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Der Hype um Hanf – Vom Rausch- zum Arzneimittel


Der schlechte Ruf von Cannabis überschattet noch immer seine vielfältigen positiven Wirkungen als Heilpflanze. Dabei wurde die berauschende Wirkung der Pflanze erst lange nach dem medizinischen Gebrauch entdeckt.
Ein Artikel von Susanne Rosenberger
Foto: vladk213 - stock.adobe.com

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Wer glaubt, die medizinische Forschung wäre einem neuen Wundermittel auf der Spur, der irrt. Hanf gilt seit Jahrtausenden in vielen Kulturen als Heilpflanze. Die ältesten Funde von Hanfsamen gehen sogar auf die Jungsteinzeit zurück. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin, das Alte Ägypten und die indische Ayurveda-Heilkunde wussten sich bereits früh dieser Pflanze für medizinische Zwecke zu bedienen und die Benediktinerin Hildegard von Bingen sprach Cannabis sativa („gemeiner Hanf“) – so der botanische Name – bereits im 12. Jh. eine heilende Wirkung zu.
Welche Heilkräfte stecken also tatsächlich im Hanf und bei welchen Krankheiten kann uns diese „Wunderpflanze“ helfen? Ein Blick auf ein zutiefst missverstandenes Schmerz- und Heilmittel verrät viel über seine Potenziale, aber auch Risiken.

Foto: artit - stock.adobe.com

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Großes Potenzial in der Cannabismedizin
Die Cannabispflanze enthält mehr als hundert identifizierte Inhaltsstoffe (Cannabinoide), von denen zwei im Fokus der medizinischen Forschung stehen: Der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) hat eine schmerzstillende, entspannende, angstlösende und appetitanregende Wirkung, inhaliert löst der Pflanzenstoff THC ein Rauschgefühl aus. Das Cannabidiol (CBD) gilt als schmerzlindernd und angstlösend, entzündungs-hemmend, antipsychotisch und hat keinerlei berauschende, bewusstseinsverändernde Wirkung wie das THC. Für das allgemeine Verständnis der Einsatzgebiete und Gesetzeslage ist es essentiell, den Unterschied zwischen CBD (= Nahrungsergänzungsmittel) und THC (= psychoaktive Substanz) zu kennen.
Wie genau wirken diese Cannabinoide? Sie beeinflussen Rezeptoren im gesamten Körper, besonders aber im Gehirn, weil dort eine hohe Konzentration dieser Rezeptoren vorliegt. Dadurch können diverse Beschwerden (wie etwa Appetit, Entzündungen, Schmerzen) gleichzeitig gelindert werden. Das ist auch der Grund, warum Medizinalhanf einen großen Nutzen darstellen kann für Patienten mit Multipler Sklerose, speziellen Epilepsie-Formen oder Spastiken sowie als Zusatztherapie bei Krebspatienten. Auch bei chronischen Schmerzen, Rheuma, Tourette-Syndrom, Parkinson oder Alzheimer wurden positive Wirkungen beobachtet.
Bisher wurden vielversprechende Effekte nachgewiesen bei der Reduzierung von Schmerz, Krämpfen und muskulären Verspannungen, Anregung des Appetits, Hemmung von Übelkeit und Erbrechen, Verbesserung des Schlafs oder bei Nervenschmerzen und Phantom-schmerzen. Die klinische Wirksamkeit von Cannabinoiden gilt bei verschiedenen Indikationen als belegt, dennoch fehlen noch immer aussagekräftige medizinische Studien – die Annahmen beruhen hauptsächlich auf positiven Patientenberichten.
Bei all den genannten positiven Eigenschaften dürfen aber auch die Nebenwirkungen von Cannabispräparaten nicht außer Acht gelassen werden, so etwa die Gefahr von Psychosen, die Suchtgefahr oder die Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Besondere Vorsicht ist daher geboten bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen und bei Jugendlichen.

Foto: William Casey - stock.adobe.com

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CBD – das „legale Cannabis“?
Möchte man als Patient selbst seine Erfahrungen machen mit CBD und ausprobieren, ob sich die Symptome damit lindern lassen, sind CBD-Produkte in Österreich legal als Nahrungsergänzungsmittel im Handel erhältlich und fallen auch nicht unter das Suchtmittelgesetz. CBD kann in Form von Blüten, Ölen, Kapseln, Cremen etc. in Apotheken und Spezial-Geschäften gekauft werden, so etwa bei NOOON CBD in der Mertensstraße in Salzburg (www.nooon-cbd.com), wo laborgeprüfte CBD-Produkte aus natürlich gezüchteten Nutzhanf-Blüten mit einem gesetzlich zugelassenen THC-Wert unter 0,2 % vertrieben werden. Auf dem Vormarsch ist derzeit das CBD-Öl (auch Hanf-Öl oder Hanf-Tropfen genannt), das neben dem Wirkstoff Cannabidiol wichtige ungesättigte Fettsäuren des Hanfsamenöls, Omega-3 und Omega-6 enthält und aus Hanfextrakt gewonnen wird. Das entzündungshemmende Öl wird oral eingenommen und hat ein breites medizinisches Wirkungsspektrum. Durch seine entspannenden Eigenschaften wirkt es sich positiv auf den Bewegungsapparat und die Muskulatur aus, so etwa bei rheumatischen
Beschwerden oder Migräne.

