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„Ich bin der Muhammad Ali des Kabaretts“

Text: Doris Thallinger

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Josef Hader hat mit „Hader on Ice“ ein neues Kabarettprogramm – für viele eine kleine Sensation nach so vielen Jahren „Hader spielt Hader“. Wie der „Meister des Comebacks“ mit Druck und Erwartungen umgeht, was ihm Halt gibt und das Älterwerden leicht macht, verrät er im Interview mit der SALZBURGERIN.

Das Warten hat ein Ende. Nach so vielen Jahren „Hader spielt Hader“ ein neues Programm! Wie groß war da der Druck von außen, aber auch innerlich, etwas Neues zu liefern?
Der Druck war nicht so groß. Ich finde es im Gegenteil immer sehr inspirierend, wenn die Leute glauben, jetzt kommt sicher nichts mehr. Ich bin der Meister des Comebacks! Der Muhammad Ali des Kabaretts! Der Grund war, ganz simpel gesagt, dass ich viele Filmgeschichten gemacht habe, irgendwann ist die Idee entstanden, einen eigenen Film zu machen. Dafür habe ich mir viel Zeit gelassen und so ist diese Pause entstanden. Für mich war immer klar, sobald der erste Film fertig ist, kommt ein neues Programm.

Wie lange haben Sie nun daran gearbeitet?
Im Sommer 2019 hatte ich ein wenig Zeit für das Konzept. Damals habe ich aber noch keinen Text geschrieben, sondern einen Monat lang in ein Schreibbuch notiert, was ich gerne machen würde. Anfang 2020 habe ich mein Schreibjahr begonnen. Geplant war, dass ich abwechselnd zwischen einem Kabarettprogramm und einem Drehbuch monateweise hin und her wechsle, damit der Blick auf das Jeweilige immer frisch bleibt. Das habe ich auch gemacht – mit einer Sommerpause.

Wenn man mit einem neuen Programm rauskommt, besteht da auch bei einem alten Hasen wie Ihnen die Sorge, den doch sehr hohen Erwartungen der Fans nicht gerecht zu werden?
Natürlich, das geht nie weg! Dass man jedes Mal eine Riesenangst hat, ob das was wird, ist auch, glaube ich, der Motor, der einen gescheit arbeiten lässt. Man probiert ja doch etwas anderes aus als beim letzten Mal – es ist ein ganz anderes Konzept, mit einer ganz anderen Figur. Da ist immer die Frage, ob das aufgeht oder nicht. Es ist einerseits die Angst, die einen arbeiten lässt, andererseits ist es auch der Kick, den man braucht, um wach und inspiriert zu sein.

Die Bühnenfigur, die jetzt Abend für Abend da draußen steht – wieviel hat die echte Person Josef Hader mit dieser Bühnenfigur gemein?
Das können Sie viel besser beurteilen, wenn ich jetzt dasitze… Man verwendet natürlich etwas von sich, man verwendet etwas von anderen, man denkt sich was aus. Das Ziel ist, eine Mischung zu kreieren, bei der man niemanden zu genau auf sein Privates schauen lässt, das ist ja nicht Sinn und Zweck des Ganzen. Aber natürlich ist der Nebeneffekt einer solchen Bühnenfigur, dass man seine eigenen Abgründe auch gut ausleben kann.

Ich glaube das Publikum fragt sich regelmäßig, was stammt aus seinem echten Leben und was ist Fiktion…
Das ist auch das Spannende! Das war von Anfang an das Konzept. Ich habe das Programm von Anfang an als „Ein ver-kleidetes Theaterstück“ beschrieben. Es kommt als Kabarettprogramm daher und der Josef Hader ist selber auf der Bühne. Mit der Zeit wird er aber irgendwie zu einer Figur, der man nicht mehr so recht trauen kann. Obwohl es nur der Josef Hader ist – offiziell.

Sie beschreiben auch die Zeit der Quarantäne sehr eindrucksvoll. Wie haben Sie tatsächlich die Zeit des Lockdowns erlebt?
Ich habe sowieso Schreibzeit gehabt. Die einzige Planänderung war, dass ich nirgendwo hinfahren konnte. Manchmal ist das beim Schreiben ganz schön, wenn man nicht nur in der eigenen Wohnung schreibt, sondern vielleicht ein paar Tage irgendwohin fährt – aufs Land oder auch ins Ausland und sich ein bisschen sammelt. Das war nicht möglich. Man hat halt wie alle anderen versucht, mit der Situation klarzukommen. In meinem Fall war das, im Vergleich zu dem, was viele andere erlebt haben, luxuriös.

Abgesehen von der Pandemie – generell bei Krisen im Leben. Was gibt Ihnen in solchen Zeiten persönlichen Halt?
Ich bin gut im Improvisieren. Ich bin schlecht im Planen. Ich verplane mich dauernd, vor allem mit der Zeit. Kein Witz, ich glaube immer, das geht alles in einer gewissen Zeit, was letztlich viel schwieriger ist und länger dauert. Ich bin ein schlechter Planer, aber wenn Pläne durcheinandergeworfen werden, dann blühe ich auf!

In Ihren Programmen wird immer diese Hassliebe zur katholischen Kirche thematisiert. Welche Bedeutung hat Religion bzw. Spiritualität in Ihrem Leben?
Privat keine große, weil ich kein sehr spiritueller Mensch bin. Ich bin eher jemand, der versucht, das Ganze im weitesten Sinne philosophisch zu sehen. Man weiß es nicht genau, man wird auch nie herausfinden, wofür wir da sind. Daher lohnt es sich nicht groß, sich damit zu beschäftigen.

