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Ein freies Land dank Nelson


Südafrika feiert 100. Geburtstag Mandelas. Wo Touristen Spuren des Ex-Präsidenten finden.
Ein Artikel von Christian Schreiber

suedafrika_03Prema Naidoo hat noch immer Tränen in den Augen, wenn er an den Tod von Nelson Mandela vor fünf Jahren denkt. „Aber jetzt haben wir Grund zum Feiern“, sagt der Weggefährte des langjährigen südafrikanischen Präsidenten, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag begangen hätte. Das wird überall im Land gefeiert und es kommen mehr Touristen denn je, um auf den Spuren des Friedensnobelpreisträgers zu wandeln. So treffen sie auf Männer wie Prema, der an einem schicksalsträchtigen Ort über seinen Leidensgenossen spricht. Im Old-Fort-Gefängnis in Johannesburg, das sich zu einer Art Pilgerstätte für Mandela-Anhänger entwickelt hat, waren beide als politische Häftlinge eingesperrt und mussten üble Schikanen und Demütigungen über sich ergehen lassen. „Nur weil wir schwarz waren.“ Prema zittert, als er die kleine Tür zum „Empfangsraum“ des Gefängnisses öffnet. Hier begann sein Martyrium. Die Wärter befahlen ihm damals, sich auszuziehen, traktierten ihn eine Stunde mit einem starken Wasserstrahl und steckten ihn anschließend in gebrauchte Häftlings-Kleidung voller Schmutz und Läuse. Prema berichtet von willkürlichen Schlägen – wenn sie nicht von den Wärtern kamen, dann von den Gang-Mitgliedern, denen man sich unter-zuordnen hatte. Und selbst im Gefängnis gab es eine strikte Rassentrennung. Schwarze Häftlinge erhielten Suppe, Brot und die schlechteste Reisqualität, weiße bekamen Eintopf, Bohnen und an Weihnachten sogar einen Kuchen. „Die anderen waren besser dran, obwohl sie wirklich Verbrechen begangen hatten. Wir waren doch unschuldig.“ Im Südafrika der 1960er-Jahre sitzt jeder achte Einwohner hinter Gittern – nur weil er schwarz ist. Mandela kommt 1964 ins Old-Fort-Gefängnis und erhält die Häftlingsnummer 466/64, die noch immer in seiner damaligen Zelle prangt. Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er eingesperrt wird. Als er 50 Jahre später an diesen Ort zurückkehrte, merkte er traurig an: „Hier hat mein Schicksal begonnen.“

suedafrika_05Aus Rolihlahla wird Nelson
Noch mehr erfahren Reisende über Mandelas Leidens-geschichte und das brutale Regime, das Südafrika Jahrzehnte im Griff hatte, im Apartheids-Museum. Dem schwarzen Führer ist eine Sonderausstellung gewidmet, bei der man die Stationen seines Lebens verfolgen kann. Einer der prägendsten Momente in jungen Jahren war der erste Schultag, als ihm seine Lehrerin den Namen „Nelson“ verpasste. Niemand durfte ihn mehr Rolihlahla rufen, schwarze Namen waren verpönt

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. Fortan sieht man auf den Bildern einen kämpferischen, jungen Mann, der sich der Freiheitsbewegung ANC anschließt und als Staatsfeind Nummer eins zu lebenslanger Haft verurteilt wird. 26 Jahre verbringt er in verschiedenen Gefängnissen und führt von dort seinen Kampf gegen die Rassen-trennung weiter, ehe er 1990 vom damaligen Präsidenten de Klerk freigelassen wird und vier Jahre später dessen Amt übernimmt. Das Museum schildert in aller Brutalität den Aufstand der Schwarzen gegen das Apartheids-Regime, Filmaufnahmen zeigen, wie Kinder geschlagen und erschossen werden. Nur selten bleibt es bei Andeutungen, das Konzept setzt auf absolute Konfrontation. Für manche Besucher ist es eine Spur zu heftig. Ein schwarzer Mann steht an einem Minenfahrzeug und weint. Solche gelben Ungetüme flimmern im Nebenraum über die Bildschirme, darauf Soldaten, die bei den Jugendaufständen in den 1980er-Jahren in die Menge schießen. „Ich habe damals meinen Bruder verloren. Ohne Mandela wäre ich wahrscheinlich auch irgendwann gestorben.“

