Leben

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Haarlos glücklich

Text: Astrid Schraffl

Fotos: Claudia Vorderleitner, Zuckerwerk, iStock – sonyachny, izikmd, Maksim Shmeljov, STRELCIUC

Beim Thema Haarentfernung spalten sich die Geister. Fakt ist allerdings, dass es in unseren Breitengraden nach wie vor für viele als Schönheitsideal gilt, sich zumindest an gewissen Körperstellen weitestgehend haarlos zu präsentieren.

Die nach wie vor gängigste Art der Haarentfernung ist die Rasur! Schnell, einfach und jederzeit zuhause erledigbar. Zudem kostengünstig. So viel zu den Vorteilen. Der große Nachteil ist die Häufigkeit, in der nachrasiert werden muss und die dadurch entstehende Belastung der Haut, die oft unschöne und unangenehme Nebenwirkungen wie Rasurbrand, eingewachsene Haarwurzeln sowie Irritationen nach sich zieht.

Creme dich haarlos
Eine andere Möglichkeit, im Eigengebrauch leicht und unkompliziert Haare zu lassen, ist die Verwendung von Enthaarungscremes. Diese sind schnell und einfach aufzutragen, ein paar Minuten Einwirkzeit und schon können wir sie mit beigelegtem Spatel wieder entfernen. Funktioniert an vielen Körperstellen gut (nur von der Nutzung im Intimbereich wird abgeraten) und im Gegensatz zum Rasieren besteht nicht die Gefahr von kleinen Hautverletzungen. Die Haut fühlt sich bereits direkt nach der Anwendung schön glatt und weich an – ein Effekt, der laut den meisten Herstellern etwa doppelt so lange anhält wie nach einer Rasur. Der große Nachteil von Enthaarungscremes ist das hohe Unverträglichkeitspotential, welches sie durch ihren wichtigsten chemischen Inhaltsstoff, die Thioglycolsäure und ihre Salze, haben. Diese sorgen dafür, dass sich während der Anwendung das Haar außerhalb der Haut auflöst und so anschließend einfach weggewischt werden kann. Die Haarwurzel bleibt dabei jedoch unversehrt und das Haar wächst normal wieder nach.

Epilieren war gestern
Das klassische Epilieren mittels Epilator ist heutzutage nicht mehr ganz so beliebt, sprechen doch der relativ hohe Schmerzfaktor (zumindest bis sich eine Gewöhnung eingestellt hat) und der damit verbundene Zeitaufwand inzwischen eher gegen diese Methode der Haarentfernung. Mit dem Epiliergerät werden dabei die Härchen inklusive Haarwurzel ausgezupft. Mit etwas Übung, Geduld und anfänglichem Zähnezusammenbeißen hat man nach der Anwendung glatte und haarfreie Haut für bis zu vier Wochen. Professionelle Epilation mit Epiliergerät sucht man zumindest in Salzburg Stadt allerdings vergeblich – wir jedenfalls wurden nicht fündig.

