt´s. „Ham kummst“ war anfangs eine Spaßnummer für uns. Wir haben aber auch ernsthafte Lieder auf dem Album. Was Partys und Beziehungen betrifft: Party in dem Sinn brauchen Menschen, um einen Ausgleich vom Alltag zu finden. Als Künstler braucht man das nicht, da gibt es keinen Alltag.

SALZBURGERIN: Woher nehmt ihr eure Ideen und
Charaktere? Findet man euch darin wieder?

Aus dem österreichischen, urbanen Bereich. In Wien trifft sich alles! Wir sitzen dann wo und beobachten die Leute und die Gesellschaft. Das sind aber nicht unbedingt wir selbst. Meistens entsteht dann alles sehr spontan. Manche unserer Texte und Lieder sind einfach kabarettistisch zu sehen, wie eben „Ham kummst“ oder „I wü net“. Teils finden wir uns selbst in unseren Liedern wieder, wie in „Setz di her“ oder in „Sperrstund“.

SALZBURGERIN: Wen wollt ihr mit eurer Musik erreichen?

Wir haben keine Zielgruppe. Sobald man das hat, würde man andere ausgrenzen.

SALZBURGERIN: Haben sich eure Songs seit den Anfängen weiterentwickelt und/oder verändert? Gibt es umgekehrt so etwas wie einen roten Faden in euren Liedern?

Spaß muss immer sein und es muss ehrlich sein! Wir wollen kein Baukastenschema. Viele halten uns für Proleten, aber man muss anscheinend auffallen, damit es funktioniert. Ein roter Faden ist die Akustikgitarre, die muss immer dabei sein. Und der österreichische Dialekt.

SALZBURGERIN: Eure Lieder werden vielfach als solide Pop-Kreationen mit Ohrwurmpotential, eingängigen Melodien, mit leicht zu merkenden Texten, Satire mit schwarzem Humor, derber, lauter Sprache mit Kraftausdrücken beschrieben. Trifft das zu? Und habt ihr Vorbilder?

Vorbilder haben wir nicht. Privat hören wir alles und so ist unsere Musik auch – bunt gemischt aus allen möglichen Genres. Aber wir mögen beide Austropop, Danzer, Fendrich, Falco. Bernhard liebt auch Metal, ich mag den Ludwig Hirsch. Man kann unsere Musikrichtung aber jetzt nicht genau beschreiben. Nur Techno käme für uns nie in Frage!

SALZBURGERIN: Euer erstes Album ist ein Mix aus bitter-böser Romantik, Alltagskomik und Gassenhauern. Habt ihr persönlich ein Lieblingslied? Das euch besonders am Herzen liegt?

Nein.

SALZBURGERIN: Im Sommer erscheint euer zweites
Album. Was könnt ihr uns darüber verraten?

Ich wüsste nicht was. Es gibt keine Geheimnisse. Es wird musikalisch ausgereifter werden, wir haben viel dazugelernt, aber wir wollen in keinem Fall die Leichtigkeit verlieren. Und es soll wieder ein Gassenhauer werden.

SALZBURGERIN: Euer Hobby ist jetzt zum Full-time-Job geworden. Was macht ihr neben eurer Musik? Was macht ihr in eurer Freizeit?

Wir sind keine klassische Band. Wir sind auch im Filmbereich erfolgreich. Von „Horvathlos“ gibt es bis jetzt zwei Staffeln, zu Weihnachten wird es die dritte Staffel geben. Und Freizeit – Beruf und Hobby sind bei uns eins. Wir haben keinen geregelten Tagesablauf, alles fließt in-einander. Sonst tun wir halt, was andere Leute auch tun, ganz normal eben.

SALZBURGERIN: Seid ihr völlige Autodidakten in der Kunst? Gibt es vielleicht Wurzeln in der Familie?

In der Musik sind wir beide Autodidakten, ja. Ich als
Kabarettist auch, Schmäh kann man sich nicht anlernen. Bernhard hat als Filmproduzent schon künstlerische Wurzeln in der Familie. Sein Vater macht auch Filme.

SALZBURGERIN: Euer Erfolgsrezept?

Leichtigkeit. Das relaxte Angehen von Dingen. Wir würden auch nichts machen wollen, wo man sich plagen und sich den Kopf zerbrechen muss.

SALZBURGERIN: Man hört, ihr seid sozial engagiert? Und seid ihr politische Menschen?

Wir sind sozial engagiert und spenden auch viel, wir
wollen aber damit nicht prahlen. Das ist eher privat, weil wir es tun wollen. Und politisch sind wir schon, aber nicht parteipolitisch.

SALZBURGERIN: Ihr wolltet nie berühmt werden, jetzt seid ihr es aber doch geworden. Habt ihr Angst vor Druck? Dass ihr euren Erfolg nicht halten könnt? Gibt es einen Plan B, falls es doch schiefgehen sollte mit der Musik?

Druck haben wir gefühlt, ja, schon bei Horvath. Kurzfristig war er auch beim Musikmachen da. Wir haben den Stress aber abgewimmelt, wir wollen uns nicht verändern und verstellen müssen und beim Erfolgsstress mitmachen. Außerdem heben dich die Leute ab, das machst du nicht selbst. Und nein, wir haben keinen Plan B

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SALZBURGERIN: Im April macht ihr im Zuge eurer
Österreich- und Deutschland-Tour Halt in Salzburg. Was ist das erste, was euch zu Salzburg einfällt?

Salzburg kann vielleicht als einzige Stadt Österreichs wirk-lich als schöne Stadt bezeichnet werden. Und die Festspiele kennt man, obwohl ich noch nie etwas gesehen habe.

SALZBURGERIN: Wo soll es hingehen? Wünsche, Ziele für 2016?

Man kann nicht alles planen. Glück ist das Ziel! Wenn wir 60 sind, wollen wir sagen können: Das war mein Glück, so zu leben. Und ansonsten unsere Tour, unser zweites
Album und die dritte Staffel von „Horvathlos“.

Eva Pittertschatscher


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