Leben

Lesezeit: 7 Minuten

Heilen durch Massage

Text: Natalie Zettl

Fotos: PeopleImages, Kerrick - istockphoto.com; Experten: Martina Herzog, www.kaindl-hönig.com, Simone Kuehr

Den meisten Menschen ist Massage nur als – zugegeben, beliebtes – Mittel zur Entspannung bekannt. Dabei gibt es in diesem Bereich auch noch eine medizinische Variante: die Heilmassage.

Durch Massage nicht nur Wohlbefinden zu erlangen, sondern auch Schmerzen und Krankheiten zu heilen – das machen professionelle Heilmasseure möglich. Die höchstmögliche Ausbildung im Bereich der Massage beinhaltet neben klassischen und speziellen Massagetechniken auch die Vermittlung von medizinischem Fachwissen, das später in die Behandlung der Patienten miteinfließt. Nur der Heilmasseur ist berechtigt, freiberuflich zu arbeiten und kranke Patienten nach ärztlicher Anordnung zu behandeln.

Ausbildung zum Heilmasseur
Heilmasseurin Martina Herzog beschreibt, wie sich der Heilmasseur vom klassischen gewerblichen Masseur abgrenzt: „Die Ausbildung zum Heilmasseur setzt als Basis die Ausbildung zum medizinischen Masseur mit 815 Unterrichtseinheiten und zusätzlich 875 Praktikumsstunden in einem Krankenhaus voraus. Erst danach ist die Ausbildung zum Heilmassseur mit zusätzlich 800 Unterrichtseinheiten möglich. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit verschiedenen Krankheitsbildern, wofür in jedem Fall medizinisches Fachwissen benötigt wird.“ Unter anderem bildet die Elektrotherapie einen Teil der Ausbildung: Diverse Stromformen werden zur Muskel- und Nervenstimulation oder auch zur Schmerzlinderung angewandt. Auch professionelles Taping ist ein Thema: Die je nach Muskelverlauf auf der Haut angebrachten Klebestreifen schaffen schnell und unkompliziert Abhilfe bei Schmerzen beziehungsweise unterstützen die Stabilisierung von Gelenken. Je nach Klebetechnik ist es auch möglich, durch Taping den Lymphabfluss anzukurbeln. Ebenfalls berechtigt die Ausbildung auch zur Anwendung des therapeutischen Ultraschalls – zum Beispiel bei Verletzungen von Bändern, Sehnen und Schleimbeuteln.

Für wen sind Heilmassagen geeignet?
Grundsätzlich sind die verschiedensten Massagetechniken für Jung und Alt geeignet. Die freiberufliche Anwendung bei kranken Patienten darf von einem Heilmasseur allerdings nur nach ärztlicher Verordnung durchgeführt werden. Jeder staatlich geprüfte Heilmasseur verfügt über einen entsprechenden Berufsausweis, der auf Verlangen jederzeit vorgelegt wird. Das Besondere bei der Heilmassage: Sie ist eine passive Therapie – der Patient muss selbst nicht aktiv werden, um Schmerzlinderung zu erzielen. „Gerade bei Fällen wie akuten schmerzhaften Nackenverspannungen mit Migräne, bedingt durch berufliche Zwangshaltungen wie Computerarbeit, sind viele Patienten froh, sich einfach nur hinlegen zu können“, weiß Martina Herzog aus Erfahrung. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen keine Heilmassage vorgenommen werden darf – so zum Beispiel bei akuten Bandscheibenvorfällen, frischen Thrombosen oder fieberhaften Erkrankungen.

Wirkungen der Heilmassage
Heilmassage wirkt sowohl auf den Körper als auch auf die Psyche. Körperliche Wirkungen sind neben der Muskelentspannung auch die Schmerzlinderung, ein optimierter Zellstoffwechsel sowie eine verbesserte Wundheilung, beispielsweise nach Operationen. Faszienverklebungen können gelöst werden, Narben werden entstört. Im psychischen Bereich zählt vor allem die Stressreduktion zu den Effekten der Heilmassage – dadurch sinkt der Blutdruck, das vegetative Nervensystem entspannt sich. So fühlen sich Patienten nach einer Heilmassage oft wieder aufgeladen und voller Energie. Je nach Beschwerden werden unterschiedliche Massagetechniken eingesetzt, die auch miteinander kombiniert werden können. Auch Lymphdrainage, Bauchmassage, Bindegewebsmassage, Triggerpunktmassage, Akupunktmassage oder Reflexzonenmassage gehören zum Repertoire der Heilmasseure.

Gute Erfolge erziele ich unter anderem durch die Kombination der Gesichtslymphdrainage mit craniosakralen Therapieelementen bei Spannungskopfschmerz, Migräne, Unruhe und Schlafsstörungen. Diese sanfte Therapie führt ganz unkompliziert und ohne Mitwirkung des Patienten zu einer maximalen Tiefenentspannung mit Blutdrucksenkung und Stressreduktion über das vegetative Nervensystem, gut geeignet auch als manuelle Begleittherapie bei depressiven Verstimmungen.
Martina Herzog, Elsbethen


In meiner Praxis behandle ich oft Patienten, deren Probleme durch Haltungsschäden begünstigt werden. In diesen Fällen ist es wichtig, nach der Heilmassage selbst aktiv zu werden und den oft über lange Jahre antrainierten Fehlhaltungen aktiv entgegenzuwirken. Das ist möglich durch Bewegung, spezielle Übungen für die betroffenen Muskulaturbereiche und eine gesunde Haltung. Nur so kann man langfristig gegen die Schmerzen vorgehen!
Peter Kreil, Salzburg


Die Anwendung von Lymphdrainagen erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Neben dem Einsatz für kosmetische Zwecke kann die Lymphdrainage, in Absprache mit dem Arzt, nach einer Operation angewandt werden, was den Heilungsprozess enorm unterstützt. Sofort nach der OP angewandt, wirkt sie abschwellend, schmerzlindernd und reguliert das vegetative Nervensystem. Für das Wohlbefinden in der kälteren Jahreszeit empfehle ich auf 60 °C erwärmte Moorpackungen oder Infrarot-Bestrahlungen. Diese sorgen in Kombination mit einer muskelrelaxierenden Heilmassage für Tiefenentspannung und tun Körper und Seele gut.
Simone Kuehr, Siezenheim