Zuckerboom und Waxingtrend
Was dagegen boomt ist Waxing und Sugaring. Wir haben uns mit Nicole Vatter vom Sugaring-Studio „Zuckerwerk“ und mit Sandra Eder von „Wax! Baby“ unterhalten. Prinzipiell ähneln sich die beiden Haarentfernungsarten, setzen sie schließlich beide auf manuelle Epilation, also das Ausreißen der Haare. Auch der Schmerzfaktor, das Ergebnis von etwa 3-5 Wochen Haarfreiheit und die Kosten beim Profi sind ähnlich. Wo also liegt der Unterschied? „Beim Sugaring wird eine Zuckerpaste gegen die Wuchsrichtung der Haare einmassiert, was vielleicht etwas unangenehm ist. Tiere streichelt man schließlich auch nicht gegen den Strich,“ erklärt Nicole Vatter. „Es ist aber wichtig, dass der Zucker am Haaransatz gut klebt. Dann wird in der Wuchsrichtung ausgerissen, weshalb 99,9 % aller Wurzeln entfernt werden. Beim Waxing ist das umgekehrt und deswegen gibt es viel mehr Haarbruch, wodurch mehr Haarwurzeln bestehen bleiben. Beim Sugaring wird es von Mal zu Mal weniger und nach etwa der dritten Sugaring-Behandlung sind die Haare deutlich feiner, heller und weniger, ähnlich einem Flaum, weshalb Sugaring mit jedem Mal weniger schmerzhaft wird,“ so Vatter. Dem widerspricht Sandra Eder als Waxing-Spezialistin: „Das Problem mit dem Haarbruch gibt es nur im Heimgebrauch. Weil die Leute nicht die richtige Technik haben. Deswegen – unter anderem – geht man besser zum Profi. Auch der Schmerzfaktor ist beim Waxing ähnlich wie der beim Sugaring, zumindest bei der professionellen Haarentfernung, wo zusätzlich zwischen Haut und Wachs noch ein spezielles Öl verwendet wird, um die Haut zu schützen.“ Als Vorteil zum Sugaring nennt sie die Zeitersparnis, da Waxing schneller geht. Es ist nämlich nicht nötig, mehrmals über eine Stelle drüber zu gehen. Außerdem ist Waxing bereits ab einer Haarlänge von etwa 1 mm möglich, beim Sugaring spricht Vatter von ca. 3 mm.

Nicole Vatter

Sowohl beim Waxing als auch beim Sugaring ist übrigens die beliebteste Zone beim Profi der Intimbereich. Beide Expertinnen raten hier ganz klar vom selber Hand anlegen zuhause ab (was die Haarentfernung betrifft). Wofür also entscheiden? Sugaring oder Waxing? Sandra Eder spricht von einer „Philosophiefrage“, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Sandra Eder

Dauerhaft haarfrei
Wer sich für dauerhafte Haarentfernung entscheidet, hat die Wahl zwischen einer Behandlung mit Laser oder mit Intense Pulsed Light (IPL). Petra Wagner, Geschäftsführerin des Institutes für dauerhafte Haarentfernung mittels Lasers „Stachelfrei“ in Salzburg, erklärt zur IPL-Technik, dass hier ein sehr breites Lichtspektrum eingesetzt wird, welches auf der Haut durch Lichtimpulse die Haarwurzel erhitzt, wodurch auf natürliche Weise das Haar ausfällt und das Nachwachsen der Haare zunehmend weniger wird. Der Nachteil von IPL ist, dass sie nur in einem gewissen Farbspektrum eingesetzt werden kann. Die Technik funktioniert also am besten, je heller die Haut und je dunkler die Haare sind. Außerdem wird sie heißer, dauert länger im Vergleich zur modernen
Laser-Haarentfernung und es braucht im Schnitt mehr Behandlungen bis zum gewünschten Ergebnis. Allerdings gibt es im Gegensatz zur Lasertechnik auch bereits IPL-Enthaarungs-Geräte für den Heimgebrauch. Diese nutzen eine geringere Lichtintensität als professionelle Apparate, erzielen aber teilweise tatsächlich gute Resultate bei der vorübergehenden Haarentfernung. Dauerhafte Erfolge sollte man sich allerdings nicht erwarten. Wobei dauerhaft relativ ist, da man gesetzlich verankert bereits ab einem halben Jahr von dauerhaft spricht. In der Regel müssen selbst nach professionellen Anwendungen am Ende ein bis zwei Mal im Jahr einzelne Sitzungen stattfinden, um den Haarlos-Effekt zu erhalten.

Petra Wagner

Die Laserbehandlung bezeichnet Petra Wagner als „die Weiterentwicklung der IPL-Technik“. Hierbei sind die Wellenlängen fokussierter und gehen mehr in die Tiefe. Dadurch ist der Laser effektiver, schneller und gezielter. Eine Achsel-Behandlung dauert beispielsweise nur ca. eine Minute, der gesamte Intimbereich rund eine Viertelstunde. Etwa 6-12 Sitzungen sind je nach Veranlagung notwendig. Inzwischen ist die moderne Lasertechnik so weit fortgeschritten, dass sie für quasi alle Haar- und Hauttypen anwendbar ist. Einzige Ausnahme: sehr dunkelhäutige Menschen!