Karo, Leder & Persönlichkeit
Die neue Saison liebt Gegensätze: Präzises Tailoring trifft auf Romantik, Heritage auf Glamour und kuschelige Materialien auf starke Silhouetten.
Text: Doris Thallinger | Fotos: COMMA, Nubikk, socialcontent.at
Mode darf Charakter haben. Nach Jahren des minimalistischen Understatements wird die Herbst-/Wintergarderobe 2026/27 wieder emotionaler, femininer und ausdrucksstärker. Die großen Modehäuser spielen mit klassischen Codes, interpretieren sie neu und lassen dabei durchaus Raum für Fantasie.
Blazer bekommen Taille, Mäntel werden zu Statement-Pieces, Karo feiert seine Renaissance und Leder zeigt sich von seiner luxuriösen Seite. Dazu kommen Spitze, Samt, Fransen, Kunstfell und überraschend viel Glanz.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Trends gleichzeitig zu tragen. Im Gegenteil: Die neue Saison macht Lust darauf, die eigene Garderobe bewusster zusammenzustellen. Ein guter Mantel, ein perfekt geschnittener Blazer oder eine hochwertige Lederhose werden zu langfristigen Begleitern – und bekommen durch ein besonderes Accessoire oder eine unerwartete Kombination eine ganz neue Wirkung.

Lederrock & Halbarm-Pullover von Dorothee Schumacher, Flanellbluse von R13, Tasche von Balenciaga, Schuhe von Hogan, Outfit erhältlich bei DIVA Salzburg
Karo ist zurück
Wenn es ein Muster gibt, das den Herbst einfach versteht, dann Karo. Glencheck, Hahnentritt, Tartan und großflächige Checks bringen eine Prise britische Heritage-Ästhetik in die neue Saison. Besonders stark zeigt sich das Muster auf Wollmänteln, Blazern, Anzügen und Röcken.
Dabei muss Karo keineswegs bieder wirken. Im Gegenteil: Ein oversized geschnittener Mantel, ein taillierter Blazer oder eine weit geschnittene karierte Hose geben dem Klassiker eine moderne Silhouette. Besonders harmonisch wirken die Muster in der Farbwelt der Saison: Schokoladenbraun, Camel, Bordeaux, Dunkelgrün, Grau und Creme.
Power Dressing wird weiblicher
Der Anzug bleibt eine der wichtigsten Modebotschaften des Winters, bekommt aber ein deutlich feminineres Update. Statt strenger Businessuniform geht es um weiche Stärke: taillierte Blazer, betonte Schultern, hochwertige Wollstoffe, weite Hosen und skulpturale Schnitte. Die klassische Anzugjacke wird dabei neu interpretiert. Schmale Taillen und betonte Hüften verleihen ihr eine fast skulpturale Wirkung, während lässigere Schnitte den Look wieder entspannen. Auch die Kombination mit Denim, Strick oder fließenden Stoffen macht Tailoring alltagstauglicher. Das neue Power Dressing vermittelt Souveränität durch gute Schnitte, hochwertige Materialien und Haltung.
Update der Vergangenheit
Tweed, Wolle, Bouclé, traditionelle Muster und Strick erzählen im Herbst eine Geschichte von
Handwerk, Beständigkeit und zeitloser Eleganz. Der Heritage-Look bekommt allerdings ein modernes Styling: Klassische Materialien treffen auf lässigen Denim, klare Schnitte oder unerwartete Farbkombinationen. Auch Strick und traditionelle Muster finden ihren Weg in die aktuelle Mode.
Aus dem klassischen Country-Look wird so ein urbaner Stil, der wunderbar in die kalte Jahreszeit passt. Das Entscheidende: Nicht zu perfekt stylen! Ein moderner Bruch macht Heritage erst interessant.



Spitze, Samt und eine Prise Drama
Die romantische Seite der Saison zeigt sich dunkel, geheimnisvoll und selbstbewusst. Spitze, transparente Stoffe, Samt, Rüschen, florale Details und fließende Silhouetten treffen auf Schwarz, tiefes Rot und dunkle Juwelentöne. Besonders spannend ist die Verbindung von Zartheit und Strenge:
Ein transparentes Spitzenoberteil unter einem präzise geschnittenen Blazer. Ein romantisches Kleid mit derben Boots. Ein Samt-Rock zum schlichten Kaschmirpullover.
Leder wird erwachsen
Leder bleibt – aber es hat seine rockige Vergangenheit weitgehend hinter sich gelassen. In der neuen Saison zeigt sich das Material elegant, weich und luxuriös. Ledermäntel, Lederhosen, Röcke, Hemden und Kleider funktionieren besonders gut in Schwarz, Schokoladenbraun, Cognac, Bordeaux und Oliv. Ton-in-Ton-Looks wirken edel, während Leder im Stilbruch mit Strick oder Spitze überraschend feminin wird.
Eindrucksvolle Mäntel
Der Wintermantel wird 2026/27 vom funktionalen Überwurf zum Hauptdarsteller. Volumen, auffällige Schultern, großzügige Silhouetten und luxuriöse Oberflächen sorgen für Präsenz. Besonders gefragt sind lange Wollmäntel, voluminöse Outerwear, Shearling und Kunstfell. Dabei darf der Mantel ruhig ein wenig größer und dramatischer ausfallen.
Die Proportionen werden bewusst überspitzt – ein Spiel, das sich auch bei Ärmeln, Krägen und Schultern zeigt.
Es darf funkeln
Die große Abendmode macht einen Ausflug in den Alltag und zeigt, dass Glamour keinen Anlass braucht. Pailletten, Fransen, Perlen, Stickereien und metallische Details tauchen nicht mehr nur bei festlichen Kleidern auf. Art-Déco-inspirierte Elemente bringen Glamour in die Wintergarderobe. Geometrische Muster, Samt, Fransen und funkelnde Accessoires erinnern an die Eleganz der 1920er-Jahre, ohne dass daraus ein Kostüm wird.
Der Trick liegt im Stilbruch: Ein Paillettenrock wird mit einem groben Pullover und Boots alltagstauglich. Ein glitzerndes Top verliert mit einer Jeans seine Abendgarderoben-Strenge. Glamour braucht keinen Anlass.
Maximale Liebe
Der Rock darf wieder lang sein. Leder, Denim, Wolle und fließende Stoffe reichen bis weit über das Knie und werden mit kurzen Jacken, taillierten Blazern oder körpernahen Oberteilen kombiniert.
Das Spannende ist dabei das Spiel mit den Proportionen: langer Rock + kurze Jacke schafft eine moderne, feminine Silhouette. Wer es lässiger mag, kombiniert den Maxirock mit einem voluminösen Pullover und flachen Schuhen.
Accessoires
Die kleinen Dinge bekommen in dieser Saison große Wirkung. Statt möglichst unauffälliger Begleiter dürfen Accessoires wieder Persönlichkeit zeigen. Broschen feiern ihr Comeback und
und schmücken Blazer, Mäntel und Schals. Große Ohrringe und skulpturale Armreifen setzen Statements. Taschen werden wieder weicher und geräumiger; Slouchy Bags, klassische Loafer und hohe Stiefel gehören zu den starken Begleitern der Saison. Auch burgunderrote Taschen funktionieren zunehmend wie ein neutraler Klassiker. Und der Schal? Der wird vielseitiger denn je – um den Hals, über den Mantel, als Gürtel oder sogar als dekoratives Detail an der Tasche.