beitrag_IAA19

IAA neu aufgestellt, weniger ausgestellt

Unter dem Motto „Driving tomorrow“ präsentierte sich die IAA 2019 in Frankfurt am Main als Plattform für die Mobilitätswende. Allerdings weniger international: Die IAA war eher eine Ausstellung der deutschen Automobilindustrie mit ausländischer Beteiligung. Interessant dennoch, auch wenn manche Herbstneuheit nicht ebendort präsentiert wurde.
Ein Artikel von René Herndl

Der Zuspruch der Importmarken ließ auf der IAA ziemlich zu wünschen übrig. Aus Japan fehlten außer Honda alle bedeutenden Hersteller, also auch die Hybridpioniere von Toyota, auch weil bei der IAA der Elektrifizierung und der Hybridisierung als Hauptthemen besonders viel Aufmerksamkeit beigemessen wurde. Aus Frankreich hatte allerdings der PSA-Konzern mit Peugeot, Citroën und DS abgesagt, ebenso Renault und die Schwestermarken Alpine und Dacia. Auch Fiat-Chrysler (FCA) blieben der Messe komplett fern. Von Volvo trat lediglich die Elektro-Submarke Polestar an, was vielleicht dem Thema geschuldet war. Und während Hyundai an der Messe in bescheidenem Umfang teilnahm, bot die koreanische Schwestermarke Kia lediglich Probefahrten mit Modellen auf den Freiflächen vor den Hallen.

