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Das „sprechende“ Mascherl

Sie ist keine normale Kleidung, sondern rangiert zwischen Festtagsoutfit und Traditionsgewand: die Tracht mitsamt ihren Symbolen, die sich nicht selten dahinter verbergen.
Ein Artikel von Natalie Zettl

Seit einigen Jahren ist es auch bei der jungen Generation wieder in, Tracht zu tragen – und das in allen möglichen Facetten: Viele interpretieren den Brauch neu, indem aktuelle Modetrends in den Trachtenlook eingebunden werden. Doch egal, wie man das Trachtengewand aufpeppt: Es gibt mehrere Symbole, die man kennen sollte:

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Wo die Schürze zu binden ist
Die meisten Frauen und Mädchen kennen die Symbolik, die sich hinter dem „Wo“ der Dirndlschürzen-Masche verbirgt: Je nach der Stelle, an der sie gebunden wird, gibt sie einen nonverbalen Hinweis auf den Beziehungsstatus der Trägerin. Dabei steht eine rechts gebundene Masche für „vergeben“ beziehungsweise „verheiratet“, ledige Damen tragen die Masche auf der linken Seite. Johann Köhl, Obmann des Salzburger Heimatwerks, weist darauf hin, dass das Schürzenbinden eher ein neuerer Brauch ist, der sich erst vor wenigen Jahrzehnten entwickelt hat: Traditionell wird die Dirndlschürze nämlich hinten gebunden. Außerdem gäbe es weitere praktische Gesichtspunkte, die man in Erwägung ziehen müsse: „Zum Beispiel hat eine Kellnerin normalerweise rechts vorne ihr Geldtascherl hängen“, so Johann Köhl, „da muss sie die Masche des Dirndls woanders binden.“ Neugierigen Verehrern ist also davon abzuraten, von der Platzierung der Masche allein auf den Beziehungsstatus zu schließen – sonst kann man(n) leicht in die Irre geführt werden.

stutznStutzen mit Bedeutung?
Versteckte Botschaften in den Trachtenstutzen der Herren – das gab es vor allem in alter Zeit. Damals war es noch üblich, dass Frauen die Stutzen für ihre Männer selbst strickten und manchmal mehr oder weniger heimliche Botschaften einbauten. Einen Hinweis darauf geben noch heute die klingenden Namen der Strickmuster: Eines davon heißt zum Beispiel „Brennende Liab“. Auch wenn die handgestrickten Stutzen nach wie vor zum Trachtengewand der Herren gehören – heutzutage ist dieser Brauch fast ausgestorben. Aus einem rein praktischen Grund: „Heute werden die Stutzen meist von Profis gestrickt, nicht mehr von der eigenen Frau“, weiß Johann Köhl. „Von daher sind die verschiedenen Strickmuster inzwischen nur mehr das, was sie tatsächlich sind – Muster mit interessanten Namen.“ Trotzdem wird von traditionellen Strickerinnen jedes einzelne Paar Stutzen individuell an den Träger angepasst, was dieses Accessoire zu einem ganz besonderen macht.

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