Geheimtreffen im Wald
Überall in Südafrika findet man Spuren Mandelas, bereits vor seinem Tod gab es spezielle Touren für Touristen, unter anderem auf Robben Island, jener Gefängnis-Insel, auf der er 18 Jahre inhaftiert war. Welche Orte soll man also rauspicken, um sich diesem einmaligen Menschen zu nähern? Johannesburg ist sicher der ideale Ausgangspunkt. Im Anschluss bietet sich der Osten des Landes an, weil die Region rund um Durban die Wiege des Widerstands ist. Dort fand Mandela in jungen Jahren die Vorbilder für seinen Freiheitskampf. Dorthin kehrte er immer wieder zurück – aus persönlichen und aus symbolischen Gründen. Groutville war einer der wichtigsten Orte für Mandela. Wer in das kleine Township will, verlässt Durban in nordöstlicher Richtung. Man passiert die berühmte Delfin-Küste, taucht ein in fruchtbar-grünes Land, in dem früher indische Sklaven auf Baumwoll-Plantagen schufteten. Heute tragen die Frauen Körbe mit bunten Klamotten auf dem Kopf, um sie im Fluss zu waschen. Ziel ist das ehemalige Haus von Albert Luthuli. Mandela war regelmäßig zu Gast bei dem lange Zeit wichtigsten politischen Führer der Apartheids-Gegner, der 1960 als erster Süd-afrikaner den Friedensnobelpreis erhielt. Allerdings fanden die Begegnungen im Untergrund statt, weil das Regime Luthuli verboten hatte, politisch zu arbeiten. Das Haus ist heute eine Gedenkstätte. Man muss den Mitarbeitern ein wenig zureden, dann führen sie einen durch das Township, zeigen Hinterhöfe, die für die Geheimtreffen reserviert waren. Um den Beobachtern zu entkommen, sind Luthuli und Mandela manchmal sogar in den nahen Wald gelaufen.

suedafrika_09„Südafrika ist nun ein freies Land“
Luthulie war es gewohnt, auf Mandela wirkte das Versteck-Spiel immer befremdlich. Er war stets ein Mann der Gesten, der sich zeigen wollte – der Sache wegen. Das blieb auch nach seiner Freilassung so. Für seinen vermutlich wichtigsten politischen Auftritt wählte Mandela ebenfalls Durban aus. Bei den ersten gleichberechtigten Wahlen 1994 fuhr er ins Township Inanda, um seine Stimme abzugeben. Er wählte einen Ort, den es in der südafrikanischen Apartheids-Geschichte eigentlich gar nicht hätte geben dürfen: die Ohlange-High-School, im Jahr 1901 die erste von einem Schwarzen geführte Bildungseinrichtung. Der Gründer war Dr. John Dube, der einige Jahre später zum Führer des ANC und zur Symbolfigur des Widerstands avancierte. Als Mandela in der gepanzerten Mercedes-Limousine, die ihm die deutsche Bundesregierung geschenkt hatte, vorfuhr, stand Mandla Nxamulo als Aufseher direkt neben der Urne. „Wir mussten die Wahl ins Freie verlegen, weil hunderte Kamera-teams, Fotografen und Reporter da waren.“ Mandela sei ausgestiegen und überraschend zuerst zum Dube-Denkmal gegangen. Mandla weiß noch genau, was er dort sagte: „Mister President, ich bin hier, um Ihnen zu berichten, dass Südafrika nun ein freies Land ist.“ Die Schüler, die heute auf dem Campus sind, kennen die Geschichte mit Mandela natürlich. In den Pausen kommen Acht- und Neuntklässler, um die Urne zu besichtigen und die gerahmten Fotos, auf denen ihr schwarzer Führer seinen Stimmbrief einwirft. Unter ihnen ist der 15-jährige Sifiso, der sagt: „Mandela ist mein Vorbild. Wir müssen uns immer an ihn erinnern – nicht nur zu seinem 100. Geburtstag.“

suedafrika_07Anreise
South African Airways und Lufthansa fliegen nonstop von München und Frankfurt nach Johannesburg. Hin und Rück ab etwa 700 Euro. www.flysaa.com

Unterkunft
Hotel Melrose Arch (Johannesburg): sehr schöne Unterkunft in einem hippen Viertel außerhalb des Stadtzentrums. DZ ab 145 Euro. www.africanpridehotels.com

Hotel Oyster Box (Durban): historisches Hotel im Boutique-Style, direkt am Wasser. DZ ab 280 Euro. www.oysterboxhotel.com

Mandela-Touren und -Spuren
Robben Island: verschiedene Touren inkl. Fährüberfahrt zur Insel ab etwa 10 Euro pro Person (Gruppe).
www.robben-island.org.za

Soweto: Touren zu Fuß, per Rad oder Tuk Tuk durch das Township, in dem Mandela gelebt hat. Ab etwa 20 Euro.
www.sowetobackpackers.com

Apartheids-Museum: u.a. eigene Mandela-Ausstellung. Eintritt: rund 6 Euro.
www.apartheidmuseum.org

Weitere Touren z.B.:
www.soweto.co.za,
www.streetscene.co.za,
www.ekalatours.com

Rundreisen
Neckermann/Thomas Cook bietet Rundreisen mit Safari und Stationen von Nelson Mandela z.B. rund um Johannesburg/Soweto oder Kapstadt/Robben Island.
www.thomascook.de www.neckermann-reisen.de

Die Reise wurde unterstützt von Südafrika Tourismus und Thomas Cook/Neckermann.

Fotos: South Africa Tourism / Ch. Schreiber

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