Elektro, Hybrid und SUVs
Hohe Standmieten führten unter anderem dazu, dass BMW zum Beispiel für seinen Stand auf der IAA statt 11.000 nur noch 3.000 (+ 600 Mini) Quadratmeter anmietete. Und auch hier wurde, bei aller immer wieder betonten Sportlichkeit der Marke, die Zukunft neben Design über Automatisiertes Fahren, Connectivity und Elektrifizierung definiert. Dementsprechend standen neben dem neuen 1er, erstmals als Fronttriebler, vor allem SUVs im Mittelpunkt – auch deren hybridisierte und elektrifizierte Varianten, vom e-X3 bis zum brandneuen X6 der dritten Generation, der hier erstmal zu sehen war. Ein weiteres Highlight war der frisch bearbeitete Kompakt-SUV X1 mit allerlei Modifizierungen bis hin zu hochwertigen Ausstattungsfeatures in den (als Zusatzausstattungen nicht gerade preiswerten) Bereichen Bedienung und Vernetzung. Zudem feierte auch der praktische und beliebte Touring der Dreierreihe seine Premiere. Sonstige Neuheiten? Da durfte natürlich die sportliche Fraktion nicht fehlen, wie der viertürige Luxus-Sportwagen BMW 8er Gran Coupé oder die beiden Extremsportler M8  Coupé und Cabriolet, die mit 600 PS oder in der Competition-Version gar mit 625 PS und entsprechender Fahrdynamik aufwarten. Zudem demonstriert BMW mit dem Brennstoffzellen-Auto „i Hydrogen NEXT“ auch, dass sie neben der batteriebasierten Elektrifizierung für den Einsatz der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie gerüstet sind.
Bei Mini feierte der neue, rein elektrische Cooper SE seine Messepremiere. Kraftvolle Spurtmanöver (in nur 3,9 Sekunden aus dem Stand auf 60 km/h, in 7,3 Sekunden auf 100) ermöglicht sein 184 PS starker Elektromotor, der typischerweise die Vorderräder antreibt. Reichweite? Von 235 bis 270 Kilometer – bei nicht extremer Fahrweise. Also sollte auch ein Ausflug in das Umland der Stadt drinnen sein, wo das Potenzial auch zur Geltung kommt.
Der Hammer unter den kleinen E-Mobilen war der Honda e – ein schnuckelig kantiges Stadtauto, dessen Preis ohne Abzug von eventuellen Förderungen bei € 34.990 für die Basisversion mit 136 PS liegen wird. Die Version Advance verfügt über zusätzliche Ausstattungsmerkmale, eine Motorleistung von 154 PS und wird ab € 37.990 erhältlich sein.
Den wirklich dicken Auftritt leistete sich der VW-Konzern mit allen dazu gehörigen Marken:
Volkswagen präsentierte bereits am Vorabend der IAA in Frankfurt den, so VW-Diktion, „wegweisenden“ ID.3. Für die Marke soll er das Symbol einer neuen Zeit sein. Der ID.3 ist das erste Modell einer komplett neuen Generation reiner Elektrofahrzeuge, das „Elektromobilität für alle“ bedeuten soll, was bei einem Einstiegspreis von € 30.000 allerdings fraglich ist. Die VW-Strategie der Elektromobilisierung mit vielen weiteren Modellen liegt angesichts der stagnierenden Nachfrage und der nicht geklärten Umweltfragen noch in den Sternen, auch wenn sie politisch gefördert wird. Und als optischen Aufputz präsentierte VW dann auch noch den SUV T-Roc als Cabrio.
Audi: Mit dem neuen RS 6 schlägt Audi Sport ein neues Kapitel in der High-Performance-Avant-Geschichte auf. Noch mehr Leistung (600 PS, 3,6 Sek/0-100 km/h) bei gesteigerter Effizienz dank Mild-Hybrid-System machen den RS 6 Avant zum Rennwagen unter den Kombis dieser Welt. Seine Weltpremiere feierte der A7 Sportback 55 TFSI e quattro, nach Audi-Definition der Gran Tourismo unter den Plug-in Hybriden. Audi verfolgt also ebenfalls eine Elektrifizierungsstrategie, wobei der Verdacht nahe liegt, dass vor allem die strengen Begrenzungen des Flottenverbrauchs der Grund sind. „Intelligentes“ Antriebsmanagement ermöglicht hohe elektrische Reichweite, damit auch niedrigen Verbrauch und doch dynamische Fahrleistungen – wie eben im neuen Audi A7 Sportback 55 TFSI e quattro mit einer Systemleistung von 367 PS.
Bei Cupra, dem sportlichen Zweig von Seat, stand die Weltpremiere des Tavascan im Mittelpunkt. Diese Vision eines vollelektrisch angetriebenen SUV-Coupés – zwei Motoren, jeweils einer an der Vorder- und an der Hinterachse – bringen insgesamt 306 PS auf die Straße. Damit beschleunigt der Cupra Tavascan in weniger als 6,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und bietet angeblich genug Energie für eine Reichweite von bis zu 450 Kilometern.
Škoda ergänzt seine SUV-Palette auf dem europäischen Markt um ein drittes Modell und besetzt mit dem Kamiq erstmals das stark wachsende Segment der City‑SUVs. Er verbindet eine erhöhte Sitzposition mit der Agilität eines kleineren Kompaktfahrzeugs und den heute üblichen Assistenz- und Infotainmentsystemen. Damit liegt er ganz im Zeitgeist-Trend.
Porsche: Taycan Turbo S und Taycan Turbo heißen die ersten Modelle der neuen Baureihe. Sie bilden die Speerspitze der Porsche E-Performance und zählen zu den leistungsstärksten Serienmodellen, die der Sportwagenhersteller derzeit in seinem Produktportfolio hat. Weniger leistungsstarke Varianten des Allradlers folgen noch in diesem Jahr. In der Topversion Turbo S kommt der Taycan auf bis zu 761 PS Overboost-Leistung im Zusammenspiel mit der Launch-Control, der Taycan Turbo auf bis zu 680 PS. Reichweite und Preise? Angeblich erprobte mehr als 400 Kilometer zum Spottpreis von mehr als 150 bzw. 180 Tausend Euro!
Der neue Cayenne Turbo S E-Hybrid ist der stärkste und schnellste Cayenne aller Zeiten. Seine Systemleistung von 500 kW (680 PS) und sein maximales Systemdrehmoment von 900 Nm erlauben einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 295 km/h. Aber wo und wofür? In der „kompakten“ SUV-Modellreihe übernimmt der neue Macan Turbo ab sofort den Spitzenplatz. Der neue 2,9-Liter-Sechszylinder-Biturbomotor des umfangreich überarbeiteten Topmodells bietet mit 440 PS im Vergleich zum Vorgänger zehn Prozent mehr Leistung aus 20 Prozent weniger Hubraum. Kommentar überflüssig!
Lamborghini stellte auf der Frankfurter Automobilshow Sián (auch als Hommage an den kürzlich verstorbenen Ferdinand Piech) vor, einen Hybrid-Supersportwagen mit neuen Technologien und außergewöhnlicher Leistung im Hybrid-Bereich. Weltweit bringt er den ersten Einsatz eines Superkondensators in einer Hybrid-Lösung, die sich in der Kombination von thermischer und elektrischer Leistung auf 819 PS summiert: Der leistungsstärkste Lamborghini aller Zeiten (max. 350 km/h!)
Auch bei Mercedes wird heftig an Plug-in Hybriden gefeilt, die unter dem Label EQ Power als Meilensteine auf dem Weg zum emissionsfreien Fahren gelten sollen. So auch beim A 250 e und dem B 250 e, bei denen die E-Maschine 75 kW leistet. Zusammen mit dem 1,33 Liter großen Vierzylindermotor ergibt dies eine Systemleistung von 218 PS und ein Systemdrehmoment von 450 Nm. Zudem war bei Mercedes die Erweiterung des SUV-Coupé-Programms zu sehen, etwa der GLB oder der ebenfalls hybridisierte GLS. Auffallend war das GLE-Coupé, wobei der sportliche Anspruch auch in seiner Motorenpalette deutlich wird. Als Basismotorisierung zur Markteinführung stehen drehmomentstarke Reihensechszylinder-Turbodieselmotoren mit 272 bzw. 330 PS. Sicher kein Massenauto! Übrigens möchte das Unternehmen bis 2020 das Angebot auf weit mehr als 20 Modellvarianten erweitern, wobei der EQV als vollelektrischer Van schon bei der IAA debütierte.
Ford war mit den neuen Modellen Puma, Kuga und Explorer, also drei neuen SUVs vertreten, wobei der Puma eher als trendiger Crossover daherkommt. Den Explorer dagegen gibt es bei uns nur als Hybrid mit 450 PS. Und: Ja, Opel, also die deutsche Fraktion der Franzosen, war auch noch da und zwar mit dem neuen Corsa (ebenfalls mit E-Ausgabe) und dem gelifteten Astra. Mit französischen Genen, logischerweise.
Ein wahres Premieren-Highlight der IAA zum Schluss: Der legendäre Geländewagen von Landrover, der Defender, startete hier in zwei Größen-Variationen, um den Weltmarkt wie sein Vorgänger zu erobern. Er ist kantig und robust mit Aluminium-Monocoque und rundum Einzelradaufhängung fürs schwere Offroad-Erlebnis.