Foto: msk.nina - stock.adobe.com

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Medizinisches Cannabis auf Rezept
Zur Freude vieler Schmerzpatienten darf medizinisches Cannabis seit Anfang 2017 in Deutschland unter strengen gesetzlichen Bedingungen ärztlich verordnet werden. Auch in anderen Staaten wurde der medizinische Gebrauch von Cannabis bereits legalisiert. In Österreich hingegen kommt Medizinalhanf ausschließlich in Form von Reinsubstanzen oder synthetischen Derivaten zum Einsatz, Marihuana in Pflanzenform darf hierzulande aufgrund des stark schwankenden THC-Gehalts (zwischen 1 und 20 %) und möglicher Verunreinigungen durch Herbizide, Pestizide und Schimmelpilze nicht medizinisch eingesetzt werden.
In Österreich sind derzeit Einzelsubstanzen wie Dronabinol, das vollsynthetische Derivat Nabilone (Canemes®) und das Kombinationspräparat Sativex® (THC/CBD) rezeptierbar, die Erstattung durch die Krankenkasse ist in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. Man beachte, dass für Dronabinol und Sativex ein Suchtgiftrezept ausgestellt werden muss – hier empfiehlt sich, einen Medikamentenpass mitzuführen, da bei Drogen-Screeningtests noch Wochen bis Monate nach Anwendung positive Befunde nachgewiesen werden können.

Aktuelle Gesetzeslage in Österreich
Hierzulande ist es nämlich strafbar, Cannabis zu erwerben, zu besitzen (ausgenommen sind geringe Mengen für den Eigenbedarf), zu erzeugen, ein- oder auszuführen oder anderen zu überlassen. Selbst der Besitz von natürlichem Cannabis für medizinische Zwecke ist in Österreich illegal, da Cannabis im Suchtmittelgesetz als illegale Droge geführt wird. Die aktuelle Gesetzeslage verbietet daher auch den Anbau von Cannabispflanzen zur Gewinnung von Suchtgift, dies ist ausschließlich der „Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit“ (AGES) gestattet

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. AGES steht im Eigentum der Republik Österreich (Bundesministerium für Gesundheit und Landwirtschaft) und besitzt das Monopol, medizinisches Cannabis anzubauen und an befugte Abnehmer, meist Pharma-Unternehmen, weiterzugeben.
Private Interessenten der Homegrow-Szene können derzeit zwar Stecklinge und Hanfsamen in sogenannten „Growshops“ käuflich erwerben, die Regierung überlegt jedoch eine strafrechtliche Neuregulierung des Cannabisverkaufs, was in den vergangenen Monaten auf große Verunsicherung seitens der Growshop-Betreiber, aber auch bei Hanfbauern gestoßen ist.

Foto: Elena Schweitzer - stock.adobe.com

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Ein wahrer Tausendsassa
Denn die vielseitig einsetzbare Hanfpflanze wird in Österreich nicht nur für den medizinischen Zweck angebaut, sondern – aufgrund seines hohen Gehaltes an Eiweiß, ungesättigten Fettsäuren und Vitaminen – auch für die Lebensmittelproduktion (Öl, Tee, Müsli, Mehl, Nudeln, Bier, Limonade, Wellnessgetränke) und die Herstellung von Kosmetika, Dämmstoffen, Futtermittel und Textilien verwendet. Die Nachfrage nach Hanfprodukten ist dabei in den letzten Jahren stark gestiegen, vor allem seit 1995, als Hanf in Österreich wieder als Nutzpflanze zugelassen wurde und sich als fixer Bestandteil am Rohstoffmarkt etablieren konnte – dies gilt für all jene Hanfsorten, die im Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzenarten angeführt sind.
Das nördliche Weinviertel wird als die Hanfregion Österreichs bezeichnet, hier wird die schnell wachsende und robuste Nutzpflanze – die weder Herbizide noch Pestizide noch Dünge-mittel benötigt und in fast jeder Erde gut gedeiht – großflächig angebaut und verarbeitet. Der Nutzhanf ist eine einjährige Pflanze und zählt zu den Tiefwurzlern, er lockert den Boden, zieht Mineralstoffe aus der tiefen Erdschicht und dient als ideale Wechselfrucht zur
Verbesserung der Bodenqualität.

Arzneipflanze 2018
Die Alleskönnerpflanze „Cannabis sativa“ wurde vor kurzem in Österreich von der HMPPA (Herbal Medicinal Products Platform Austria) aufgrund seiner aktuellen politischen und wirtschaftlichen Bedeutung und seinem vielfältigen Wirkstoffspektrum zur „Arzneipflanze 2018“ gewählt. Die Hanfpflanze verdient sich daher wahrhaftig einen Imagewandel weg von der „Kifferdroge“ hin zu einer vielbeachteten Nutzpflanze und Heilpflanze in der Medizin.


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