Die Jagd nach dem besten Bild

Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar

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Foto: auergraphics – stock.adobe.com

Jeden Tag werden auf Instagram um die 95 Millionen Fotos und Videos hochgeladen. Eine riesige Bilderflut mit einem gewaltigen touristischen Einfluss. Vor allem junge Leute machen sich gezielt auf die Reise für das perfekte Instagram-Foto. Ihr Ziel wählen sie danach aus, wie hoch seine Instagrammability ist, sprich: Wie viele geeignete Instagram-Motive es dort gibt. Meist geht es nicht um Neuentdeckungen, sondern um Wiederholungen.
Ein Beispiel für so einen Ort ist der Pragser Wildsee in Südtirol. Dort stehen Menschen teilweise Schlange, um ein Selfie von sich und dem berühmten Bergsee-Panorama zu machen. Massentourismus par excellence.

Auch am Königssee im Nationalpark Berchtesgaden kennt man dieses Phänomen: Blogger, Influencer und YouTuber auf der Suche nach Foto-Hotspots. Unter dem Hashtag #naturpoolkönigssee finden sich in den Social Media Kanälen unzählige Posts vom Königsbach-Wasserfall und seinen Gumpen. Noch vor ein paar Jahren kannten den Platz nur Einheimische. Jetzt wollen Menschen aus der ganzen Welt dorthin und Bilder von sich selbst machen. Dabei liegt der Wasserfall in einem schwer zugänglichen Bereich, der bergsteigerische Erfahrung erfordert. Erst im April kamen dort beim Baden zwei 21-Jährige aus Sachsen ums Leben, weil sie die starken Strudel des Schmelzwassers unterschätzt haben. Ob die Männer von Instagram angelockt wurden, ist zwar nicht bekannt, solch tragische Vorfälle kommen aber vor. 2015 stürzte ein australischer Student am Felsvorsprung Trolltunga in Norwegen in den Tod. Sind Sperrungen eine mögliche Option? Nein, sagte Ulf Dworschak vom Nationalpark Berchtesgaden in einem Radiointerview, Wildbäche in den Alpen ließen sich nicht so einfach absperren.

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