Neuigkeiten abseits der IAA
Der neue Mazda CX-30 übernimmt als zweites Modell die weiterentwickelte, aktuelle Kodo-Designsprache, die subtile Schönheit durch Reduktion von Zierrat schafft. Im neuen CX-30 vereint Mazda kompakte Bauweise, großzügiges Platzangebot und ein serienmäßig hohes Ausstattungsniveau in einem brandneuen SUV. Marktstart in Österreich ist am 20. September – die Preise beginnen bei € 25.990.
Vom Citroen-Ableger DS kommt der SUV DS 7 Crossback, der das erste Modell der zweiten Generation von DS Automobiles ist. Er bildet den Auftakt für fünf weitere Modelle, die bis 2022 auf den Markt kommen sollen. Dazu zählen auch rein elektrisch angetriebene Versionen wie der ab Herbst 2019 erhältliche DS 7 Crossback E-TENSE 4×4 mit Hybridantrieb und der e-DS 3 Crossback als das erste rein elektrisch angetriebene DS Modell.
Der neue Peugeot 3008 GT Hybrid4 liefert eine Leistung von 300 PS und besonders niedrige CO₂-Emissionswerte für einen Plug-In Hybrid, der im reinen Elektromodus eine Reichweite von 59 km ausweist.
Ab sofort sind der neue, smarte Kleinwagen Peugeot 208 und seine vollelektrische Variante e-208 bei allen Händlern in Österreich bestellbar. Mit sportlich-markantem Design, einer Vielzahl an modernen Fahrerassistenzsystemen und der Auswahl zwischen Benzin-, Diesel- und Elektromotoren, verspricht der neue, kleine Löwe viel Flexibilität und Antriebsvarianten für jeden Geschmack. Der Einstieg in den neuen Peugeot 208 gelingt bereits ab € 15.800.
Von Nissan kommt die zweite Modellgeneration des Juke, jetzt mit mehr Platz und Komfort für Fahrer und Passagiere, neuen Konnektivitätsfeatures und erstmals auch mit ProPilot – in vielerlei Hinsicht also reifer und ausstattungsreicher. Seinen polarisierenden Charakter mit ausdruckstarkem Design hat er nicht verloren.
Und auch Ferrari hat sein neuestes Modell vorgestellt, den F8 Spider, die neue Generation offener Sportwagen, ausgestattet mit dem erfolgreichsten V8-Mittelmotor in der Geschichte des Unternehmens. Der Ferrari F8 Spider leistet 720 PS und wurde parallel zum Berlinetta F8 Tributo entwickelt. Er stellt die würdige Fortsetzung einer prestigeträchtigen Reihe offener V8-Modelle dar, die mit dem 308 GTS 1977 ihren Anfang nahm.

Fotos: Hersteller

144 total views, 2 views today

Alle Beiträge aus Auto & Motorrad


Facebook IconInstagram