Frischer Blick, starke Wirkung
Die Augen gelten seit jeher als „Fenster zur Seele“. Sie verraten viel über uns: Stimmung, Emotionen, Müdigkeit – und nicht zuletzt das Alter. Ein wacher Blick und Lachfältchen wirken sympathisch, während Schatten unter den Augen schnell müde erscheinen lassen. Kein Wunder also, dass viele Menschen großen Wert auf eine gepflegte Augenpartie legen.
Text: Doris Thallinger
Fotos: Adobe Stock, Foto Abel, Telke van den Berg/Dr. Spiller, SEEWALD Ortho, Schnabler Richard
Die Haut rund um die Augen ist besonders dünn und empfindlich: Sie verfügt über schwächere Fett- und Kollagenstrukturen als die übrige Gesichtshaut, hat kaum Bindegewebe und kein Unterhautfettgewebe. Deshalb zeigen sich hier früh die ersten Alterserscheinungen – von feinen Linien und Krähenfüßen bis zu Tränensäcken und dunklen Rändern. Durch Lachen und Mimik entstehen zusätzliche Fältchen, die Haut neigt schneller zu Trockenheit. Kurz gesagt: Die Augenpartie braucht mehr Aufmerksamkeit, gezieltere Pflege und hochwertigere Wirkstoffe als andere Gesichtspartien.
Strahlender Blick
Der Bereich rund um die Augen ist nicht nur ein zentrales ästhetisches Merkmal, sondern auch ein häufiger Grund für medizinische Eingriffe. „Ein wacher, offener Blick signalisiert Vitalität“, erklärt der Salzburger Facharzt Dr. Michael Sigmund. „Wenn Schlupflider oder Tränensäcke stören, kann das nicht nur kosmetisch belasten, sondern sogar das Sehfeld einschränken.“
Der häufigste Grund für eine Operation am Oberlid ist überschüssige Haut. „Bei der klassischen Lidstraffung, der Blepharoplastik, entfernen wir ausschließlich Haut, kein Fettgewebe“, so Michael Sigmund. Der Eingriff dauert rund 40 bis 50 Minuten, erfolgt unter lokaler Betäubung und wird ambulant durchgeführt. Entscheidend sei millimetergenaues Arbeiten: „Wir messen exakt aus, wie viel Haut entfernt werden darf. Ein Sicherheitsabstand von 5 bis 7 Millimetern zur Lidkante ist Pflicht, sonst könnte das Schließen des Auges erschwert werden.“
Der Heilungsverlauf gilt als unkompliziert: Nach sieben bis neun Tagen werden die Fäden gezogen, Schwellungen oder Blutergüsse klingen meist rasch ab. „Viele Patientinnen und Patienten sehen den Unterschied schon bei der Nahtentfernung – der Blick wirkt sofort offener und wacher“, sagt Sigmund.
Handelt es sich lediglich um Hautüberschuss, kann der Eingriff medizinisch begründet sein und in manchen Fällen von der Krankenkasse übernommen werden. Bei jungen Patienten mit wulstigen Oberlidern, bei denen auch Fettgewebe modelliert wird, spricht man hingegen von einer ästhetischen Blepharoplastik.