Sie bieten auf der Bühne auch einen Einblick in die menschliche Seele, in die österreichische Seele…
… in die männliche Seele

… das wollte ich gerade sagen…
… die männliche ist manchmal auch eine unmenschliche…

… richtig! Es geht aber auch ein bisschen um die Krise der Männlichkeit. Was denken Sie, macht heutzutage einen richtigen Mann aus?
Keine Ahnung! Das habe ich mich nie gefragt, denn ich war nie ein richtiger Mann. Das mit dem Mannsein geht ja mit den Gleichaltrigen los, wenn man sich in einer Gruppe durchsetzen soll. Das war für mich nie Thema, ich war nie in so einer Gruppe, ich war immer der Außenseiter. Deswegen habe ich mit dieser Männlichkeit, in einer Gruppe von Männern zusammen segeln zu fahren oder sich einmal in der Woche auf ein Bier zu treffen, nichts am Hut.

Angenommen, Sie wären jetzt an der Macht, was wäre Ihr wichtigstes Anliegen, was würden Sie als erstes verändern wollen?
Wenn ich die totale Macht über die Welt hätte, wenn ich der große Weltdiktator wäre, dann würde ich versuchen, ein guter Diktator zu sein. Ein Wirtschaftssystem, in dem die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden und das auf Kosten der Umwelt, das gehört geändert. Das würde schon am nächsten Tag passieren!

Wenn Sie an die Zukunft denken, was ist Ihre größte Befürchtung oder Ihre größte Angst?
Ich bin keiner, der große Zukunftsängste hat. Schon als ich jung war, habe ich es immer etwas komisch gefunden, dass die alten Leute so eine Angst vor der Zukunft haben. Diejenigen, die eigentlich selber nur mehr so wenig Zukunft haben. Die älteren Leute haben gesagt: „Mei, es wird alles so furchtbar, ich bin froh, wenn ich bald sterbe, so eine schreckliche Zeit.“ Da habe ich mir gedacht, was haben die? Inzwischen weiß ich es: Die haben einfach einen Mangel an Testosteron und an sonstigen Hormonen. Dieser Mangel nimmt ihnen den Lebensmut und ich möchte nicht zu diesen älteren Herrschaften gehören, die plötzlich Zukunftsängste haben. Die Menschheit hat sich immer irgendwie selber beim Krawattl aus dem Sumpf gezogen. Es hat immer Krisen gegeben, seit es Menschen gibt…

Werfen wir doch einen Blick in die nahe Zukunft. Am 14. Februar nächsten Jahres…
Jetzt hat mich doch noch jemand erwischt mit einer Interviewfrage zu meinem Geburtstag. Ich haue ab – an jedem Geburtstag und an runden Geburtstagen besonders lange, damit ich körperlich einfach nicht erreichbar bin. Ich komme wieder, wenn alles vorbei ist. Wie ein Gewitter, das man in einem Schlupfwinkel abwartet.

Also, keine große Geburtstagsfeier zum 60er, ich verstehe.
Ich mag diese Gelegenheiten, in denen man so viele Leute um sich hat, sowieso nicht. Das ist immer mühsam, weil du mit niemandem gescheit reden kannst. Egal, ob das eine Filmpremiere ist oder ein Fest oder ein Ball – all diese Anlässe, bei denen man herumsteht und mit jedem ein bisschen redet, sind kein Vergnügen für mich. Ich finde das anstrengend. So eine Geburtstagsfeier wäre dasselbe und darum vermeide ich das nach Kräften. Ich habe seit meinem 18. Geburtstag keine richtige Feier mehr veranstaltet. Ich kann mir das ja auch erlauben. Manche Leute müssen von Berufswegen ihren 60er feiern oder es gibt vielleicht sogar Künstler, die müssen den 60er feiern, damit sie wieder irgendwo vorkommen – das brauche ich auch nicht.

Wie gehen Sie generell mit dem Älterwerden um?
Ich versuche, mir einzureden, dass es auch Vorteile hat, dass man bestimmte Dinge nicht mehr machen muss. Wenn
z. B. irgendein berufliches Angebot daherkommt, das nur halb interessant ist, dann sage ich nein. Wenn irgendein Veranstalter anruft, wo ich noch nie gespielt habe und ich denke mir, eigentlich kann ich das auslassen, dann lasse ich es aus. Und wenn mich die Leute fragen, warum, dann sage ich, ich bin jetzt so und so alt, ich habe nicht mehr so viel Zeit. Ich mache jetzt nur noch die Sachen, die mir richtig Spaß machen. Ich versuche dem Älterwerden zu begegnen, indem ich mir den Vorteil herausnehme, bestimmte Dinge wegzulassen. Was ich noch schaffen muss, ist weniger zu spielen – vor lauter Begeisterung mit dem neuen Programm.

Was würden Sie mit der heutigen Erfahrung dem jungen Josef Hader raten?
Die Hauptfehler sind auf privater Basis passiert, das können wir hier nicht diskutieren. Beruflich würde ich ihm raten, früher ein eigenes Drehbuch zu schreiben. Dem ganz jungen Josef Hader würde ich raten, es mit dem geschriebenen Wort zu probieren, ein kleines Buch zu schreiben. Das ist etwas, das ich nicht mehr anzufangen brauche. Vielleicht wäre das eine interessante Spielwiese gewesen, aber dafür ist es ein bisschen zu spät. Außer ich schreibe meine Biografie – wenn ich damit beginne, dann wissen Sie, dass ich aus dem letzten Loch pfeife.

Tipp: Wer Josef Hader im November verpasst hat, bekommt im Februar an gleich zwei Terminen die Chance, „Hader on Ice“ live zu erleben.