Laser statt Skalpell
Für alle, die eine Operation scheuen oder präventiv einwirken möchten, bietet sich der fraktionierte CO₂-Laser an. „Durch die Hitze zieht sich die Haut zusammen, das Gewebe wird gestrafft“, erklärt Dr. Sigmund. Besonders wirksam sei die Methode bei jüngerer, elastischer Haut – idealerweise ab etwa 30 Jahren. Die Behandlung muss regelmäßig wiederholt werden, meist jährlich. „Damit kann man eine Operation deutlich hinauszögern – bei ausgeprägtem Fettgewebe reicht der Laser jedoch nicht.“
Tränensäcke und Augenringe: Ursachen erkennen
Am Unterlid ist die Situation komplexer: Fettansammlungen, Lymphstau oder tiefe Tränenrinnen verlangen unterschiedliche Ansätze. Tränensäcke lassen sich nur chirurgisch entfernen oder modellieren, nicht-operative Methoden greifen hier zu kurz. Tränenrinnen können mit Hyaluronsäure sanft aufgefüllt werden, wobei die Dosierung vorsichtig erfolgen muss, um unnatürliche Wülste zu vermeiden. Augenringe haben vielfältige Ursachen: Rötlich-blaue Schatten entstehen durch Blutgefäße und sind schwer therapierbar, braune Verfärbungen durch Pigmente lassen sich mit Laser oder Cremes nur bedingt verbessern. Neben Lidstraffung und Laser kommen minimalinvasive Methoden wie Botox gegen Krähenfüße, Hyaluron gegen Falten, PRP („Vampirlifting“) oder Microneedling zum Einsatz. „Diese Verfahren können sehr effektiv sein – aber sie ersetzen keine Operation, wenn die anatomischen Voraussetzungen dagegenstehen“, betont Sigmund.
Besondere Pflege
„Die Haut um die Augen zeigt schneller Alterungszeichen als andere Gesichtspartien“, erklärt Telke van den Berg, Kosmetikwissenschaftlerin bei Dr. Spiller. „Feine Linien, Schwellungen, dunkle Schatten, absinkende Lider – all das tritt hier früher und deutlicher zutage.“ Weil der natürliche Fett- und Feuchtigkeitsschutz fehlt, sind gezielte Wirkstoffe besonders wichtig: Hyaluronsäure bindet intensiv Feuchtigkeit, polstert auf und glättet Linien; Peptide und Kollagen-Booster fördern die Hautspannung und beugen Falten vor; Koffein und Flavonoide entwässern und reduzieren Schwellungen; Baptisia-Extrakt wirkt gegen dunkle Augenringe, und Antioxidantien schützen vor freien Radikalen. „Es gibt eine Vielzahl an Wirkstoffen, die die empfindliche Haut rund um die Augen gezielt unterstützen können“, betont van den Berg. „Entscheidend ist die richtige Kombination, abgestimmt auf individuelle Bedürfnisse.“
Für die tägliche Routine empfiehlt sie speziell entwickelte Augenpflegeprodukte: Leichte Cremes und Gele spenden Feuchtigkeit und wirken beruhigend, während kühlende Pads oder Gels schnelle Linderung bei geschwollenen Lidern bringen. Seren und Ampullen mit hochkonzentrierten Wirkstoffen wirken gezielt gegen feine Linien und Schatten, und sanfte Massagegriffe oder Tools – idealerweise leicht gekühlt – unterstützen die Lymphdrainage und sorgen so für einen wachen, frischen Blick. „Bei geschwollenen Augenlidern helfen entstauende Massagegriffe enorm, um die Haut zu ‚entwässern‘ und wieder frischer wirken zu lassen“, so van den Berg.
Vorsicht bei aggressiven Inhaltsstoffen
Nicht alle beliebten Wirkstoffe der Gesichtspflege eignen sich für die Augenpartie. „Aggressive Tenside, Alkohol oder stark parfümierte Produkte können die Haut reizen“, warnt die Wissenschaftlerin. Auch hochdosiertes Retinol, Vitamin C oder Fruchtsäuren sollten nur in speziell abgestimmten Formulierungen verwendet werden. „Bei exfolierenden Wirkstoffen ist besondere Vorsicht geboten – sie können wirksam sein, aber die empfindliche Haut um die Augen herum irritieren.“
Unterstützung von außen und innen
„Feuchtigkeit ist das A und O für eine frische Augenpartie“, erklärt Dania Volk vom Salzburger Unternehmen SEEWALD Ortho, das sich auf Mikronährstoffe und Bio-Kosmetik spezialisiert hat. Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gelten als Goldstandard. Besonders sinnvoll ist die Kombination aus hoch- und niedermolekularer Hyaluronsäure: Die größeren Moleküle polstern an der Oberfläche auf, die kleineren dringen tiefer ein und binden dort Feuchtigkeit. Aloe Vera ergänzt die Pflege durch beruhigende Eigenschaften.
Damit die Feuchtigkeit langfristig erhalten bleibt, ist die Hautbarriere entscheidend. „Sonnenblumenöl unterstützt die Ceramid-Bildung, was bedeutend für die Schutzbarriere ist“, so Volk. Außerdem spielt Bakuchiol eine zentrale Rolle: „Es besitzt antioxidative Eigenschaften, unterstützt die natürliche Kollagenbildung und sorgt für ein ebenmäßiges Hautbild – ohne die Lichtempfindlichkeit, die Retinol verursacht.“
Mindestens ebenso wichtig wie die äußere Pflege ist die Versorgung von innen. Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Zink, Selen oder sekundäre Pflanzenstoffe neutralisieren freie Radikale, während Kollagenpräparate bei nachlassender körpereigener Produktion unter die Arme greifen und zur Hautelastizität beitragen können. Hydrolysierte Kollagenpeptide entfalten in Kombination mit B-Vitaminen oder Vitalpilzen wie Polyporus ihr ganzheitliches Potenzial. Auch Hyaluronsäure kann die Feuchtigkeitsbindung im Gewebe von innen unterstützen. Grundsätzlich bleiben Basics wie ausreichend Schlaf, Flüssigkeit und ausgewogene Ernährung entscheidend. „Kein Serum kann dauerhaft die Folgen von Schlafmangel oder Flüssigkeitsdefizit überdecken“, so Dania Volk.
Ausdrucksstark
„Die Augenpartie zieht alle Blicke auf sich – sie ist der größte Ausdrucksträger im Gesicht“, weiß auch Beauty-Expertin Lisa Grünwald. „Augenbrauen und Wimpern bilden den Rahmen unseres Gesichts. Wenn sie harmonisch gestaltet sind, unterstreicht das den gesamten Look.“
In ihrem Studio „The Natural Touch“ setzt sie auf Natürlichkeit: „Ich arbeite nur mit dem, was vorhanden ist. Keine künstlichen Härchen, nichts Permanentes. Ziel ist es, die natürliche Form und Dichte der Braue zu betonen.“
Ein zentraler Service ist das Brow Lifting, eine sanfte Umformung der natürlichen Augenbrauenhärchen. „Viele Menschen haben eine Wuchsrichtung zur Seite. Wir bringen die Härchen nach oben, sodass sie formbar werden und morgens leicht gestylt werden können. Die Brauen wirken automatisch voller und buschiger.“ Anschließend werden die Brauen typgerecht gefärbt – unter Berücksichtigung von Haarfarbe, Hauttyp, Augenfarbe und persönlichem Stil. „Der Trend geht klar zu natürlichen, breiten und buschigen Augenbrauen“, erklärt Lisa Grünwald. Individualisierte Farbnuancen werden dabei immer wichtiger.
Die ideale Augenbrauenform entsteht aus Technik und Gefühl: „Der Anfangspunkt liegt senkrecht zum Nasenflügel und dem inneren Augenwinkel, der höchste Punkt über der Pupille, das Ende entlang der Linie vom Nasenflügel über den äußeren Augenwinkel.“
Auch die Wimpern lassen sich sanft betonen – ohne Extensions oder Mascara. „Beim Lash Lifting fixieren wir die Wimpern auf ein individuell angepasstes Silikonpad. Je nach Augenform und Wimpernstruktur wähle ich flachere oder rundere Pads.“ Die Behandlung dauert etwa eine Stunde und hält rund sechs Wochen. „Der Blick wirkt sofort wacher und frischer – ganz ohne Make-up.“



